Das Fell

    Aus Pferde-Lexikon

    Das Fell - ein Allwetterschutz

    Das Fell des Pferds ist hervorragend an sein Leben in der jeweiligen Herkunftsregion angepasst. So besitzen Araber ein seidiges, eher dünnes und sehr glattes Fell, während die Fellstruktur eines Island- oder Gotlandponys rau und deutlich fetthaltiger ist. Sogar die Fellfarben sind oft an die natürliche Umgebung angepasst.

    Das Fett schützt jedes Pferd vor dem Durchdringen von Wasser auf die Haut; es sollte daher nicht mit Seifen oder Shampoos herausgewaschen werden. Dieser Wasserschutz ist auch die Hauptaufgabe des Fells und wird je nach Dicke des Sommer- bzw. Winterfells unterschiedlich gut erfüllt. Wärme wird nur zu einem geringen Teil durch ein dickeres Fell erzeugt. Bei kalter Witterung stellt das Pferd seine Haare auf, wodurch zwischen ihnen ein "Luftpolster" entsteht. In diesem staut sich die Körperwärme und bildet so eine gute Schutzschicht gegen die Kälte.

    Pferde wechseln ihr Fell zweimal jährlich, im Frühjahr und im Herbst. Wie ausgeprägt das Winterfell ist, hängt von vielen Faktoren ab: der Rasse, Herkunft und Haltung des Pferds, seinem Alter, seinem Futterzustand, seiner Nutzung und eventuellen Krankheiten. Ein gesundes Pferd kann grundsätzlich - egal, welcher Rasse es angehört - in Deutschland im Offenstall gehalten werden. Lediglich Kälte in Verbindung mit Nässe ist gefährlich, weswegen stets ein Unterstand angeboten werden sollte.

    Alte Pferde frieren leichter, da sie Muskeln abgebaut haben. Bei vielen Pferden wächst das Winterhaar daher mit zunehmendem Alter länger. Extrem langer, teilweise lockiger Haarwuchs in Verbindung mit Schwierigkeiten beim Fellwechsel kann auch auf eine Krankheit (Cushing-Syndrom) zurückzuführen sein.

    Schwierigkeiten im Fellwechsel können außerdem mit Mangelerscheinungen zusammenhängen, ebenso wie Temperamentlosigkeit während des Fellwechsels. Da praktisch am ganzen Körper neues Fell produziert werden muss, benötigt der Pferdeorganismus große Energie- und Mineralstoffreserven. Die Mineralfuttergabe ist daher im Fellwechsel besonders wichtig.

    Schwitzen und Scheren

    Die Praxis des Scherens von Reit-, insbesondere Sportpferden stellt einen massiven Eingriff dar in die natürlichen Fähigkeiten des Pferdes, mit Witterungsunterschieden zurechtzukommen. Vollständig geschorene Pferde trocknen nach dem Reiten zwar schneller ab bzw. schwitzen weniger. Sie können sich jedoch sehr leicht erkälten, weswegen sie nur mit Decke in Box und Auslauf gehalten werden können, und Regenwasser dringt sofort bis auf die Haut durch.

    Grundsätzlich gilt, dass der Reiter die Nutzung des Pferdes den Umständen anzupassen. Trainierte Pferde schwitzen auch mit Winterfell bei normaler Nutzung wenig. Kommt das Pferd trotzdem verschwitzt in den Stall zurück, muss es trockengeführt oder eingedeckt werden, bis das Fell wieder trocken ist und gebürstet werden kann. Die durch den Schweiß verklebten Haare können nicht aufgestellt werden; das Luftpolster und damit der Wärmeschutz fehlen vollständig.

    Fellpflege

    In der freien Wildbahn wälzen sich Pferde im Sand, um Ungeziefer los zu werden, waten durch verschlammte Flussufer - und werden durch den nächsten Regen wieder sauber gewaschen. In der Obhut des Menschen genügt diese sporadische Reinigung jedoch nicht mehr. Zum einen sind besonders Stallpferde gezwungen, im Kot zu liegen, was Wildpferde stets vermeiden würden; zum führen Zaumzeug und Sattel zu Scheuerstellen, wenn sich unter ihnen Sand und Schmutz befinden. Darüber hinaus werden durch die regelmäßige Pflege des Pferdefells Hautkrankheiten (Hautpilz, Mauke u.Ä.) vermieden.

    Das Putzen des Pferdes

    Das Putzen des Pferds wird traditionell an dessen linker Seite begonnen. Hat sich das Pferd gewälzt, so wird der grobe Schmutz mithilfe eines Gummistriegels in kreisförmigen Bewegungen herausgerieben. Bei weniger empfindlichen Pferden kann auch ein Federstriegel zum Einsatz kommen. Anschließend wird mit einer weichen Bürste mit Kunststoff- oder Echthaarborsten (Kardätsche), am Hals beginnend, der Körper des Pferds mit langen Strichen gereinigt. Besondere Aufmerksamkeit sollte hierbei auf die Sattel- und Gurtlage (auch zwischen Ellbogen und Rumpf) und die Beine, an denen leicht Verletzungen, aber auch Hautpilze auftreten können, gerichtet werden. Zwischendurch wird der Staub durch ein Abstreifen am (Metall- oder Hartgummi-)Striegel aus der Kardätsche entfernt. Mit einem feuchten Lappen kann noch der restliche aufliegende Staub vom Fell gewischt werden.

    Pflege von Mähne und Schweif

    Die Mähne des Pferds kann, sofern sie relativ kurz ist, mit einem Mähnenkamm geordnet werden. Die Mähnen der Turnierpferde sind üblicherweise, um sie leichter einflechten zu können, verzogen. Beim Verziehen wird die Mähne nicht auf eine bestimmte Länge geschnitten, sondern alle Haare, die zu lang sind, werden mithilfe eines Verziehkammes ausgerissen. Die so gekürzte und ausgedünnte Mähne besitzt einen "natürlicheren" Abschluss als geschnittenes Langhaar.

    Längere Mähnen sollten - ebenso wie der Schweif - lediglich verlesen werden. Dies geschieht per Hand, u.U. mithilfe einer nicht zu harten Bürste, um das Langhaar zu schonen.

    Anschließend werden Maul und Augen gereinigt, mit einem zweiten Schwamm die Region unter der Schweifrübe. Dies ist bei rossigen Stuten oder Pferden mit Diarrhöe besonders wichtig, da sich sonst leicht Keime festsetzen, was zu exzessivem Scheuern des Pferds und sogar pilzartigen Hauterkrankungen führen kann.

    Pflege der Hufe

    Zum Abschluss des Putzens werden die Hufe des Pferds ausgekratzt und dabei auf gelockerte Eisen, eingetretene Steine, faulende Stellen (Strahlfäule) u.Ä. kontrolliert.



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