Ausbildung

    Aus Pferde-Lexikon

    Es gibt im Westernreiten zahlreiche Lehren und Ausbildungswege. Grob lassen sich zwei Schulen unterscheiden: die altkalifornische Schule und die texanische Reitweise, wobei letztere in Europa stärker Verbreitung gefunden hat.

    Die ersten Ausbildungsschritte

    Im Allgemeinen werden in Europa westerngerittene Pferde zunächst für einige Jahre mit dem Snaffle in den Grundgangarten, Rückwärtsrichten und den einfachen Seitengängen ausgebildet.

    Zu den Grundlektionen der Ausbildung gehören die in gleichbleibendem Takt und Tempo gerittenen Gangarten Walk (Schritt), Jog (langsamer, flacher Trab, sonst Trot) und Lope (langsamer Galopp ohne Bergauftendenz). Dabei sollten die Zügel einen deutlichen "Slack" aufweisen, d.h. durchhängen; ein Verlangsamen oder Wenden über deutliche Zügelhilfen weisen auf eine mangelhafte Ausbildung hin.

    Zügelhilfen beim Westernreiten

    Solange mit Snaffle geritten wird, werden die langen, geteilten Zügel in beiden Händen gehalten. Zügelhilfen können so auch einseitig gegeben werden, um sie dem Jungpferd verständlicher zu machen. In Vorbereitung auf die spätere Umstellung auf Kandare unterstützt jedoch der an den Hals angelegte äußere Zügel bereits den direkten inneren Zügel in Wendungen. Später soll das Pferd nur noch dem äußeren Zügel und dem anliegenden äußeren Schenkel in die Wendung hinein "weichen" (Neck reining).

    Geübt werden außerdem das "direct bending" (die Biegung in die Bewegungsrichtung) und das "indirect bending" (die Stellung gegen die Bewegungsrichtung in Wendungen) sowie der "sidepass" (entspricht dem Schenkelweichen).

    Die Westernstange

    Steht das Pferd sicher an den Hilfen, wechselt der Ausbilder zu einem Snaffle with Shanks, das zuweilen mit vier Zügeln geritten wird. In der letzten Stufe wird zur Verfeinerung der bereits erlernten Lektionen eine ungebrochene Westernstange - ein Mullen Mouth Bit, Sweetwater Bit o.Ä. - verwendet. Aufgrund der scharfen Wirkungsweise und der nicht mehr möglichen seitlichen Einwirkung mit dem Stangengebiss muss das Pferd zu diesem Zeitpunkt bereits gelernt haben, sich vorrangig über Sitz und Schenkel lenken und stoppen zu lassen sowie dem Neck reining zu gehorchen.

    Die altkalifornische Ausbildung

    Im altkalifornischen Stil existiert auch die Schule des "Hackamore Reinsman". Die Pferde werden ausschließlich und in allen Lektionen mit Bosal ausgebildet. Heute nehmen sich nur noch wenige Trainer die Zeit, diese ausgesprochen anspruchsvolle Ausbildungsform durchzuführen; häufig werden jedoch Jungpferde mit einem dicken Bosal angeritten, das schließlich gegen das dünne Pencil Bosal getauscht und mit einer Westernstange kombiniert wird.

    Das Ziel ist auch hier das einhändige Reiten auf Stange. Diese kann aufgrund der zeitaufwändigen, aber feinen und exakten Ausbildung extrem scharf sein, da das Pferd bereits gelernt hat, sich nur durch den Sitz des Reiters reiten zu lassen. So stammt aus der altkalifornischen Reiterei das Spade Bit, ein kompliziertes, bei falscher Handhabung für das Pferd extrem schmerzhaftes Gebiss, das in den Händen eines Könners zum feinen Instrument wird.




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