Ausrüstung des Reiters

    Aus Pferde-Lexikon

    Reitkappe und -helm

    Das wichtigste "Kleidungsstück" des Reiters und erst recht jedes Reitanfängers ist eine hochwertige, gut sitzende Reitkappe. Heutige Modelle sind kaum noch mit den altmodischen, unbequemen und unsicheren Samtkappen zu vergleichen, die Laien mit dem Reitsport in Verbindung bringen. Diese existieren zwar noch immer - und tragen als einzige die Bezeichnung "Kappe" -, werden den modernen Anforderungen an die Sicherheit aber kaum noch gerecht. Umso negativer fällt auf, dass sie aufgrund ihres geringen Preises oft im Rahmen der Erstausstattung eines Reitanfängers oder reitenden Kinds erworben werden.

    Reithelme müssen ein Sicherheitssiegel nach deutschem (DIN, bei älteren Modellen) oder europäischem Standard (DIN/EN) aufweisen. Auch die TÜV-Kennzeichnung "Geprüfte Sicherheit" verspricht Qualität. Ältere Helme ohne entsprechendes Siegel sollten nicht erworben werden.

    Auch vom Kauf einer gebrauchten Kappe ist eher abzuraten. Ähnlich Motorradhelmen genügt ein einziges Fallenlassen auf harten Boden, um winzige Fissuren entstehen zu lassen und die Sicherheit des Helms zu beeinträchtigen. Daher sollten Kappen und Helme sicher und ordentlich verwahrt und transportiert werden. Die Wahl eines Helms mit Kinnschutz ist sinnvoll.

    Viele Reiter tragen keinen Helm mit der Begründung, dieser sei unattraktiv und unbequem. Moderne Modelle besitzen meist große Lüftungsschlitze, eine antibakterielle Polsterung und stufenlos verstellbare Kinnriemen und Innenfutter. Sie sind ausgesprochen leicht und luftig. Bleibt also nur der Vorwurf der mangelnden Attraktivität eines Reithelms - diese kann bei vernünftigen Menschen jedoch kaum schwerer wiegen als der Schutz der Gesundheit, u.U. des Lebens des Reiters.

    Reithose

    Die üblicherweise mit der Reiterei in Verbindung gebrachten eng anliegenden Reithosen sind lediglich im englischen Reitsport verbreitet. Westernreiter sitzen in Jeanshosen auf dem Pferd, ebenso viele Freizeitreiter; iberische Reiter tragen Hosen aus festem Stoff.

    Besitzt man einen Englischsattel, sind die eng anliegenden oder mit Bundfalten versehenen, elastischen Hosen jedoch von Vorteil. Zum einen gleiten sie leicht in die ebenfalls eng anliegenden Schäfte der Reitstiefel; zum anderen unterstützt die mit Leder besetzte Knielage bzw. Gesäßpartie eine bequemen, sicheren Sitz.

    Reithosen besitzen keine Innennähte, die bei längeren Ritten auf der empfindlichen Haut des Oberschenkels scheuern können. Das leicht angeraute Material - Wildleder bzw. Waschleder oder ähnlich aussehende Kunstfasern - "klebt" am Sattel und verhindert damit ein zu starkes Rutschen des Reitersitzes.

    Reitstiefel

    Auch die "typischen" schmalen Stiefel in schwarz, braun oder schwarz mit einem braunen Streifen am Schaftabschluss, aus Gummi oder Leder, sind lediglich typisch für die englische Reiterei. Sie verhindern, dass die Haut des Unterschenkels zwischen Sattelblatt und Steigbügelriemen eingeklemmt werden kann. Außerdem gewährleisten sie durch einen "Sporenhalter" den sicheren Sitz des Sporns.

    Bezüglich der Passform sollte man v.a. beachten, dass der Reiter mit leicht angewinkelten Beinen im Sattel sitzt; der Schaft darf daher nicht zu weit in die Kniekehle ragen.

