Die Pferdekoppel

    Aus Pferde-Lexikon

    Gras ist das "natürlichste" Futter für Pferde und häufig werden die Tiere mit diesem Argument auf möglichst großflächige Wiesen entlassen. Dass diese Haltung wenig artgerecht ist, zeigt sich an der häufigen Entstehung von Koliken oder Hufrehen und dem gesundheitsgefährdenden Verfetten der Pferde. Zwar ist es richtig, dass die Ur- und Wildpferde täglich rund um die Uhr "auf der Weide" standen und die meiste Zeit des Tages mit Fressen verbrachten; die Umstände waren jedoch vollkommen andere. So lebten (und leben) Wildpferde in extrem weiträumigen, aber meist sehr kargen Gebieten. Die langen Fresszeiten stellten eine Notwendigkeit dar, um dem Körper die benötigte Energie zuzuführen; diese wurde regelmäßig bei der Flucht vor Raubtieren wieder freigesetzt. Zudem waren die Stuten einen Großteil ihres Lebens tragend oder säugend und hatten daher einen massiv erhöhten Energiebedarf.

    Die heutigen Weiden in Deutschland wurden über Jahrzehnte hinweg an die landwirtschaftliche Nutzung angepasst - d.h. an die Beweidung durch Rinder oder Heugewinnung. Mithilfe von Stickstoffdüngung und der Aussaat schnell wachsender, eiweißreicher Gräser entstanden Wiesen, die für die Pferdehaltung eigentlich vollkommen ungeeignet sind. Hochblütige Pferde, die sich auch auf der Weide relativ viel bewegen und dadurch einen höheren Energieverbrauch haben, die aber auch eher mit dem Fressen aufhören, wenn sie "satt" sind, kommen mit diesen Wiesen meist zurecht. Besonders für ursprüngliche, eher ruhige Ponys stellen sie jedoch eine Gesundheitsgefährdung dar.

    Diese Ponyrassen haben keine natürliche "Fressbremse"; sie versuchen - da sie aus Regionen mit extrem harten, futterarmen Wintern stammen - so viel zu fressen wie möglich. Der hohe Eiweißgehalt des Grases und der Energieüberschuss rufen leicht entzündliche Prozesse (Hufrehe), aber auch Hautirritationen (Ekzem) durch die Erzeugung massiver Stoffwechselstörungen hervor.

    Empfindliche oder zu Übergewicht neigende Pferde müssen aber deswegen nicht aufgestallt werden. Zunächst sollte die Beschränkung der Futteraufnahme durch Begrenzung des Angebots erzielt werden. In vielen Ställen wird Weidemanagement im Sinne einer täglichen geringen Weidezugabe praktiziert; ein mobiler Stromzaun unterteilt die Weidefläche und wird regelmäßig um einige Meter weiterversetzt. Auf diese Weise wird auch der Entstehung von Geilstellen vorgebeugt, also Flächen, auf denen im hohen Gras Kot abgesetzt wurde, die daher nicht mehr abgefressen werden und an denen Unkraut (Sauerampfer, Hahnenfuß) nachwächst. Ist eine Weide vollständig abgefressen, sollte sie geeggt oder gemulcht und nicht mehr von Pferden betreten werden, bis das Gras flächendeckend nachgewachsen ist.

    Eine Alternative ist die Mischbeweidung mit Rindern. Da Rinder das Gras abreißen und nicht mit den Schneidezähnen abbeißen, bleiben auch nach längerer Beweidung genügend Grasstängel - die weniger energie- und eiweißreich sind als die Halme - übrig, die von den Pferden gefressen werden können. Zudem meiden Kühe und Pferde unterschiedliche Pflanzengruppen, sodass Geilstellen nur selten entstehen. Grundsätzlich ist zu empfehlen, Rinder und Pferde im Wechsel (Vorweiden durch die Kühe, vollständiges Abweiden durch Pferde) und nicht gemeinsam auf eine Weide zu lassen, da selten ausreichend Unterstandfläche vorhanden ist. Einige Pferde finden zudem Vergnügen daran, die Rinder über die Weide zu jagen, was für letztere eine hohe Belastung besteht. Aus demselben Grund sollten stets Jungrinder und keine tragenden oder laktierenden Kühe verwendet werden.

    Die Mischbeweidung mit anderen Tierarten ist mitunter problematisch. Schafe und Ziegen, aber auch Lamas schaden den Weiden aufgrund des extrem tiefen Verbisses eher; zudem sind die kleinen, überall verteilten Schafsköttel praktisch nicht zu entfernen. Auch die Einzäunung ist bei größeren Weideflächen schwierig.

    Bei gemischten Herden, in denen leicht- mit sehr schwerfuttrigen Pferden zusammen gehalten werden, empfiehlt sich die stundenweise Trennung der Herde. Sind mindestens zwei leichtfuttrige Ponys vorhanden, sollten diese gemeinsam in einen nicht oder nur spärlich bewachsenen Auslauf gesperrt werden und möglichst mit Stroh, aber auch Obstbaumästen o.Ä. zum Knabbern beschäftigt werden.

    Die inzwischen angebotenen "Fressbremsen" oder "Maulkörbe" für Pferde sollten mit Vorsicht gehandhabt werden. Zwar ist es für das Pferd sicher am artgerechtesten, mit der Herde laufen zu können und durch einen Maulkorb weitgehend vom Fressen abgehalten zu werden. Die Fressbremsen erlauben, damit das Pferd sich ablenken kann, ein Fressen einzelner Halme sowie das Trinken aus einem Eimer oder Bach. Durch die Notwendigkeit, den Maulkorb an einem Halfter zu verschnallen, entsteht jedoch ein hohes Verletzungsrisiko.

    In zahlreichen Ställen wird aufgrund der rechtlichen Lage das ständige Tragen eines Halfters oder Halsriemens vorgeschrieben. Dieser garantiert, dass im Schadensfall durch ein Ausbrechen der Tiere die Versicherung die Kosten übernimmt. Nicht berücksichtigt wird jedoch das Risiko, das für Koppelpferde aus dieser Regelung entsteht. Der unter dem Halfter entstehende Schweiß, z.T. auch nur das Gefühl eines Fremdkörpers am Kopf, veranlasst die Pferde, sich intensiv zu scheuern. Geschieht dies an einem Zaunpfosten oder hervorstehendem Brett, kann das Holz leicht unter das Halfter rutschen. Pferde geraten rasch in Panik, wenn sie sich nicht befreien können. Stürzt das Pferd in dieser Situation oder zerrt es mit aller Kraft am Halfter, kann es sich strangulieren oder einen Genickbruch erleiden. Auch Beinbrüche und stressbedingte Herzstillstände sind möglich. Bei zu großen Halftern und Riemen kann ein Hängenbleiben durch das Kratzen mit dem Hinterhuf am Kopf entstehen. Besonders tückisch ist dies bei beschlagenen Pferden: Rutscht ein Halfterriemen zwischen den Schenkel des Hufeisens und den Huf, besitzt das Pferd keine Möglichkeit mehr, sich zu befreien.


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