Überlegungen vor dem Pferdekauf

    Aus Pferde-Lexikon

    Die Suche nach dem passenden Pferd für die eigenen Ansprüche ist spannend und aufregend, birgt aber häufig auch einige Überraschungen. Viele Aspekte müssen gleichzeitig bedacht werden, vom eigenen Können über Präferenzen bei Farbe, Rasse und Geschlecht des Tiers bis hin zu den möglichen zukünftigen Zielen. Häufig stellen Reiter, die sich als Anfänger ein möglichst ruhiges Pferd zulegten, nach einiger Zeit fest, dass sich ihre Wünsche gemäß ihrem Können verändert haben; das ehemals brave Pferd scheint nun phlegmatisch und langweilig. Andere überschätzen ihre Fähigkeiten und müssen das Traumpferd, das um einige schlechte Erfahrungen reicher und dadurch noch schwieriger geworden ist, wieder verkaufen. Nicht selten sind auch Mitleidskäufe, nach denen sich meist herausstellt, dass das Pferd diese "Rettung" keineswegs mit Dankbarkeit, sondern mit problematischen Verhaltensweisen und hoher Krankheitsanfälligkeit beantwortet.

    Um diese Fehler zu vermeiden, sollten Reiter ihren Charakter und ihre reiterliches Können realistisch einschätzen lernen und sich über einige grundlegende Fragen schon im Vorfeld klar werden.

    Wie groß sind mein Fachwissen und mein reiterliches Können?

    Das Können eines Reiters kann sicherlich am besten der Reitlehrer beurteilen, der seinen Schüler idealerweise mindestens einmal pro Woche unterrichtet und so dessen Schwächen, Fehler und Ängste kennt. Dies ist aber nur dann gewährleistet, wenn der Reitlehrer auch die Möglichkeiten hatte, auf den einzelnen Schüler individuell einzugehen - was in Reitstunden mit acht und mehr Reitern kaum der Fall sein dürfte. Vorsicht ist auch geboten, wenn auf die wohlwollende Einschätzung des reiterlichen Könnens unmittelbar die Empfehlung folgt, ein bestimmtes Schulpferd würde hervorragend zu diesem Können passen und sei zufällig zu verkaufen. Auch bei erfahrenen Reitern aus dem Reitstall kann das Urteil durch eine gute Freundschaft, aber auch Neid auf den zukünftigen Pferdebesitzer getrübt sein.

    Es empfiehlt sich grundsätzlich nicht, die Einschätzung des eigenen Könnens beim Probereiten eines Verkaufspferds vorzunehmen. Zum einen wird die Auswahl ohne vorher festgelegte Kriterien unüberblickbar, zum anderen lässt man sich leicht durch Bemerkungen des Verkäufers, wie außergewöhnlich das Pferd gerade gehe, zu einem zu positiven Eindruck von Tier und Besitzer verleiten. Nicht zuletzt besteht ein großes Sicherheitsrisiko für Reiter und Pferd, wenn der Ausbildungsstand der beiden zu stark divergiert.

    Bereits in diesem Stadium wird der zukünftige Pferdebesitzer vermutlich feststellen, dass einige Pferderassen und -typen für ihn nicht geeignet sind. Zwar stellen Friesen aufgrund ihrer Farbe, der hohen Aufrichtung und des gewaltigen Trabs eine imposante Erscheinung dar - wer allerdings Probleme beim Aussitzen im Trab hat, sollte sich eine Rasse mit weniger Aktion kaufen. Erfahrene Reiter, die gerne sportlich unterwegs sind, können u.U. mit einem Norweger - trotz dessen zahlreichen Qualitäten - schlecht beraten sein.

    Noch wichtiger als das Können im Sattel ist für den zukünftigen Pferdehalter das Wissen um Haltung, Pflege, Krankheiten und Verhaltensweisen von Pferden. Die Absolvierung eines Abzeichenlehrgangs in einer der Reitweisen sichert gute Grundkenntnisse. Diese werden jedoch im Stallalltag kaum ausreichen; man muss sich daher darauf einstellen, stets neues Wissen zu benötigen und zu erwerben.

