Anatomie des Pferds

    Aus Pferde-Lexikon

    Der Kopf und die Sinne des Pferdes

    Der Kopf des Pferds bildet zusammen mit dem Hals ein an den Schultern aufgehängtes Gegengewicht zur Hinterhand des Pferds. Der Schädel ist groß und massig. Die Augenhöhlen sitzen seitlich am Kopf, was dem Pferd eine Beinahe-Rundumsicht mit einem Blickwinkel von etwa 270 Grad erlaubt. So können Pferde auch Raubtiere neben und hinter sich leicht wahrnehmen. Die Tiefenschärfe sowie das Farbensehen des Pferds sind nur wenig ausgeprägt; Bewegungen werden dafür umso besser gesehen. Ist die Sicht behindert, reagieren Pferde ängstlich, was sich in Erstarren oder Wegspringen und Flüchten äußert.

    Das breite Nasenbein verjüngt sich deutlich zum Bereich der Nüstern hin. Da es wie beim Menschen frei und ohne Polster unter der Haut liegt, ist es empfindlich; ein Umstand, den sich der Mensch durch verschiedene Nasenzäumungen zunutze macht.

    Das Pferdegebiss

    Das Gebiss des Pferds weist üblicherweise bei Stuten 36, bei Hengsten 40 Zähne auf. Nach einem Milchgebiss, dass zwischen zwei Wochen (Prämolaren, d.h. vordere Backenzähne) und acht Monaten (Eckzähne) nach der Geburt wächst, erfolgt im Alter von drei bis fünf Jahren der Wechsel zum endgültigen Gebiss. Dabei kann anhand der bereits gewechselten Zahnpaare das Alter des Pferds recht genau abgelesen werden.

    Pferde besitzen oben und unten jeweils sechs Schneidezähne. Auf diese folgt eine zahnlose Stelle, in der beim Reiten das Gebiss (auf den lediglich mit Schleimhaut überzogenen Laden sowie der Zunge) zu liegen kommt. In der Mitte dieser freien Stelle wachsen bei männlichen Tieren im Alter von etwa vier Jahren die meist scharfkantigen Hengst- oder Hakenzähne, die einzig zum Verletzen des Kontrahenten im Kampf dienen.

    Oben und unten wachsen auf jeder Seite jeweils sechs Backenzähne. Mit diesen Molaren wird die Nahrung nicht zerkaut, sondern zwischen den großen Kauflächen zerrieben. Wolfszähne sind zusätzliche Zähne, die klein und häufig scharfkantig vor oder neben den Backenzähnen wachsen und in jedem Fall entfernt werden müssen. Aus diesem Grund, und da durch ungleichmäßiges Kauen oder falsches Futter leicht Zahnhaken - schief und scharfkantig abgeschliffene Zähne - entstehen können, sollten junge Pferde alle zwei Jahre, alte Pferde ab 20 Jahren besser jährlich durch den Tierarzt untersucht werden.

    Die Wirbelsäule

    Die Halswirbelsäule des Pferds besteht aus sieben Wirbeln und verläuft in einer flachen S-Kurve zu den großen, extrem stabilen Schulterblättern des Pferds. Diese liegen seitlich neben dem Brustkorb, an dem sie nur nach vorne und hinten vorbeigleiten können.

    Die Wirbelkörper der Rückenwirbelsäule bilden im vorderen Bereich Dornfortsätze. Sie werden nur geringfügig durch Muskeln gepolstert und stellen den daher sehr druckempfindlichen Widerrist dar. Pferde, die sich unter dem Reiter verspannen und dabei den Hals unnatürlich stark aufrichten, drücken dadurch die Rückenwirbelsäule nach unten. In diesem Fall schlagen die Enden der Dornfortsätze aneinander, was zu Entzündungen, chronisch schmerzhaften Prozessen und Verknöcherungen führen kann. Die Rückenwirbelsäule besteht aus 18 Wirbeln.

