Gangarten

    Aus Pferde-Lexikon

    Die Gangarten des Pferds werden in die drei Grundgangarten Schritt, Trab und Galopp sowie die "Spezialgangarten" Tölt, Pass, Rack, Walk, Foxtrott u.a. unterschieden. Der Begriff Grundgangarten geht allerdings vom deutschen Warmblut aus, das lediglich diese drei Gangarten zeigt; tatsächlich bietet die Mehrheit der Pferderassen und Rassekreuzungen auf der ganzen Welt spezielle Gänge an. Und sogar einige wenige Warmblüter zeigen Ansätze zu tölten - schließlich gehen auch die deutschen Sportpferde auf die Ritter- und Jagdpferde zurück, die als "Zelter" (heute "Tölter") als bequemes Transportmittel ausgesprochen beliebt waren.

    Inhaltsverzeichnis

    Schritt

    Der Schritt ist ein Viertakt, d.h. alle vier Füße fußen in zeitlich gleichmäßigem Abstand nacheinander auf. Das Pferd tritt bspw. mit dem linken Hinterfuß zuerst vor und hebt, noch bevor dieser aufsetzt, den linken Vorderfuß. Während dessen Vorwärtsbewegung fußt der rechte Hinterfuß ab, dessen Bewegung sich wiederum mit dem Abheben des rechten Vorderfußes überschneidet. Nun folgt wieder der linke Hinterfuß usw.

    Da der Schritt die Gangart mit dem geringsten Schwung und der geringsten Vorwärtsbewegung ist, müssen sich aus Gleichgewichtsgründen stets zwei Füße am Boden befinden. Es existiert keine Schwebephase; der Reiter wird daher nicht aus dem Sattel "geworfen".

    Die Hufe werden üblicherweise nur wenig über den Boden gehoben. Verspannt sich das Pferd, z.B. durch falsches Treiben des Reiters, kann der zeitliche Abstand zwischen dem Abfußen eines Hinter- und des gleichseitigen Vorderbeins verloren gehen; das Pferd wechselt in die laterale Gangart Pass.

    Trab

    Der Trab ist eine diagonale Gangart im Zweitakt. Es fußen gleichzeitig jeweils der vordere linke und hintere rechte bzw. vordere rechte und hintere linke Fuß ab und auf. Die zweite Diagonale stößt sich bereits ab, bevor die erste den Boden wieder berührt; dadurch entsteht eine Schwebephase mit starker Aufwärtsbewegung - das "Werfen" im Trab.

    Die Länge der Schwebephase wird durch Schwung, Größe, Versammlung und Rasse des Pferds bestimmt; für die Reining (eine Western-Turnierdisziplin) ausgebildete Quarter Horses besitzen teilweise einen "schlurfenden" Trab beinahe ohne Schwebephase. Unter den Islandpferden besitzen die Fünfgänger (die neben Schritt, Trab und Galopp auch Tölt und Rennpass gehen) meist einen sehr flachen Trab.

    Aufnahmen mit Hochgeschwindigkeitskameras haben jedoch gezeigt, dass die bislang vertretene Lehrmeinung des "Zweitakts Trab" nicht haltbar ist. Talentierte Dressurpferde besitzen demnach (bereits als Fohlen) eine "positive" Fußung der Hinterhand, d.h. das Hinterbein setzt den Bruchteil einer Sekunde vor dem diagonalen Vorderbein auf. Pferde mit schlechten Gängen fußen negativ und "fallen" zuerst auf das Vorderbein.

    Der Trab ist eine energiesparende Gangart, die von trainierten (Distanz-)Pferden lange Zeit durchgehalten werden und diesen sogar zur Regeneration nach Galoppstrecken dienen kann. Durch seine Diagonalität lockert er das Pferd jedoch nicht effizient und ist zudem schwer zu versammeln.

    Sonderformen der Trabfußfolge stellen die schwierigen Lektionen Piaffe und Passage dar. Dabei stellt die Passage - fälschlicherweise oft als "Schwebetrab" bezeichnet - einen Trab dar, bei dem das angewinkelte diagonale Beinpaar einen Moment in der Luft gehalten wird, wodurch ein Trab "in Zeitlupe" entsteht. Die Schwebephase wird dabei nicht verlängert.

    Die Piaffe kann als "Trab auf der Stelle" bezeichnet werden; tatsächlich hat sie mit dem Trab lediglich die Diagonalität, nicht aber die Schwebephase gemein.

    Galopp

    Der Galopp ist eine gesprungene Gangart im Dreitakt; Guérinière beschreibt ihn als "vorwärts gehenden Sprung", was jedoch lediglich der barocken Auffassung des Galopps entspricht.

    Die Gangart wird unterschieden in Linksgalopp, der in der Bahn auf der linken Hand, und Rechtsgalopp, der rechtsherum geritten wird (so genannter Handgalopp; eine Ausnahme stellt der Kontergalopp des Dressurpferds dar).

