Gebisse

    Aus Pferde-Lexikon

    Reitweise, Ausbildung und Pferd entscheiden

    Die Wahl des verwendeten Gebisses orientiert sich nicht nur an den Vorlieben des Pferds - häufig wird nach ästhetischen Punkten, Empfehlungen bestimmter Lehrer oder im Sinne eines "stimmigen" Auftritts nach dem verwendeten Sattel ein Gebiss ausgesucht. Die Frage, ob Wassertrense, Kandare, Westernstange oder gebisslos, kann zu Anerkennung oder massiver Ablehnung bei anderen Pferdehaltern führen. Auf der anderen Seite wird gerne eine Aussage zitiert, nach der "jedes Gebiss nur so scharf ist wie die Hand am Zügel". Was aber ist an einem Gebiss scharf und nach welchen Kriterien sollte ausgewählt werden?

    Im Folgenden sollen die gängigsten Typen kurz beschrieben und ihre Einsatzbereiche umrissen werden.

    Trense, Wassertrense

    Die Wassertrense, oft kurz als Trense bezeichnet, ist in Deutschland das wohl am meisten verbreitetete Gebiss; mit ihm werden manche Pferde ein Leben lang geritten, andere über einige Jahre, bis sie "Kandarenreife" erlangt haben.

    Das Prinzip der unterschiedlichen Varianten - dick oder schmal (in der Regel zwischen 11 und 22 mm), hohl oder massiv gegossen, mit "anatomischer" Biegung oder geraden Schenkeln, aus Edelstahl, rostendem Sweet Iron oder Kupfermischungen (Argentan, Aurigan) - ist immer gleich: Ein lockeres Gelenk in der Mitte verbindet zwei gleich lange Schenkel, die zu den Enden hin bauchiger werden. An jedem Ende ist ein Gebissring angebracht, in den das Kopfstück, der Zügel und u.U. Hilfszügel eingeschnallt werden.

    Aufrichtende Wirkung der Trense

    Bei einem Zug am Zügel richtet sich - bei korrekter Kopfhaltung des Pferds - das mittige Gelenk auf, während die Schenkel stärker auf die Laden des Pferds drücken. Bei einer starken Zügelhilfe entsteht der berüchtigte "Nussknackereffekt": die Spitze des umgedrehten V, das die Trense bildet, bohrt sich schmerzhaft in den empfindlichen Gaumen des Pferds; die beiden Schenkel der Trense klemmen den Unterkieferast ein wie eine Zange.

    Um diesen negativen Effekt aufzuheben, wurden "Remontentrense", "Bristol-Trense" etc. entwickelt. Sie besitzen nicht mittig eines, sondern zwei Gelenke, die durch ein flaches oder olivenförmiges kleines Mittelstück verbunden sind. Dieses liegt am Gaumen mit einer größeren Druckfläche und damit weicher an. Auch der Zangeneffekt wird reduziert.

    Mehr Gelenke, teilweise bis zu sechs, schaffen aber nicht mehr Weichheit: Derartige "Kettengebisse" liegen zu unruhig im Maul, quetschen leicht die Zunge ein und verletzen die Schleimhäute bei einseitigem Zügelanzug.

    Herkunft aus dem Fahrsport

    Die Trense ist traditionell ein Fahrgebiss. Vor der Kutsche findet sie als Doppelringtrense (mit je zwei Ringen pro Seite) bei bestimmten Anspannungen bis heute Anwendung. Erst die "englische" Reiterei, die auf der deutschen Militärreitweise beruhte, nutzte dieses Gebiss auch zur Ausbildung der Remonten (von drei bis ca. sechs Jahren).

    Die Vorteile liegen in der gegenüber einer Kandare etwas sanfteren Wirkung, die dem Pferd erlaubt, sich "gegen" das Gebiss zu dehnen und mit konstanter Anlehnung geritten zu werden, wie sie auch im heutigen Dressursport gefordert wird. Zudem konnte die Trense auch Anfängern im Sattel in die Hand gegeben werden, da sie gleichzeitig genügend Einwirkungsmöglichkeiten bietet, um auch schlechter ausgebildete Pferde unter Kontrolle zu halten. Vor allem aus diesem Grund löste die Wassertrense den seit jeher für die Ausbildung der Jungpferde verwendeten, in seiner Wirkungsweise aber wesentlich komplexeren Kappzaum ab.