    Lederstiefel sind ausgesprochen langlebig, aber leider auch sehr teuer. Für den Anfänger oder kleineren Geldbeutel existieren sehr ähnlich aussehende und qualitativ hochwertige Varianten aus Gummi. Entscheidet man sich doch für die Version aus Leder - u.U. sogar maßgefertigt -, sollte man sich an der traditionellen Farbverteilung orientieren. Schwarze Stiefel passen zu allen Reitsportdisziplinen, schwarze Stiefel mit braunem Rand sind vor allem bei Polospielern und Jagdreitern zu finden. Dressurstiefel besitzen einen längeren, an der Außenseite durch einen Bogen abgeschlossenen Schaft.

    Reit- und Laufschuhe, Stiefeletten

    Diese Turnschuhen oder den indischen Jodphurstiefeletten ähnelnden Modelle werden immer beliebter, da sie hervorragend zum Reiten geeignet sind (dank Sporenhalter, kleinem Absatz und griffiger Sohle), darüber hinaus aber auch auf längeren Fußmärschen Bequemlichkeit versprechen. In einem Englischsattel sollten sie jedoch zusammen mit "Chapsletten" (anschnallbaren Stiefelschäften) verwendet werden, um ein Scheuern oder Kneifen durch die Steigbügelriemen auszuschließen.

    Von der Verwendung reiner Turnschuhe oder anderer Alltagsschuhe ist abzuraten, da diese entweder keinen Absatz besitzen (der das Durchrutschen des Fußes durch den Steigbügel verhindert) oder ein zu grobes Profil aufweisen (das ebenfalls zum Hängenbleiben im Fall eines Sturzes führen kann).

    Reithandschuhe

    Kein unabdingbares, aber ein u.U. sehr praktisches Zubehör der Reiterausrüstung sind Reithandschuhe.

    Die Meinungen über das Tragen dünner Handschuhe aus Stoff oder weichem Leder während der Dressurarbeit gehen auseinander; die häufig geäußerte Ansicht, Handschuhe würden "die Hand weicher" machen, ist sicher nicht allgemeingültig. Beim Springen, Jagdreiten oder in der Vielseitigkeit erlauben Reithandschuhe jedoch einen sichereren Zügelgriff und die Reiterhand wird auch bei heftigen Pferden vor der Entstehung von Blasen bewahrt. Im Fahrsport sind Handschuhe aus diesem Grund obligatorisch, da ein Verrutschen der Leinen auf jeden Fall vermieden werden muss.

    Wichtiger als beim Reiten sind Handschuhe jedoch bei Tätigkeiten wie der Bodenarbeit und vor allem dem Longieren; zieht das Pferd an der Longe, kann das Nylon- oder Gurtband schnell ausgesprochen schmerzhafte Brandblasen hervorrufen.

    Gerte

    Nicht umsonst gibt es das Sprichwort "Man muss sich seine Sporen verdienen": An den Stiefeln eines erfahrenen Reiters sind sie wertvolle und sensible Hilfen; schnallt sich ein Anfänger jedoch Sporen an, werden sie rasch zu Instrumenten der Tierquälerei. Unerfahrene Reiter nutzen zur Verstärkung ihrer Hilfen besser eine Gerte.

    Dieser Fiberglasstock, der meist mit Nylon umflochten oder mit einer dünnen Plastikschicht überzogen ist, dient dem Anfänger vor allem zum vorantreibenden Berühren an der Hinterhand des Pferds. Da Sitz und Hand noch nicht ruhig genug sind, sollte hierzu eine mittlere Gertenlänge von um einen Meter gewählt werden. Erfahrene Ausbilder nutzen längere Dressurgerten (110 bis 120 cm) zum feinen, gezielten Touchieren bspw. auch in der Gurtlage, um seitwärtstreibende Schenkelhilfen zu unterstützen.