    Es folgen die sechs Lendenwirbel (beim Araber nur fünf) und fünf verknöcherte Kreuzwirbel. Die Schweifrübe wird durch 18 bis 21 Wirbel gebildet.

    Der Brustkorb mit acht echten und zehn falschen Rippen schützt das große und extrem leistungsfähige Herz sowie die ebenfalls sehr voluminöse Lunge.

    Die Vorderbeine

    Die Extremitäten des Pferds ähneln im Aufbau denen des Menschen, jedoch ist Equus caballus ein Zehenspitzen- und nicht wie der Mensch ein Fußsohlengänger, was zu einigen Abweichungen in der Anatomie geführt hat. An das Schulterblatt schließt über das Buggelenk der nach schräg hinten-unten gelagerte Oberarm an. Das Unterarmbein besteht nur noch aus der Speiche, die fest mit dem Ellbogenbein verknöchert ist. Das Karpalgelenk entspricht dem Handwurzelgelenk des Menschen und besteht wie dieses aus zahlreichen kleinen Knochen und Knorpeln. Der mittlere Mittelhandknochen wurde zum Röhrbein; zwei rudimentäre Zehen des früheren Dreizehengängers liegen links und rechts der Röhre als Griffelbeine an. Das Röhrbein ist über das Fesselgelenk mit dem Fesselbein verbunden, auf das wiederum das Kronbein folgt, das teilweise bereits innerhalb der Hornkapsel des Hufs liegt.

    Der Huf

    Hufbein und Strahlbein bilden das Innenleben des Hufs und stellen die modifizierte "Zehenspitze" dar. Sie sind über elastische Gewebe in der Hornkapsel aufgehängt und mit dieser verbunden. Beim Eindringen eines Fremdkörpers, wie beispielsweise eines zu nahe "am Leben" gesetzten Hufnagels, kann daher Blut aus dem Spalt im Horn hervordringen und es können sich Entzündungen in der Hornkapsel bilden. Diese sind besonders schmerzhaft, das entzündete Gewebe in der nur wenig elastischen Hornkapsel nicht drei anschwellen kann und so durch Eiterungen ein erhöhter Druck im Huf entsteht.

    Aufgrund des durchbluteten Gewebes des Hufs können unbeschlagene Pferde jedoch auch den Boden "ertasten" und spüren bis zu einem gewissen Grad die Beschaffenheit des Untergrunds. Beschlagene Hufe berühren den Boden nicht und sind daher auch auf steinigen Wegen unempfindlich; zudem schützt das Hufeisen vor einer zu raschen Abnutzung des Hufhorns. Dem ist jedoch entgegenzusetzen, dass die herkömmlichen Hufeisen die bis zu fünf Millimeter ausmachende Weitung des Hufes bei Belastung verhindern und damit die "Hufpumpe", die gleichmäßige Durchblutung des Hufes, behindern.

    Die Hinterbeine

    Anatomie.jpg

    Das Becken des Pferds setzt im Bereich der Lendenwirbel an der Wirbelsäule an. Die Oberschenkelknochen sind schräg nach vorne-unten gelagert und über das Kniegelenk, das wie beim Menschen eine Kniescheibe aufweist, mit den Unterschenkelknochen verbunden. Das Sprunggelenk entspricht der Ferse des Menschen. Der Aufbau der daran ansetzenden Röhre und des Fessel- und Hufgelenks entspricht den Vordergliedmaßen. Da das Sprunggelenk im Gegensatz zum Karpalgelenk des Vorderbeins eine Winkelung aufweist, ermüdet die Muskulatur hier leichter. Aus diesem Grund müssen Pferde die Hinterbeine bei längerem Stehen abwechselnd entlasten.

    Da die Beine des Pferds lediglich auf geradlinige Flucht ausgerichtet sind, sind alle Beingelenke nur in eine Richtung, nicht aber zur Seite beweglich.



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