    Pferdebesitzer zu sein heißt, mit einem anderen Lebewesen Kontakt aufzunehmen, dieses auszubilden und auf sich zu prägen und mit diesem gemeinsam zu lernen. Den guten Reiter zeichnen daher auch bestimmte charakterliche und pädagogische Eigenschaften aus, die diese Kontaktaufnahme vereinfachen: Geduld, Selbstbeherrschung, Klarheit beim Geben von Anweisungen, ein gewisses Maß an Selbstbewusstsein und Offenheit für Neues. Jähzorn und Ungeduld schaden der Beziehung zum eigenen Pferd ebenso wie zu große Nachgiebigkeit. Der perfekte Mittelweg ist schwer zu finden - zumal heute inmitten der zahllosen Lehren von Dominanz bis unbedingter Gewaltfreiheit - und lässt sich oft erst nach jahre-, teilweise jahrzehntelangem Umgang mit Pferden entdecken. Fehler lassen sich praktisch nicht vermeiden; der zukünftige Pferdebesitzer sollte aber bereits die Ruhe besitzen, mit ihnen umzugehen und aus ihnen zu lernen, und die Souveränität, nicht stets beim Pferd die Schuld zu suchen.

    Was will ich mit meinem Pferd machen?

    Diese Frage spontan zu beantworten fällt leicht, schließlich träumt man ja schon so lange von Ritten auf dem eigenen Pferd durch unberührte Natur, vom Gewinn goldener Schleifen bei Turnierprüfungen, von den Sonntagsausfahrten in der eigenen Kutsche. Dennoch sollte man seine Wünsche noch einmal ernsthaft hinterfragen. Genügen das reiterliche Können, aber auch die finanziellen und zeitlichen Möglichkeiten, um diese Ziele zu erreichen? Möchte man ein Pferd für Wanderritte erwerben, sollte man gleichzeitig an das regelmäßige, zeitaufwändige Training denken, das einem Wanderritt unbedingt vorausgehen muss. Auch Turnierteilnahmen bedürfen vieler Vorbereitungszeit, v.a. aber auch spezieller, kostspieliger Ausstattung, die - bei regelmäßigen Starts - den Kauf eine Pferdeanhängers und eines zugkräftigen PKW mit einschließt.

    Auch die Wahl der Reitweise spielt beim Pferdekauf eine Rolle. Selbstverständlich kann man Gangpferdereiten nur auf gangveranlagten Pferderassen betreiben, aber ebenso gehören zu jeder der anderen Reitweisen traditionell bestimmte Pferderassen und -typen.

    Zwar darf man diese Zuordnung nicht als exklusiv betrachten: immer wieder wurde bewiesen, dass man mit einem Quarter Horse auch Doma Vaquera, mit einem Deutschen Warmblut auch Sliding Stops reiten kann. Dennoch sollte man bedenken, dass jede Rasse seit Jahrhunderten für ein bestimmtes Einsatzfeld gezüchtet wurde. Quarters und Paints sind für die rasanten Starts und Stopps der Westernreitweise aufgrund ihrer muskulösen Hinterhand prädestiniert. Kurze Pferde mit natürlicher Aufrichtung erlernen aufgrund anatomischer Vorteile leichter die iberische Reitweise und nur wenige Rassen besitzen wie Holsteiner oder Bayerische Warmblüter den in Dressurprüfungen verlangten Raumgriff.

    Noch schwieriger wird die Beantwortung der oben gestellten Frage, wenn man sie ergänzt durch den Zusatz "in fünf/ zehn/ 20 Jahren". Ein artgerecht gehaltenes, schonend gerittenes und nicht erblich vorbelastetes Pferd kann 25 bis 30 Jahre alt werden.

    Selbst beim Kauf eines "älteren" Pferds von 13 oder 15 Jahren sollte man also für die Zukunft planen. In dieser Zeit kann sich das eigene Können weiterentwickeln, sodass die zum Kaufzeitpunkt noch utopischen Träume von der Turnierteilnahme plötzlich in greifbare Nähe rücken. Hat man nun sein Pferd vor allem unter dem Aspekt der Zuverlässigkeit, ohne Berücksichtigung von Grundgangarten, Versammlungsfähigkeit oder Springtalent gewählt, ist der Reiter gezwungen, entweder seine Träume zum Wohle des Pferds aufzugeben - oder sich ein anderes Pferd zu kaufen. Umgekehrt kann es passieren, dass der begeisterte Turnierreiter wegen Zeitmangels und wachsendem Arbeitspensum nur noch gemütliche Aus- oder gar Wanderritte unternehmen will, für die sein Sportpferd u.U. weder die geeigneten, kräfteschonenden Gangarten noch die Nervenstärke besitzt.

