Hufrehe

    Aus Pferde-Lexikon

    Symptome

    Das Pferd hat warme Hufe und reagiert druckempfindlich auf die Hufabtastzange. Es tritt mit den Vorderbeinen deutlich kürzer als normal, da es versucht, mit dem Ballen deutlich zuerst aufzufußen, um die Hufspitze zu entlasten. Anschließend "fällt" das Pferd rasch wieder auf das andere Bein, da die Belastung die Schmerzen verstärkt. Eine Lahmheit tritt nur auf, wenn nicht beide Vorderhufe gleichmäßig stark erkrankt sind. Im Stehen schiebt das Pferd die Hinterbeine möglichst weit unter den Körper, um die schmerzenden Vorderbeine zu entlasten. Ein Aufheben eines Hufs ist nicht oder nur kurzfristig möglich. Bei starker Rehe liegt das Pferd auffällig oft. Teilweise ist die typische Schmerzsymptomatik (Schwitzen, Zittern, flache, schnelle Atmung, erhöhter Puls), immer ist ein deutliches Schmerzgesicht zu beobachten.

    Ursachen

    Die Hufrehe ist eine Entzündung der Huflederhaut. Die starken Schmerzen entstehen durch die Entzündungsprozesse, die zu hohem Druck in der Hufkapsel führen. Bei starken Hufrehen führt die Entzündung zu einer Lösung des Hufbeins von der Lederhaut, sodass sich die Spitze nach unten dreht (Hufbeinrotation) und nicht mehr parallel zur Hufwand steht.

    Einige Wochen nach der Hufbeinrotation wachsen die durch die Quetschung zwischen Hufbein und Sohle entstandenen Blutergüsse vor der Strahlspitze heraus. Typische Langzeitfolge starker Rehen sind die Rehe- oder Schnabelhufe: Wegen der Ablösung des Hufbeins und eines verlangsamten Wachstums im Zehenbereich wächst die Zehe nicht mehr gerade, sondern nach vorne gebogen herunter; meist weist das Horn starke horizontale Ringe auf. Die Weiße Linie verbreitert sich um bis zu zwei Zentimeter, die Lamellenstruktur wird deutlich auseinandergezogen. Bei schwersten Rehen lösen sich Hornkapsel und Hufbein so vollständig voneinander, dass das Pferd die Hornkapsel verliert ("Ausschuhen").

    Hervorgerufen wird eine Hufrehe durch Stoffwechselstörungen, meist durch eine Fehlfütterung von zuviel Gras, Getreide oder Giftstoffe enthaltenden Futtermitteln (verdorbene Silage, verschimmeltes Brot u.Ä.). Auch eine Vergiftung durch übermäßige Medikamentengabe oder durch das Verbleiben der Nachgeburt im Uterus kommt in Frage.

    Überlastungsrehen entstehen durch eine extreme Belastung des jeweiligen Hufs, wenn bspw. aufgrund einer anderen Erkrankung das gegenüberliegende Bein (oder diagonale Hinterbein) lange Zeit entlastet wird.

    Betroffen sind vor allem fette Tiere, deren Stoffwechsel durch das Übergewicht bereits überlastet ist. Nach der ersten Rehe besteht die Gefahr einer erneuten Erkrankung und mit jedem Schub wächst die Anfälligkeit. Das Futter muss immer weiter reduziert werden. Bei stark hufrehekranken Pferden führen nach einer Weile nicht mehr nur Fütterungsfehler, sondern auch jeder andere physische Stress aufgrund der dabei erfolgenden Cortisolausschüttung zu weiteren Reheschüben.

    Behandlung

    Die Entzündung des Hufs wird am besten gekühlt, das Pferd soll nicht weiterfressen, aber zur Minderung der Schmerzen auf weichem Boden stehen. Der Tierarzt ist zu verständigen. Er kann entzündungshemmende Medikamente spritzen; der Aderlass wurde zwischenzeitlich als äußerst hilfreich wiederentdeckt. Im weiteren Verlauf der Behandlung hat der Veterinär die Wahl zwischen zwei gegensätzlichen Therapieformen.

    Das klassische Vorgehen besteht aus dem Anbringen eines Rehegipses, der die Trachten stark anhebt und so den Druck des Hufbeins auf die Hufsohle deutlich mindert; zusätzlich werden oft Schmerzmittel gegeben. Dieser Gips erfordert weitgehend Stallruhe. Nach Abklingen der akuten Entzündung wird ein Rehebeschlag mit ebenfalls verdickten Schenkeln im Trachtenbereich und einer deutlichen Zehenrichtung, um das Abrollen zu erleichtern, angebracht. Oft muss lebenslang in dieser Form beschlagen werden.

    Eine alternative Behandlung empfiehlt die Abnahme der Eisen, das starke Kürzen der Trachten, um so das Hufbein wieder in seine ursprüngliche Position zu zwingen, und das Kürzen der Zehe, um das Abfußen zu erleichtern. Dazu wird sofortige ruhige, gleichmäßige Bewegung (spazierengehen) empfohlen, damit der Blutfluss und damit der Abtransport der Entzündungsprodukte aus der Hornkapsel gefördert wird. Das Pferd muss wegen seiner Schmerzen zu Beginn oft zum Gehen gezwungen werden. Schon nach wenigen Minuten lassen die Schmerzen jedoch deutlich nach und das Pferd geht bald fast lahmfrei. Allerdings darf nicht wieder beschlagen werden; die normale Hufstellung muss langsam wieder hergestellt werden und ständige gleichmäßige Bewegung (Offenstall) muss gewährleistet sein.


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