Fahrsport

    Aus Pferde-Lexikon

    Entwicklung des Fahrsports

    Das Pferd als Zugtier

    Die ursprünglichste Form der Pferdenutzung war nicht das Reiten, sondern die Verwendung des Pferds als Zugtier. Jede Kultur, die in den Besitz von Pferden gelangte, entwickelte innerhalb kurzer Zeit Systeme zur Lastenbeförderung; meist zunächst Schleifen und Schleppen, auf denen zwischen zwei langen Stangen, deren Ende über den Boden geschleift wurden, die Transportgüter befestigt wurden. Die bei Rindern zu Einsatz kommenden Joche und Halsstricke erwiesen sich als für Pferde ungeeignet. Erst die Entwicklung breiter Brustriemen bzw. der flach auf den Schulterblättern aufliegenden Kumte ermöglichte die effiziente Nutzung der enormen Zugkraft des Pferds.

    Kutschpferde im Krieg

    Vor Streitwägen gespannt halfen Pferde bei der Eroberung antiker Weltreiche mit. Rasch entstand aber auch parallel zum Kriegseinsatz die Lust am spielerischen Kräftemessen der eigenen Fahrpferde, und so standen bereits bei den ersten Olympischen Spielen der Antike Wagenrennen auf dem Programm. Lange Zeit aber blieb der Besitz von Pferden der reichen Oberschicht vorbehalten.

    Kutschen für alle Zwecke

    Im 18. und 19. Jahrhundert wurde die Welt mobiler: Ein großer Bedarf an Gütertransportmöglichkeiten kam auf, Adlige reisten per Kutsche durch die Welt und die unteren Schichten betrieben Handel und Gewerbe vom Pferdekarren aus. Entsprechend explodierte die Typenvielfalt der Kutschen.

    Kleine zweirädrige Gigs standen für Überlandfahrten mit nur einem Pferd bereit und mit den "Dogcarts" wurden Hunde zur Jagd transportiert. Wollten mehrere Personen gemeinsam reisen, wurden vierrädrige Kutschen, geschlossen oder als "Cabriolet", mit meist zwei Pferden gewählt. Die in hohem Tempo gefahrenen Postkutschen wurden durch vier Pferde gezogen, die an den zahlreichen Poststationen gewechselt wurden. Brauereien besaßen bereits ihre bis heute bei Umzügen präsentierten Kaltblutgespanne und Könige ließen mit Gold beschichtete Kutschen fertigen, die von vier oder sechs kalibrigen "Karossiers" gezogen wurden.

    Mit der Verbreitung von Autos und Lastwagen wurde das Kutschieren immer mehr zu einem veralteten Sport. Pferdegespanne waren nicht nur zu langsam, sondern sich im modernen Straßenverkehr als schwächstes Glied extrem gefährdet.

    Fahrsport heute

    Erst in den letzten Jahrzehnten wurden die alten Kutschen wieder aus den Scheunen geholt und neuere, leichtere Wägen gebaut. Fahren wurde zum Hobby. Nicht mehr durch finanzielle Not oder simplen Pragmatismus beschränkt, konnte der alte Glanz wiederbelebt werden; heutige (Turnier-)Fahrer achten penibel auf die stilistische Korrektheit von Anspannung, Kutsche und Geschirr. Daneben etablierten sich aber auch reine "Freizeitfahrer", die nach Absolvierung eines Fahrabzeichens mit dem eigenen Pony im zweirädrigen Gig über ruhige Wald- und Wiesenwege fahren.



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