    Auch der Aspekt der Altersversorgung muss bedacht werden. Grundsätzlich sollte sich nur ein Pferd zulegen, wer gewillt und in der Lage ist, dieses bis zu dessen Tod zu versorgen oder den Platz auf einem entsprechenden Gnadenhof zu bezahlen. Die Abgabe "wegen Unreitbarkeit" als Beistellpferd oder Ähnliches birgt hohe Gefahren, da diese Tiere nicht selten weiterkauft und schließlich geschlachtet werden.

    Gerade für jene Reiter, die sich aus Zeit- und Geldgründen nur ein Pferd halten können, stellt ein altes Pferd oft eine große Belastung dar. Nicht selten steigen die Tierarztkosten aufgrund "kleiner" Krankheiten - Phlegmonen, Mauken, Zahnbehandlungen - deutlich. Spezielle Futter können nötig sein. Andererseits wird sich jeder Tierarzt - zu Recht! - weigern, ein unreitbares, aber sonst gesundes und zufriedenes Tier einzuschläfern, damit der Besitzer sich wieder ein Reitpferd kaufen kann. Die Frage "Was mache ich, wenn mein Pferd alt ist?" auf später zu verschieben, ist dem Tier gegenüber verantwortungslos. Klarheit muss also auch hier schon vor dem Pferdekauf bestehen.

    Welche Haltungsform steht zur Verfügung?

    Der Reitsport findet immer mehr Anhänger, und entsprechend sprießen in vielen Gegenden Reitställe wie Pilze aus dem Boden. Dennoch sind nicht alle Haltungsformen in allen Regionen vertreten; so sucht man in stark landwirtschaftlich geprägten Gegenden häufig lange nach weitläufigen Weiden und Offenställen; die üblichere Form der Pferdehaltung ist hier die Aufstallung, oft in ehemaligen Kuhställen. In der Umgebung größerer Städte haben Pferdebesitzer zwar oft die Qual der Wahl, müssen diese aber meist mit entsprechend höheren Stallmieten bezahlen, sodass viele Ställe aus finanziellen Gründen wegfallen.

    Eine Reithalle ist für den Turnierreiter praktisch unerlässlich, damit er auch im Winter regelmäßig trainieren kann. Diese Ställe sind aber häufig teuer und besitzen zudem nur selten Paddockboxen, große Weiden oder gar Offenställe. Lebt der zukünftige Pferdebesitzer jedoch in einer Region, in der diese Haltungsform vorherrscht, muss er sich schon im Vorfeld nach einem geeigneten Stall für den ersehnten Isländer umsehen. Dabei kann die Entfernung zum Prüfstein der Pferdeliebe werden: Zweimal pro Woche stellt die Fahrt in den 50 km entfernten Traumstall kein Problem dar. Will man aber täglich reiten, muss dieser zusätzlich Zeit- und Kostenfaktor einkalkuliert werden.

    Der ausgewählte Stall sollte vor dem Pferdekauf mehrmals besichtigt und die genaue Unterbringung des zu kaufenden Pferds mit dem Stallbesitzer detailliert besprochen werden. Bei unklaren Formulierungen unbedingt nachfragen oder ihre Richtigkeit selbst überprüfen: Wenn versprochen wird, dass die Pferde täglich auf die Weide kommen, sollten sie auch bei regnerischem Wetter und aufgeweichtem Boden dort zu finden sein. Ein Koppelaufenthalt "je nach Wetter und Weidezustand" kann u.U. bedeuten, dass die Tiere nur bei Sonnenschein und absolut trockenem Boden herausgelassen werden - also praktisch nie. Gespräche mit langjährigen Einstellern, ohne dass der Stallbesitzer anwesend ist, können hier Klarheit bringen.

    Hat man sich endgültig für einen Stall entschieden, sollte man sich zusichern lassen, dass der gewünschte Platz frei gehalten wird. Teilweise muss dafür bereits ein Teil der Monatsmiete gezahlt werden; dies ist jedoch besser, als mit dem gerade gekauften Pferd vor einem überfüllten Stall zu stehen. In diesem Zusammenhang sollte der Stallbesitzer schon im Vorfeld die Maximalzahl der untergestellten Pferde nennen. Viele Offenstallbesitzer versuchen, durch die Unterbringung zu vieler Pferde auf zu wenig Raum mehr Geld zu verdienen - die Folgen sind Schlag- und Bissverletzungen sowie schlechte Futterversorgung einzelner Tiere.