    Das Standardgebiss der englischen Reitweise

    Heute ist die Trense bei FN-Dressurturnieren bis Klasse E das einzige erlaubte Gebiss; einige L-Dressuren werden ebenfalls auf Trense geritten, danach wird die Dressur-Kandare Pflicht.

    Westernreiter haben das Gebiss unter der Bezeichnung "Snaffle Bit" übernommen, stellen aber üblicherweise rascher auf ein Stangengebiss um. Traditionell wird das Snaffle aus Sweet Iron (rostendem Eisen) hergestellt; die Ringe sind größer, damit das Gebiss nicht einseitig durch das Maul gezogen werden kann, und der Durchmesser des Gebisses ist deutlich geringer als im englischen Reitsport.

    Varianten

    Varianten der Trense besitzen mittig ein Scharniergelenk, ovale (Olivenkopftrense) oder flache Gebissringe.

    D-Ring- und Knebeltrensen haben grundsätzlich dieselbe Wirkung wie normale Wassertrensen; durch die verlängerten Seitenschenkel liegen sie jedoch ruhiger im Pferdemaul und können bei einseitigen starken Zügelhilfen - wie sie bspw. in der Ausbildung des Jungpferds vorkommen können - nicht seitlich aus dem Maul gezogen werden.

    Kandare, Dressurkandare

    Häufig wird das Stangengebiss des Westernreitsports als "Westernkandare" bezeichnet; korrekt ist dieser Ausdruck jedoch nicht. Eine Kandare ist grundsätzlich eine Gebisskombination: neben der Wassertrense - die als Unterlegtrense deutlich dünner ausfällt (um 11-14 mm) - trägt das Pferd ein Kandarengebiss im Maul. Dieses besitzt kein Gelenk, sondern üblicherweise eine mittige Ausbuchtung Richtung Gaumen, die so genannte Zungenfreiheit. Die Gebissstange kann von unterschiedlicher Dicke sein (ab 14 bis 22 mm) sowie hohl oder massiv gegossen.

    Bei der Auswahl sollte bedacht werden, dass zwei Gebisse in dem relativ flachen und kleinen Maul eines Pferds viel Platz einnehmen - eine Unterlegtrense mit 14 und ein Kandarenmundstück mit 21 mm Durchmesser verhindern meist ein vollständiges Schließen des Maules.

    Trensengebiss plus Stangengebiss

    An beiden Seiten sind die Kandarenbäume mit dem Gebiss (fest) verbunden. Der Oberbaum (oberhalb des Mundstücks) ist kurz und besitzt einen festen Ring, in den das Kopfstück und die Kinnkette eingeschnallt wird. Der Unterbaum ist länger (meist in einem Verhältnis von 1,5-2,5:1 zum Oberbaum); an dem lockeren Ring an seinem Ende wird der Zügel befestigt. Der Reiter reitet bei Verwendung einer Kandare also mit vier Zügeln: links und rechts je einem Trensen- und einem Kandarenzügel.

    Beizäumende Wirkung der Kandare

    Die Kandare besitzt eine Hebelwirkung. Durch einen Zug an den Zügeln bewegen sich die Kandarenbäume um das Mundstück als Drehpunkt. Die Kinnkette wird gespannt und übt Druck auf die Kinngrube aus, das Mundstück wirkt durch Druck auf der Zunge und je nach Länge des Oberbaums (je länger, desto stärker) erfolgt auch ein Druck im Genick, da das Kopfstück ebenfalls gespannt wird.

    Die Wirkung der Kandare ist stark beizäumend und relativ stark, da der Hebelarm die eingesetzte Kraft potenziert; bei massiver Einwirkung kann einem Pferd mit der Kandare der Unterkiefer gebrochen werden. In Verbindung mit der Trense, die aufrichtend wirkt, den Kopf des Pferds also nach oben bringt, unterstützt die Kandare bei sachgemäßem Einsatz jedoch die Haltung des Pferds am Zügel.

    Kandaren in dieser Form werden lediglich in der englischen Sportreiterei verwendet (ab einschließlich Klasse L); einige klassisch-iberische Reiter haben sie übernommen.

    Ungebrochene Stangengebisse

    Westernstangen

    Im Westernreiten werden Pferde relativ schnell auf verallgemeinernd als "Westernstangen" bezeichnete Gebisse umgestellt. Diese wirken wie Dressurkandaren, werden jedoch ohne Unterlegtrense verwendet.