    Im Linksgalopp befinden sich während einer ausgeprägten Schwebephase alle vier Beine in der Luft. Als erstes setzt das rechte Hinterbein auf, es folgen gleichzeitig linkes Hinter- und rechtes Vorderbein. Als letztes fußt das linke Vorderbein auf. Der Rechtsgalopp verläuft spiegelbildlich. Das zuletzt aufsetzende (linke oder rechte) Vorderbein greift am weitesten vor und erleichtert so das Erkennen des jeweiligen Galopps.

    Durch die Asymmetrie der Gangart besitzt das Pferd eine der Hand entsprechende Biegung durch seinen Körper; diese setzt sich jedoch bei untrainierten Pferden meist im Hals nicht fort. Der barocke Schulgalopp - heute in Dressurprüfungen als Fehler bewertet - war viertaktig. Die Verzögerung zwischen dem Aufsetzen der Diagonale hinten links-vorne rechts bzw. hinten rechts-vorne links wird durch eine starke Versammlung des Pferds erreicht. Dadurch wird die Hinterhand vermehrt belastet und muss daher früher auffußen.

    Ebenfalls einen Viertakt weist der von Rennpferden gezeigte Galopp auf. Durch die extreme Streckung des Körpers, die dem kraftvollen Abstoßen folgt, und die durch den hohen Schwung verlängerte Schwebephase setzt ebenfalls das Hinterbein vor dem diagonalen Vorderbein auf.

    Tölt

    auch: Rack, Flatfoot/ Running Walk, Slowgait, Paso Fino/ Corto/ Largo/ Llano, Trochador, Sobreandando;

    Im deutschen Sprachgebrauch ist für alle viertaktigen Gangarten, die den Pass brechen, die übergreifende Bezeichnung "Tölt" (aus dem Isländischen) üblich, die auch hier verwendet werden soll. Der Tölt ist grundsätzlich eine Gangart im Viertakt. Sie kann den Bewegungsablauf des Schritts in höherem Tempo zeigen (bspw. Walk des Tennessee Walkers), aber auch eine laterale Verschiebung besitzen (bspw. Sobreandando des Paso Peruano). Dadurch ist kein gleichmäßiger Viertakt mehr zu hören, sondern das schnell aufeinander folgende Auffußen der Beine einer Seite und, nach einer längeren Pause, der anderen Seite. Außerdem kann eine "Töltrolle" (Valhopp, teilweise auch "Tralopp") auftreten; dabei scheinen die Vorderbeine des Pferds zu galoppieren, während die Hinterhand im taktklaren Tölt bleibt.

    Der Tölt besitzt grundsätzlich keine Schwebephase, d.h. es befindet sich immer mindestens ein Bein am Boden. Ob eine Einbein-, Zweibein- oder gar Dreibeinstütze auftritt, hängt wiederum vorrangig von der rassespezifischen Töltvariante ab.

    Für den Reiter sind alle Varianten ausgesprochen angenehm und erschütterungsfrei zu sitzen. Aus diesem Grund wurden Tölter (Zelter) früher gern für längere Reisen eingesetzt; die Sänfte der Königin wurde von Töltern getragen. Aber auch für die Jagd mit Raubvögeln - die während des Transports auf dem Arm des Reiters saßen - erwiesen sich töltende Pferde als ideal.

    In Deutschland sind Tölter immer noch eher Exoten, da einheimischen Pferden die Veranlagung für diese Gangart über die Jahrzehnte systematisch weggezüchtet wurde. Weltweit dürfte es aber so viele Tölt oder Pass gehende Pferde wie Trabgänger geben, und auch unter den nicht "gangbegabten" Rassen gibt es immer wieder töltende Ausnahmen. Und auch der eine oder andere Esel besitzt das Talent für diesen bequemen Gang!

    Pass

    Der Pass ist eine zweitaktige, laterale Gangart - dieselbe, die Kamele in höherem Tempo zeigen. Das Vorder- und Hinterbein derselben Seite fußen gleichzeitig ab und auf; je nach Tempo entsteht eine Schwebephase.

    Pass ist bei Islandpferden lediglich in seiner Rennvariante - die beinahe Galoppgeschwindigkeit erreicht - gern gesehen; hier existieren spezielle Rennpassprüfungen; für amerikanische Traber werden Passrennen ausgeschrieben. Pasos werden auch im langsamen Passtempo geritten.

    Ein langsamer Pass entsteht oft aus einer Verspannung im Schritt; aufgrund der lateralen Bewegung ist das Pferd im Pass praktisch im ganzen Körper steif und lässt sich kaum biegen oder lösen. Verrittene Gangpferde nutzen dies, indem sie im "Schweinepass" durchgehen. Früher wurde Pass jedoch als natürliche Gangart anerkannt. Die Pferde wurden individuell nach ihren Möglichkeiten im Pass oder Trab ausgebildet, ohne Bevorzugung der einen oder der anderen Gangart. Guérinière weist allerdings darauf hin, dass Passgänger meist weniger ausdauernd sind als Traber und vor allem in schwierigem Gelände unbrauchbar.




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