Iberische Sättel

    Aus Pferde-Lexikon

    Ein vielseitiger Arbeitssattel

    Spanische und portugiesische Sättel sind ebenso wie die iberische Reitweise in Mode gekommen. Die Typenvielfalt der Sättel bietet aber tatsächlich für beinahe jeden Zweck das geeignete Modell.

    Alle Sättel sind auf einen stabilen Dressursitz des Reiters mit langem Bein und wenig Sitzvariation ausgelegt. Sie bieten dem Pferd eine große Auflagefläche, die durch eine Verlängerung des Sattelbaums nach unten - nicht wie beim Westernsattel nach hinten - erzielt wird.

    Die Auflage verfügt über eine dicke Polsterung aus Rosshaar, die sich mit der Zeit an die individuelle Rückenform perfekt anpasst. Dennoch setzt sich die Füllung nicht sehr stark, sodass der Reiter das Gefühl hat, deutlich über statt "im Pferd" zu sitzen. Das Reiten mit Gewichtshilfen setzt daher eine konsequente Ausbildung von Pferd und Reiter voraus. Auf der iberischen Halbinsel werden daher inzwischen für diese Grundausbildung des Jungpferds oft Englischsättel verwendet.

    Der Vaquero-Sattel

    Die Silla Vaquera (spanisch für: Vaquero-Sattel) ist der Sattel der berittenen Rinderhirten Andalusiens, der Vaqueros. Der Sattel ist auf größtmöglichen Komfort für Reiter und Pferd ausgelegt. Zwei Holzteile - ein Bogen für die Nierengegend und ein umgedrehtes V für Schulter und Widerrist - bilden Vorder- und Hinterzwiesel.

    Sie werden durch links und rechts je eine oder zwei Metallstreben verbunden; ansonsten verlaufen von vorne nach hinten aus Leder geformte Rippen, die mit hartem, langhalmigem Stroh verbunden werden. Die Unterseite wird durch Rosshaar in Baumwollkissen gepolstert. Über die Rippen verläuft der Sattelgurt und die Befestigung für die Steigbügelriemen; darüber wird ein dickes Schaffell gelegt.

    Die dicken Polster erschweren die differenzierte Einwirkung mit dem Schenkel und Sitz, aber sie schonen Pferderücken und Reitergesäß auf langen Ritten. Freizeitreiter sollten allerdings die Einreitzeit dieser Sättel bedenken - ein Vaquero verbringt acht Stunden und mehr pro Tag im Sattel, sodass dieser nach wenigen Monaten dem Pferd wie angegossen passt.

    Zum Vaquerosattel gehören traditionell Kastensteigbügel aus schwarz brüniertem Metall, die den gesamten Fuß des Reiters umschließen. Für Freizeitreiter eignen sie sich kaum: Die scharfkantigen Ecken der Bügel können bei einem Sturz des Pferds zu schweren Risswunden führen.

    Der Portuguesa

    Der Portuguesa ist auch zahlreichen Nichtreitern von Abbildungen bekannt: Er ist der Sattel der portugiesischen Stierkämpfer. Aus diesem Verwendungszweck ergibt sich logisch das Hauptmerkmal des Sattels, der im Erscheinungsbild noch auffallend den Hohe-Schule-Sätteln der französischen und iberischen Reitmeister des 18. Jahrhunderts ähnelt: die Gewährleistung eines auch bei überraschenden Bewegungen des Pferds absolut unverrückbaren Reitersitzes. Dieser wird durch die hohen "Galerien" vorne und hinten erreicht, durch die Verkürzung der Sitzfläche und Beschränkung der Oberschenkelfreiheit und durch Bespannung des Sitzes mit Wildleder. Entsprechend der südländischen Lust am Promenieren und an Showauftritten kann man den Portuguesa - gegenüber dem einheitlichen Braun oder Schwarz der Englischsättel - auch in Grün, Rot, Grau oder Blau erhalten oder diese Farben sogar bei der Wildleder-/ Glattlederauswahl mischen.

    Wie alle iberischen Sättel besitzt auch der Portuguesa eine dicke Polsterung aus Rosshaar, die wahlweise mit Leder oder einem Baumwollstoff bezogen wird. Wegen seines wuchtigen Aufbaus ist der Sattel nur für Pferde ab einem Stockmaß von wenigstens 150 cm geeignet - und nur für Reiter, die definitiv nicht damit springen wollen.

    Mixta, Potrera & Co.

    Sowohl für die iberische Reitweise wie auch für Leichttraben und Entlastungssitz (und damit für den Einsatz auf Jungpferden in der Ausbildung) sind die modernen Varianten geeignet, die eine Mischung zwischen dem Portuguesa und den englischen Sportsätteln verkörpern. Dazu zählen die spanischen Sättel Potrera, Española und Mixta sowie der portugiesische Relvas.

    Sie alle zeichnen sich durch eine geringer gepolsterte Auflage- und Sitzfläche aus, was dem Reiter einen effektiveren Einsatz der Gewichtshilfen erlaubt, außerdem durch niedrigere Galerien bzw. durch deren Reduzierung bis hin zu einem "englischen" Vorder- und Hinterzwiesel. Dadurch besitzen sie ein verringertes Gewicht.



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