    Die Anzüge oder Bäume (Shanks) sind oft nach hinten gebogen ("Grazer bit"), verlaufen teilweise durch Hülsen am Ende des Mundstücks, sodass sie frei drehbar bleiben, und besitzen häufig einen zweiten Ring auf Höhe des Gebisses. Hier kann ein weiterer Zügel eingeschnallt werden. Es existieren Versionen mit extrem kurzen und andere mit sehr langen Unterbäumen, sodass sich das Verhältnis zum Oberbaum entsprechend verschiebt.

    Die Stange (das Mundstück) selbst ist schmaler als bei der Dressurkandare und zuweilen aus rostendem Metall (Sweet Iron) hergestellt. Besondere Bedeutung kommt bei den Westernstangen der Zungenfreiheit zu. Diese ist bis zu einigen Zentimetern hoch und gibt damit der Zunge tatsächlich mehr Raum - bei einem Zügelanzug richtet sie sich jedoch auf und stößt gegen den Gaumen des Pferds. Diese Gebisse ("High Port Bits", "Watermouth", ähnlich "Spade Bits") wirken somit sehr scharf ein und gehören nur in die Hand von Könnern und in das Maul eines gut ausgebildeten Pferds.

    Die teilweise anzutreffenden Gebisse mit einer Rolle in der Zungenfreiheit sollen vor allem nervöse Pferde dazu bringen, diese Rolle mit der Zunge zu bewegen und dadurch ruhiger zu werden. Wie im Westernshowsport beliebt, existieren aufwändig verzierte Gebisse; die Verzierungen befinden sich jedoch lediglich an den Gebissringen oder -bäumen und haben keinen Einfluss auf die Wirkungsweise des Gebisses.


    Springkandaren, Kimblewicks

    Mit demselben Mundstück wie ein ungebrochenes Pelham sowie ebenfalls einem Oberbaum mit Kinnkette ausgestattet, zeichnen sich Springkandaren durch eine D-förmigen Ring am Mundstück aus. In diesen bzw. in einen der in diesem befindlichen Schlitze wird der Zügel eingeschnallt. Die Hebelwirkung ist aufgrund der Kürze des Unterbaumes sehr gering, dafür umso schneller.

    Pelhams

    Ein Pelham entspricht in seinem Erscheinungsbild stark der Dressurkandare. Der Hauptunterschied sind die beweglichen Bäume, die einen zusätzlichen Ring auf Höhe des Mundstücks besitzen. Meist ist das Mundstück schmaler als bei einer Dressurkandare.

    Pelhams werden häufig nicht, wie ursprünglich vorgesehen, mit vier Zügeln geritten, sondern mit zwei (bzw. einem durchlaufenden). Hierfür wird ein Pelhamriemchen als Verbindung zwischen den beiden Ringen einer Seite eingeschnallt und an diesem der Zügel befestigt.

    Iberische und französische Stangengebisse

    Die Stangengebisse der südeuropäischen Reitervölker unterscheiden sich in ihrer Wirkung nicht von den Westernstangen.

    Spanische Gebisse finden im Mutterland vor allem in einer Variante aus schwarz brüniertem Metall Verwendung; dieses rostet relativ schnell. Sie besitzen einen zweiten Zügelring in Höhe des Mundstücks und teilweise sehr lange, feste oder bewegliche Anzüge. Eine Besonderheit der Vaquerogebisse ist die Distanzstange (Stabilisator) zwischen den beiden Unterbäumen, die diese in gleichmäßigem Abstand hält und die in gebogener und gerader Version existiert.

    Französische Kandaren unterscheiden sich lediglich durch die Formgebung der Bäume und das schmalere Mundstück von spanischen oder portugiesischen Gebissen.

    Gebrochene Stangengebisse

    Alle ungebrochenen Stangengebisse - Westernstangen, Pelhams, Springkandaren und spanische Gebisse - existieren auch in der gebrochenen Version mit mittig einem mehr oder weniger beweglichen Gelenk. Pelhams und Westernstangen werden auch mit doppelt gebrochenem Mundstück angeboten.

    Grundsätzlich ist zu bedenken, dass die Lage im Pferdemaul durch das Gelenk wesentlich instabiler wird und die Hilfen weniger präzise übermittelt werden können. Zudem wird die Hebelwirkung der Kandare mit dem Nussknackereffekt der Trense kombiniert - gebrochene Stangengebisse gehören daher nur in Profihand.

    Verwendung finden diese Gebisse vor allem im Westernsport, wo sie der Umschulung von der Trense auf die Westernstange dienen und diese dem Pferd durch das bereits von der Trense vertraute Mundstück erleichtern sollen. Ein Einsatz mit vier Zügeln zu diesem Zweck ist jedoch sinnvoll.