    Auch den Einstellvertrag sollte sich der zukünftige Pferdebesitzer im Voraus zeigen lassen und fragliche oder ungewöhnliche Regelungen abklären.

    Möchte man sein Pferd "mit Familienanschluss" halten - also auf einer gepachteten oder gekauften Wiese mit Unterstand - werden andere Vorbereitungen nötig. Neben den rechtlichen Aspekten - sind Hütten- und Zaunbau, Pferdehaltung und Futter- sowie Mistlagerung erlaubt? - sind zwei andere Punkte relevant.

    Der erste betrifft die Pferdegesellschaft. Kauft man zwei Pferde oder besitzt man bereits eines, erübrigt sich diese Frage; andernfalls muss man sich nach einem geeigneten Mitpächter oder -halter umsehen. Hierbei gilt zu beachten, dass auch gute Freundschaften nicht vor Meinungsverschiedenheiten bei Themen wie Fütterung oder Pflege bewahren. Zudem kann nicht sichergestellt werden, dass das neu gekaufte Pferd sich mit dem oder den bereits vorhandenen versteht; eine dauerhafte Trennung ist bei einer Haltung in Eigenregie fast immer unmöglich.

    Das größte Problem stellt aber meist der zweite Punkt dar: die Zeit. Zu Beginn geht die Pflege des eigenen Pferds leicht von der Hand. Spätestens in der ersten längeren Schlechtwetterperiode, bei Problemen mit der Heubeschaffung, Streit unter den Pferden, zerstörten Zäunen oder zugefrorener Wasserleitung wird die Pferdebegeisterung auf eine harte Probe gestellt. Hinzu kommt, dass die Pferde täglich mindestens zweimal versorgt werden müssen. Wer dies im Krankheitsfall oder während einer Urlaubsreise übernimmt, sollte daher schon früh geklärt werden. Inzwischen bieten sich für diese Fälle auch "Horse Sitter" an, die sich zuverlässig, aber selbstverständlich nicht umsonst um die Stall- und Pferdepflege kümmern.

    Hengst, Stute oder Wallach?

    Bei der Wahl der Haltungsform spielt auch die Frage nach den Präferenzen bezüglich des Geschlechts des Traumpferds eine Rolle. Stuten und Wallache sind in der Regel unproblematisch in bestehende Herden zu integrieren. Hengste werden dagegen in den meisten Ställen nicht eingestellt, da sie zumindest von den Stuten separiert gehalten werden müssen. Vereinzelt existieren reine Hengstställe, in denen die Pferde meist in Boxen und tagsüber stundenweise (allein) in Ausläufen gehalten werden. Offenställe, in denen Hengstherden bestehen, sind eher schwer zu finden. In einigen Fällen werden Hengste auch in Wallachherden integriert.

    Einige spät gelegte (kastrierte) Wallache zeigen ein ausgesprochen "hengstiges" Verhalten, sodass sie nur schwer in gemischten Herden gehalten werden können. Diese Wallache sollten daher ausschließlich mit Stuten oder Wallachen zusammenstehen, um sich und andere Pferde nicht zu gefährden. Die meisten Wallache sind jedoch unkompliziert. Stuten besitzen in der Regel ausgeprägte soziale Instinkte, tendieren aber auch zu Rangkämpfen. Da diese meist durch Ausschlagen ausgetragen werden, können (v.a. bei beschlagenen) Pferden Verletzungen auftreten. Ein vorsichtiges Eingewöhnen in eine neue Herde ist daher unerlässlich.

    Für die reiterliche Nutzung gilt grundsätzlich: Wallache sind am unkompliziertesten, da sie recht ausgeglichene "Launen" und damit konstantere Leistungen zeigen. Sie haben wie Hengste die Tendenz, die einmal anerkannte Rangordnung gegenüber dem Menschen nicht mehr zu hinterfragen. Im Vergleich zu Hengsten zeigen sie jedoch weniger Imponierverhalten, sind umgänglicher mit anderen Pferden und besitzen meist auch weniger Laufwillen.

