Boxenhaltung

    Aus Pferde-Lexikon

    Wie die Ständerhaltung ist eine reine Boxenhaltung aus tierschützerischen Gründen abzulehnen, auch wenn sie legal ist. Die Nachteile der Ständerhaltung - zu geringe Bewegung, häufig das Fressen in einer unnatürlichen Haltung, das Fehlen der meisten natürlichen Reize (Regen, Sonnenschein, teilweise sogar von Temperaturschwankungen; fluchtauslösende Reize; direkter Körperkontakt mit Artgenossen) - sind weitgehend mit der Ständerhaltung identisch. Lediglich das Umdrehen des Pferds wird durch die etwas größere Fläche ermöglicht. Bei entsprechender Boxengröße kann sich das Pferd außerdem ausgestreckt hinlegen; die einzige Position, die den gesundheitlich notwendigen Tiefschlaf ermöglicht.

    Ein weiterer Nachteil besteht in der Beschaffenheit des Untergrunds. Die heute üblichen Einstreuvarianten sind Stroh oder Sägespäne, die auf einen Betonboden aufgestreut werden. Dadurch staut sich Urin und die Feuchtigkeit des Kots im unteren Bereich der Einstreu; durch das Darauftreten des Pferds wird die Einstreu jedoch gequetscht und giftiges Ammoniak (NH3) freigesetzt. Das stechend riechende, aggressive Gas zersetzt das Hufhorn (siehe Der Huf) und reizt die Atemwege.

    Diese Situation kann durch penible Reinigung der Box (mindestens zweimal täglich) sowie die Schaffung von Abzugsmöglichkeiten des Ammoniaks (bspw. durch Schlitze zwischen den Wandbrettern oder unter der Boxentür) geringfügig verbessert, jedoch nicht vollkommen ausgeschaltet werden.

    Verschlimmert wird sie durch die teilweise aus Bequemlichkeit praktizierte so genannte "Matratzenstreu". Diese besteht meist aus der oberflächlichen Entfernung der Pferdeäpfel und der stark durchnässten Streu und dem Aufbringen einer neuen Schicht Stroh oder Späne, sodass die "Matratze" mit jedem Tag höher wird. Diese Form der Boxenpflege ist abzulehnen.

    Bei reiner Boxenhaltung, d.h. der Entnahme des Pferds aus der Box lediglich zum Zweck der - geringen - Nutzung, kommt es häufig zu Flüssigkeitsstauungen in den Pferdebeinen; diese "laufen an". Auch verschlechtert sich durch die Ammoniakeinwirkung sowie durch die geringe Reizeinwirkung aufgrund des weichen Untergrunds die Hufqualität drastisch. Eine mögliche Folge ist die Erkrankung an Strahlfäule.

    Ebenfalls kritisch muss die immer noch übliche Praxis der vergitterten Boxen bewertet werden. Diese erlauben den Pferden zwar immerhin die Sicht auf den Boxennachbarn und u.U. die Berührung mit dem Maul; normale Kontaktaufnahme wie das Beschnuppern am ganzen Körper oder gegenseitiges Beknabbern ist jedoch unmöglich.

    Aus dem Vorgesagten ergibt sich, dass Boxenhaltung nur in Verbindung mit mindestens stundenweisem Koppelgang - wann immer möglich in Gesellschaft anderer Pferde - als im Sinne des Tierschutzes akzeptabel eingestuft werden kann. Darüber hinaus sollte die Abtrennung zur Nachbarbox idealerweise nur in einer halbhohen Bretterwand bestehen oder die Gitter zumindest zur Stallgasse entfernt werden, damit die Pferde intensiveren Kontakt aufnehmen können. Ein geöffnetes Fenster - noch besser eine große Außenklappe - ist sehr zu empfehlen (so genannte "Außenbox"), um dem Pferd die Teilnahme an seiner Umwelt und damit Ablenkung zu ermöglichen und so Verhaltensveränderungen vorzubeugen. Diese Klappe sollte wenigstens tagsüber unabhängig vom Wetter offen bleiben, um die Luftzirkulation zu ermöglichen. Trotzdem muss penibel auf die Sauberkeit der Einstreu und deren Qualität (kein stark staubendes Sägemehl oder Heu) geachtet werden.

    Die Stalltemperatur muss der Außentemperatur entsprechen; Warmställe stellen ein hohes Gesundheitsrisiko dar. Die Fütterung sollte auf der Gabe von Heu basieren, das durch Getreide und andere Kraftfutter nur ergänzt, nicht aber ersetzt werden kann.

    Für die Größe der Box gilt als Mindestmaß die doppelte Widerristhöhe des Pferds im Quadrat; bei einem durchschnittlichen Warmblüter bedeutet dies eine Box von 3,30 x 3,30 m. Dies erweist sich in der Praxis jedoch als zu klein; jeder Quadratmeter mehr steigert die Lebensqualität des Pferds erheblich.

    Unabhängig von der Boxengröße sollte bedacht werden, dass (auch bei stundenweisem Aufenthalt auf einer Koppel) der Bewegungsbedarf gerade eines hochblütigen Pferds nicht gedeckt wird. Boxenhaltung stellt also hohe Anforderungen an den Besitzer bezüglich Regelmäßigkeit, Intensität und Dauer der Reitnutzung des Pferds.


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