    Gebisslose Zäumungen

    Die Wahl des verwendeten Gebisses orientiert sich nicht nur an den Vorlieben des Pferds häufig wird nach ästhetischen Punkten, Empfehlungen bestimmter Lehrer oder im Sinne eines "stimmigen" Auftritts nach dem verwendeten Sattel ein Gebiss ausgesucht. Die Frage, ob Wassertrense, Kandare, Westernstange oder gebisslos, kann zu Anerkennung oder massiver Ablehnung bei anderen Pferdehaltern führen. Auf der anderen Seite wird gerne eine Aussage zitiert, nach der "jedes Gebiss nur so scharf ist wie die Hand am Zügel". Was aber ist an einem Gebiss scharf und nach welchen Kriterien sollte ausgewählt werden?

    Im Folgenden sollen die gängigsten Typen kurz beschrieben und ihre Einsatzbereiche umrissen werden.

    Kappzäume

    Kappzäume sind das erste Instrument zur Pferdeausbildung in zahlreichen der "klassischen" Reitkulturen. Die spanische Serreta, das südfranzösische Caveçon wie auch die Kappzäume der Spanischen Hofreitschule in Wien funktionieren nach demselben Prinzip: ein metallenes, teilweise umpolstertes Nasenteil liegt stabil auf der Nase auf und erlaubt dem Pferdeführer oder Reiter, durch das Einschnallen der Zügel in die darauf befestigten Ringe auf den Pferdekopf einzuwirken.

    Der Vorteil des Kappzaums gegenüber Zäumungen mit Mundstück liegt in seiner unmittelbaren Verständlichkeit für das Pferd. Allerdings sind viele der heute auf der iberischen Halbinsel verwendeten Kappzäume (wegen ihrer blanken, scharfen Metallzacken an der Unterseite) ebenso wie viele der in Deutschland im Handel befindlichen Kappzäume (wegen ihres klobigen Aufbaus und hohen Gewichts) nur wenig zum Reiten geeignet. Das amerikanische klassische Bosal stellt eine Modifizierung des iberischen Kappzaums dar. In der deutschen Reitlehre werden Kappzäume praktisch ausschließlich zum Longieren des Pferds verwendet.

    Bosal bzw. manuelle Hackamore

    Das amerikanische Bosal wird vollständig aus Rohhaut gefertigt. Schmale Rohhautstreifen werden tagelang eingeweicht, um sie weicher zu machen; dann wird zunächst eine "Seele", der Kern des Bosals, gefertigt. Diese wird anschließend mit weiteren Streifen umflochten. Während des Trocknens zieht sich die Rohhaut zusammen und erstarrt, sodass ein fertiges Bosal fest, aber formbar ist. Im "Rohzustand" stellt es lediglich eine Schlaufe mit einem dicken, geflochtenen Knoten (Heel knot) am Ende dar; diese muss fachmännisch über mehrere Tage eingespannt werden, um sie dem Pferdekopf anzupassen.

    Der Zügel des Bosals ist die Mecate, ein aus Schweif- oder Mähnenhaar geflochtenes langes Seil, das in einer bestimmten Weise um den Heel knot geschlungen wird. Wird dieser Zügel angenommen, erfährt das Pferd einen Druck auf dem Nasenrücken sowie seitlich an den Backen. Der Vorteil des Bosals ist seine - im Vergleich zu Kappzäumen -sanfte, aber ausgesprochen präzise Wirkungsweise, die auch rohen Pferden unmittelbar verständlich ist.

    Mechanische Hackamore

    Die Wirkungsweise der mechanischen Hackamore kann als ähnlich der eines Kandarengebisses beschrieben werden -nur dass der Drehpunkt kein Mundstück ist, sondern die Enden einer über dem Nasenrücken des Pferds liegenden Lederplatte oder Kette.

    Die Anzüge sind von unterschiedlicher Länge; bei der oft als "Ponyhackamore" bezeichneten Version sind sie relativ kurz, das Nasenteil besteht aus einem breiten, unterpolsterten Lederstreifen und der Hebeleffekt ist relativ gering. Die bei größeren Pferden übliche Hackamore besitzt sehr lange Anzüge; auf der Nase des Pferds liegt eine mit einem Gummischlauch überzogene Fahrradkette und die Hebelwirkung ist so ausgeprägt, dass man bei tiefer Verschnallung dem Pferd relativ leicht das Nasenbein brechen kann. Sie wird oft als "Notbremse" bei hitzigen Pferden verwendet; man sollte jedoch bedenken, dass die damit zugefügten Schmerzen ein Pferd nicht beruhigen, sondern eher zum Flüchten veranlassen.