    Stuten versuchen dagegen immer wieder, in der Rangfolge aufzusteigen. Dieses Verhalten entspringt der wechselnden Hierarchie unter den Stuten einer Herde, aber auch den Dominanzdemonstrationen, die jedes Jahr gegenüber den neugeborenen Fohlen gezeigt werden müssen. Im Zusammenhang mit der Rosse - der in unterschiedlichen Abständen (zwischen vier Wochen und mehreren Monaten) stattfindenden Phase der Geschlechtsbereitschaft - ändert sich zudem das Verhalten der Stuten, wobei einige umgänglicher, andere extrem kitzlig und hypersensibel werden. Auf der anderen Seite zeigen Stuten jedoch eine große Leistungsbereitschaft und eine enorme Sensibilität gegenüber menschlichen Stimmungen. Dies erschwert ihre Ausbildung für Anfänger, deren Selbstbeherrschung noch nicht ausgeprägt genug ist.

    Was für ein Pferd will ich?

    Nach Beantwortung der vorhergehenden Fragen dürfte sich die Auswahl bereits drastisch reduziert haben. Meist verbleiben einige "Traumrassen", die zum eigenen Reitstil und den Ansprüchen passen, und ein präferiertes Geschlecht.

    Liest der potenzielle Pferdekäufer nun die Verkaufsanzeigen einschlägiger Fachmagazine, wird oft schnell klar, dass bestimmte Rassen aufgrund der Preise nicht in Frage kommen. Noch nicht angerittene Jungpferde oder gar Absetzer sind zwar deutlich billiger; ein Anfänger ist mit ihrer Ausbildung jedoch schnell überfordert. Zudem muss man sich darüber im Klaren sein, dass ein Absetzer in frühestens zweieinhalb Jahren angeritten und erst in rund sechs Jahren ohne gesundheitliche Bedenken voll genutzt werden kann.

    Auch Rassemixe können günstiger erworben werden - es sei denn, die Mischung wird bereits als eigene Rasse anerkannt, wie bspw. Araber-Berber, Arabohaflinger oder Aegidienberger (Paso mal Islandpferd). Alle anderen Mischungen können gelungen sein oder erhebliche Exterieurmängel aufweisen - hier hilft es nur, das jeweilige Pferd anzusehen.

    Gewarnt werden muss in den meisten Fällen vor Mitleidskäufen. Zwar ist es ehrenwert, ein Pferd aus schlechter Haltung "zu retten" - meist wurden diese Tiere aber zudem schlecht behandelt und stellen daher an den neuen Besitzer große Anforderungen, was die Kenntnis von Problemverhalten und Ausbildungsmethoden angeht. Gerade Anfänger neigen dazu, sich in verängstigte Pferde "zu verlieben". Und gerade diese werden nicht selten, sobald der Auslöser ihrer Angst nicht weiter besteht, aggressiv und benötigen eine feste, erfahrene Hand. Auch können auf den neuen Besitzer wegen früherer Fehlernährung oder Überlastung hohe Tierarztkosten zukommen. Unerfahrene Reiter sollten sich daher ein unkompliziertes, gut gehaltenes und ausgebildetes Tier aussuchen.

    Wo kaufe ich mein Pferd?

    Grundsätzlich gibt es drei Möglichkeiten: der Pferdekauf von privat, vom Züchter oder von einem Pferdehändler.

    Privatpferdehalter inserieren ihre Pferde meist in entsprechenden Fachzeitschriften, teilweise auch im Internet. Die Ehrlichkeit bezüglich Können und Gesundheit des Tiers schwankt dabei stark; ein persönliches Gespräch mit dem (Noch-)Besitzer kann hier einen ersten Eindruck vermitteln. Doch auch wenn der Halter sympathisch und kompetent wirkt, sollte man sich auf mündliche Angaben nicht verlassen und das Pferd zum einen intensiv begutachten und ein tierärztliches Attest anfertigen lassen und sich zum anderen zugesicherte Eigenschaften - wie einen bestimmten Ausbildungsstand, Freiheit von Krankheiten wie Sommerekzem oder Verhaltensstörungen wie Koppen - schriftlich bestätigen lassen.

    Lässt man sich das Pferd, sofern es bereits entsprechend ausgebildet ist, vom Besitzer vorreiten, kann man dessen Reitstil mit dem eigenen Können vergleichen. Wird ein großes Warmblut durch seinen Besitzer bspw. mit viel Kraft geritten, können bestimmte Lektionen durch eine weniger kräftige, leichtere Person u.U. nicht abgerufen werden. Darüber hinaus können die Gangarten des Tieres sowie sein Temperament beobachtet werden.