    Zum Springen werden Springpeitschen verwendet, die statt einer kurzen Schnur am Ende eine Lederpatsche besitzen und maximal 75 cm messen dürfen. Sie werden ausschließlich an der Schulter des Pferds eingesetzt, um dessen Aufmerksamkeit zu erhöhen und ein besseres Abwinkeln der Vorderbeine über dem Sprung zu erzielen.

    Die Wahl der Gertenlänge richtet sich - von den Vorgaben der FN für Turnier-Equipment abgesehen - nach der Größe des Reiters und vor allem des Pferds. Die Gerte sollte so lang sein, dass die Flanke des Pferds berührt werden kann, ohne dass der Reiter die Hand vom Zügel nehmen muss. Generell sind elastischere Gerten besser zum feinfühligen Touchieren (schnelles, leichtes Vibrieren des Gertenendes am Pferd) geeignet; wird mit ihnen jedoch ein stärkerer Schlag ausgeführt, "ziehen" sie stark und sind daher ausgesprochen schmerzhaft. Zudem schwingen längere, weiche Gerten mit der Pferdebewegung bzw. unruhigeren Hand mit; in der Hand von Anfängern machen sie allein durch diese ständige Bewegung das Pferd schnell nervös.

    Sporen

    Sporen sind in fast allen Reitweisen üblich. Die Modelle ähneln sich: Eine U-förmige Halterung umschließt die Ferse des Reiters; an ihr ist ein nach hinten weisender Dorn befestigt. Dieser endet entweder glatt oder in einem runden (Tropfendorn) oder eckigen (Hammersporen) Kopf. Bei der Wahl dieser Sporenmodelle sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass der Kopf frei von scharfen Kanten ist. Dressur- und Springsporen besitzen einen längeren (bis 4,5 cm), Vielseitigkeitssporen einen kürzeren Dorn (bis 3,5 cm).

    Bei Dressur- oder Springprüfungen sind ebenfalls Rädchensporen erlaubt. Diese Modelle besitzen entweder ein glattes Ballrad oder ein Zackenrad (Balkenholsporen); auch hier gilt: alle Ecken und Kanten müssen abgerundet sein. Schwanenhalssporen besitzen einen nach oben gebogenen, verlängerten Dorn; dies erlaubt größeren Reitern auf kleinen Pferden, die Sporen einzusetzen, ohne die Fersen nach oben zu ziehen.

    Diese Sporenmodelle werden über dem Sporenhalter an Reitstiefeln mithilfe von Sporenriemchen aus Leder oder Nylon befestigt.

    Westernsporen sind grundsätzlich größer; der längere Dorn ist meist nach oben geschwungen und endet immer in einem Rad. Dieses kann kleine, weiche Zacken, aber auch lange, wenig pferdefreundliche Spitzen besitzen. Oft sind die Sporen graviert oder mit Metallintarsien versehen. Der breite, z.T. punzierte Sporenriemen mit Schnalle verläuft nur über den Fußrücken und nicht, wie bei englischen Sporen, zusätzlich unter der Ferse. Die Sporen dienen im Westernreiten stärker der eigentlichen Hilfengebung und weniger der Präzisierung der Schenkelhilfen als im Dressursport, da der Westernreiter aufgrund der breiten Fender sowie Chaps des Reiters nur wenig per Schenkelhilfe einwirken kann. Peitschen kommen überhaupt nicht zum Einsatz; teilweise werden die langen Zügel kurzzeitig als Peitschenersatz genutzt.

    Spanische Sporen, wie spanische Gebisse meist aus schwarz brüniertem, rostendem Eisen, besitzen einen gerade, nach oben, nach innen oder innen-oben gebogenen Dorn und meist sehr scharfe Zackenräder. Im Sinne pferdefreundlichen Reitens sollten die Zacken mithilfe von Schleifpapier deutlich abgemildert werden, entscheidet man sich für die Nutzung iberischer Sporen zur Vervollständigung einer "originalen" Ausrüstung.





    Artikel teilen