    Als problematisch erweist sich zuweilen auch die Tatsache, dass eine einseitige Einwirkung unmöglich ist, da sich das Hackamore sonst verkantet.

    Fahrgebisse

    Gebisse für den Einsatz des Pferds vor der Kutsche sind - mit Ausnahme der Doppelringtrense - gebrochene oder ungebrochene Gebisse mit Anzügen. Im Unterschied zu den beim Reiten verwendeten Stangengebissen kann man die Zügel bzw. Leinen nicht nur in einer oder zwei, sondern bis zu vier verschiedenen Positionen einschnallen, je nach Temperament des Pferds, Anforderung und Fahrsportdisziplin.

    Traditionell gehört zum Brustblattgeschirr die Postkandare, die an ihren tropfenförmig nach hinten "laufenden" Gebissringen zu erkennen ist. Kumtanspannungen werden mit der Liverpoolkandare mit ihren vollkommen geraden, mit Schlitzen versehenen Anzügen gefahren. Ähnlich sehen Ellbogenkandaren aus, deren Anzüge jedoch nach hinten versetzt sind, damit das Pferd sie nicht ins Maul nehmen kann.

    Anpassen des Gebisses

    Kaum ein anderes Tier außer dem Pferd kann überhaupt ein Mundstück tragen; Kamele werden daher bspw. mit Nasenpflock geritten. Nur das Pferd besitzt zwischen seinen Schneidezähnen und den Backenzähnen eine Lücke, in der das Gebiss auf den Schleimhäuten der Laden bzw. der darüber gebreiteten, polsternden Zunge aufliegen kann. Männliche Pferde und einige Stuten weisen jedoch in der Mitte dieser Lücke oben und unten je ein Paar einzelner, kleiner, hakenförmiger Zähne auf, die so genannten Hengstzähne. Es ist verständlich, dass ein Pferd ein an dieses oder die Backenzähne anschlagendes metallenes Gebiss als unangenehm empfindet.

    Das Mundstück muss daher immer exakt in der Lücke dazwischen positioniert sein. Als Grundregel gilt, dass die Maulspalte im Winkel zwei kleine Falten bilden sollte, wenn das Gebiss eingeschnallt ist. Bei Pferden mit kurzer Maulspalte entstehen bei korrekter Positionierung des Gebisses teilweise deutlichere Falten im Maulwinkel; dies ist zu akzeptieren, wenn nur so sicher gestellt werden kann, dass das Gebiss nicht an die vorderen Zähne schlägt. Die Lage des Gebisses gilt es regelmäßig zu kontrollieren - vor allem, wenn das Pferd sich beim Reiten gegen die Zügeleinwirkung wehrt.

    Entscheidend für das Wohlbefinden des Pferds unter dem Sattel ist auch die passende Gebissbreite. Zu kleine Gebisse zwicken an den Maulwinkeln und können Wunden verursachen; zu große Gebisse verkanten sich, liegen unruhig oder rutschen sogar halb aus dem Maul.

    Ist das Gebiss in der richtigen Höhe eingeschnallt, sollte es links und rechts jeweils etwas breiter sein als das Maul des Pferds. Trensen müssen zur Überprüfung an den Ringen auseinander gezogen werden, da sie durch das mittige Gelenk meist kürzer wirken.

    Grundsätzlich werden alle Gebisse in unterschiedlichen Breiten angeboten; als Standardgröße für Warmblüter gilt bspw. 13,5 cm. Man sollte sich beim Kauf jedoch nie auf das reine Augenmaß verlassen. Am besten nimmt man ein passendes Gebiss mit oder misst es zuvor exakt aus - jeweils innen von Trensenring (bzw. Anzug) zu Trensenring.

    Neben der Lage und der Breite eines Gebisses sowie der zum individuellen Pferd passenden Dicke müssen vor dem Kauf sowie in regelmäßigen Abständen Qualität des Materials und die Verarbeitung überprüft werden. Bei Trensen sollte der Reiter besonderes Augenmerk auf die Stelle richten, wo der Trensenring durch den Trensenschenkel gleitet; bei billigen Gebissen finden sich hier oft scharfe Kanten. Aber auch qualitativ hochwertige Gebisse schlagen nach einiger Zeit aus und müssen rechtzeitig ersetzt werden.



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