    Setzt sich der Kaufinteressent anschließend selbst auf das Pferd, sollte er versuchen, den Reitstil des bisherigen Reiters weitgehend zu kopieren, um das Pferd nicht zu irritieren. Man sollte bedenken, dass ein Pferd, das zum Verkauf steht, u.U. täglich oder gar mehrmals am Tag von wildfremden Reitern bestiegen wird und entsprechend leicht "störrisch" reagieren kann - dies sollte nicht dem Charakter des Tieres negativ angelastet werden.

    Häufig zu lesen ist die Formulierung "Platz vor Preis". Es kann nicht generell davon ausgegangen werden, dass so beworbene Pferde tatsächlich deutlich unter Marktwert verkauft werden. Auch Händler wissen inzwischen, dass ihre Kunden sich geschmeichelt fühlen, wenn sie beteuern, dass sie das Tier nur in beste Hände abzugeben bereit sind - und der Kunde genau diesen Anforderungen entspräche.

    Von Privat werden Pferde mit diesem Zusatz teilweise für einen rein symbolisch zu verstehenden Betrag verkauft. Dafür unterschreibt der neue Besitzer einen "Schutzvertrag". In diesem sichert er zu, das Pferd gemäß gewissen Auflagen (Offenstallhaltung, Beschlagsperiode etc.) zu halten und nicht weiterzuveräußern. Üblich ist die Einräumung eines Vorkaufsrechts: Ist der neue Pferdebesitzer aufgrund finanzieller oder zeitlicher Engpässe gezwungen, das Pferd abzugeben, informiert er zunächst den früheren Besitzer und gibt diesem somit die Gelegenheit, das Tier (zum selben - symbolischen - Betrag) wieder zu erwerben. Erst wenn dieser ablehnt, darf das Pferd an andere weiterverkauft werden. Meist muss der frühere Halter auch rechtzeitig von einer geplanten Tötung (außer im Notfall) in Kenntnis gesetzt werden.

    Der Kauf eines Pferds vom Züchter ist meist nur möglich, wenn man sich für den Erwerb eines Rassepferds entschieden hat. Rassekreuzungen können zwar zuweilen ebenfalls beim "Produzenten" erworben werden; dies ist jedoch mit einem Kauf von Privat gleichzusetzen und leider oft skeptisch einzuschätzen.

    "Vom Züchter" bedeutet also den Erwerb entweder in einem der großen Staatsgestüte (wie Marbach oder Schwaiganger) oder von einem größeren privaten Züchter. Hier kann üblicherweise von guter Qualität der Pferde ausgegangen werden, da diese Fohlen nicht ausschließlich für die Reitnutzung, sondern meist auch für den Rasseerhalt gezogen werden. Die Noten von Fohlenkürungen, Eintragungen als (Haupt-)Stammbuchstute u.Ä. weisen auf die Güte des einzelnen Zuchtprodukts hin. Daher ist es auch im Interesse des Züchters - dessen Ruf durch gut bewerteten Nachwuchs verbessert wird -, seinen Fohlen alle nötigen Impfungen, orthopädischen Maßnahmen und speziellen Zusatzfutter zukommen zu lassen. Nicht unbedeutend für die Entwicklung des Jungpferds ist auch sein Zusammensein mit Altersgenossen auf einer Weide; dies ist in Gestüten grundsätzlich gewährleistet.

    Allerdings bieten nicht alle Züchter ausgebildete Pferde an. Möglich ist meist der Erwerb von Absetzern (rund 6-8 Monate) und Dreijährigen, die gerade angeritten wurden. Da unerfahrene Reiter mit einem jungen, praktisch rohen Pferd jedoch schnell überfordert sind, ist der Kauf eines Remonten kaum empfehlenswert. Zuweilen werden aber auch Zuchtstuten abgegeben, die aufgrund einer Erkrankung nicht mehr aufnehmen oder nicht zufriedenstellenden Nachwuchs produzierten. Diese Stuten sind meist freundlich im Umgang und besitzen eine Reitgrundausbildung.

