Gangpferdreiten

    Aus Pferde-Lexikon

    Als "Gangpferde" gelten alle Pferderassen, die Gangarten zusätzlich zu oder anstelle der Grundgangarten Schritt, Trab, Galopp anbieten. Die mit ihnen in Verbindung stehenden Reitstile waren grundsätzlich Arbeitsreitweisen und nicht auf Wettbewerb und Schau ausgerichtet gewesen.

    Gangpferde weltweit

    Da Gangpferde auf der ganzen Welt verbreitet sind, kann auch kaum von "dem" Gangpferdereiten gesprochen werden. Jede Rasse besitzt eigenes typisches Equipment, unterschiedliche Anforderungen an Ausbildung und Gehorsam und inzwischen auch eigene Prüfungsaufgaben. In Deutschland gibt es neben reinen Rasseschauen zahlreiche Wettbewerbe für die Spezialgangarten, in denen Tempo, Taktreinheit oder Ausdruck der einzelnen Gangarten (Tölt, Rennpass, Paso, Rack, Walk, Foxtrott, Slow Gait ...) bewertet werden.

    Islandpferdereiten

    Die größte Gangpferdeszene in Deutschland hat sich rund um das Islandpferd etabliert. Auf größeren, teils internationalen Turnieren werden neben Tölt- und Rennpassprüfungen auch "klassische" Dressurküren bewertet. Mit wachsender Mitgliederzahl und zunehmender Organisation durch den IPZV (Islandpferde-Zucht-Verband) wurde ein Regelwerk erstellt, das dem der FN kaum noch nachsteht. Üblich sind auch hier weiße Reithosen, Reitstiefel und ein dunkles Jackett sowie der obligatorische Reithelm. Gebisse können kontrolliert werden. Zusätzlich werden oft Beschlag und Schutzausrüstung der Pferdebeine kontrolliert, um das Anbringen zu großer und damit verbotener Gewichte zu verhindern.

    Paso & Co.

    Für andere Rassen (bspw. Paso Finos und Paso Peruanos) werden nur vereinzelt Turniere ausgeschrieben, da die entsprechenden Szene klein und ausgesprochen individuell ist. Am häufigsten sind diese Rassen auf Schauen und Rassevorführungen zu sehen, wo sie in traditioneller Ausrüstung vorgestellt werden.

    Gangpferde in den USA

    Weit entfernt ist der deutsche Gangpferdesport damit von den US-amerikanischen Verhältnissen. Hier wurden die Gangartenprüfungen mit der Lust am extremen Schmücken und Darstellen verbunden. Das Ergebnis sind leider häufig zu Kunstobjekten degradierte Pferde - v.a. American Saddlehorses und Missouri Foxtrotter -, deren Ausbildung und Ausrüstung in weiten Bereichen tierschutzrelevant sind.

    Prüfungskriterien sind nicht mehr Reit- und Nutzbarkeit der Pferde, sondern immer extremere Gangarten mit hoher Aktion. Um diese zu erreichen, kommen zahlreiche künstliche Hilfsmittel zum Einsatz: scheuernde Ketten um die Fesseln, lang gewachsene und durch Holzkeile zusätzlich um bis zu 10 cm verlängerte Hufe, schwere Gewichtseisen, scharfe Einreibungen am empfindlichen Kronsaum sowie das Trainieren mit "Blinkers", vollständig geschlossenen Scheuklappen. Des Weiteren wird vom Reiten (ohne Hufeisen) auf stark erhitzten Metallplatten berichtet. Praktisch alle diese Methoden sind aus Tierschutzgründen in Deutschland untersagt.



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