    Ein Wort zum Preis: Pferde vom Züchter sind oft deutlich teurer als privat verkaufte Tiere. Dies bedeutet jedoch meist nicht, dass der Züchter beim Verkauf große Gewinne macht. Allein die umfassende medizinische Versorgung der tragenden Stute, Spezialaufbaufutter für die Stute nach der Geburt sowie Fohlenstarter, Impfungen und Entwurmungen sowie die allgemeinen Haltungskosten rechtfertigen bereits beim Absetzer einen Preis von mehreren 1 000 Euro. Geben Züchter ihre Fohlen deutlich billiger ab, muss vermutet werden, dass an der Versorgung von Stute und Fohlen gespart wurde - und dass dieses gesparte Geld später in Form von Tierarztkosten doch gezahlt werden muss. Der "Mehrpreis" für ein Pferd vom Züchter ist also eine Investition, die sich für den Reiter durchaus rechnen kann.

    Zur letzten Gruppe von Pferdeverkäufern, den Pferdehändlern, können sehr unterschiedliche Menschen gezählt werden. Zum einen gibt es die "klassischen" Pferdehändler, die relativ wahllos Pferde zusammenkaufen - häufig billig zu erstehende Rassemixe - und diese, oft unter falschen Angaben, mit möglichst viel Gewinn weiter zu verkaufen versuchen, im Zweifel auch an den Metzger. Diese Händler haben der gesamten Branche einen schlechten Ruf eingetragen, und grundsätzlich sollten gerade Laien bzw. unerfahrene Reiter nicht im Pferdehandel kaufen. Schnell kann sich das "kinderliebe Pony" als Beißer und Schläger entpuppen, und nicht selten ist der Zehnjährige weit über 15 Jahre alt.

    Üblicherweise demselben Typus gehören Pferdehändler an, die auf Pferdemärkten ihre Ware anbieten. Hier gilt für den Anfänger erst recht "Hände weg", denn aufgrund des Platzmangels und Zeitdrucks können die Tiere weder gründlich begutachtet noch Probe geritten werden; auch tierärztliche Ankaufsuntersuchungen sind unmöglich. Zudem finden sich auf Pferdemärkten stets Schlachttiere, deren Anblick Pferdefreunden leid tut - und mit der Möglichkeit eines Mitleids- und "Rettungskaufs" viel Ärger und hohe Folgekosten einbringen kann. Teilweise spekulieren die Händler gerade auf diese Tierliebhaber und stellen bewusst magere, schmutzige Tiere vor.

    Unter den Pferdehändlern gibt es aber durchaus seriöse Verkäufer. Diese beschränken sich meist auf den Verkauf einer Rasse oder eines bestimmten Pferdetyps und inserieren nicht à la "vom Kinderpony bis zum Turnierpferd".

    Einige Händler haben sich auch auf den Import spezialisiert. Hier kann die Qualität der Pferde und der Beratung stark schwanken. Gute Importpferde sind aufgrund der hohen Transportkosten und bürokratischen Anforderungen wie Quarantäne, Schutzimpfungen, Pferdepässen u.Ä. keinesfalls billiger, meist sogar teurer als in Deutschland gezogene Pferde derselben Rasse.

    Werden Importpferde relativ billig verkauft, kann zumeist davon ausgegangen werden, dass sie in ihrem Heimatland "aussortiert" wurden - wegen charakterlicher oder gesundheitlicher Probleme oder weil sie dem Rassestandard nicht entsprachen. Ein Beispiel hierfür stellten die frühen Islandpferdeimporte (v.a. in den 1970er Jahren) dar: hier stellte sich isländischen Züchtern die Wahl zwischen einer Schlachtung ihrer schlechten Tiere - oder dem finanziell weitaus ertragreicheren Verkauf an deutsche Importeure, die die Qualität der Pferde aufgrund deren "Exotismus" ohnehin nicht beurteilen konnten.

    Auch werden Rassebezeichnungen bei Importpferden, v.a. bei "Moderassen", relativ freizügig gehandhabt. Die derzeit beliebten spanischen Pferde werden grundsätzlich als Andalusier verkauft - eine Bezeichnung, die in Spanien nicht existiert und dem Kenner lediglich verrät, dass das Pferd nicht rasserein gezogen wurde, da es sonst P.R.E.-Papiere besäße. Ähnlich werden südamerikanische Pferde oft als Criollo - und nicht korrekt als Mestizo - angeboten und jedes gescheckte irische Pferd wird zum Tinker.


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