Kladruber

    Aus Pferde-Lexikon

    Steckbrief
    Herkunft: Tschechische Republik
    Stockmaß: 160-170 cm
    Farben: Schimmel und Rappen
    Eignung: Freizeit, Kutschpferd

    Exterieur

    Der Kladruber ist ein großrahmiges, zuweilen massig wirkendes Kutschpferd mit langen Linien und energischen Gängen mit hoher Aktion. Der Kopf ist groß und mäßig trocken, mit großen Augen, kleinen, beweglichen Ohren, und einem meist ausgeprägten Ramsprofil. Das Genick ist ausreichend leicht; der lange Hals mit gut gewölbter Oberlinie setzt hoch an den eher flachen, langen und gut bemuskelten Schultern an. Die Brust ist breit und tief, der Oberam muskulös. Der nur mäßig ausgeprägte Widerrist geht in einen langen, zuweilen etwas weichen Rücken über. Die hohe, runde Kruppe fällt nur wenig ab, der Schweif ist hoch angesetzt. Die Extremitäten sind von mittlerer Länge, mit großen Gelenken und stabilen Röhrbeinen. Die Fesselung ist eher kurz und von guter Schräge.

    Kladruber messen rund 165 Zentimeter; einige Tiere erreichen aber auch ein Stockmaß von deutlich über 170 Zentimetern.

    Die Rasse tritt nahezu ausschließlich in den Farben weiß sowie schwarz ohne oder mit geringen Abzeichen auf. Das Langhaar ist seidig und glatt; der Schweif wächst sehr dicht.

    Herkunft und Haltung

    Die beiden Fellfarben des Kladrubers - Schimmel und Rappen - weisen auf die geografisch getrennten Zuchtlinien hin. Im Hofgestüt Kladrub, durch das die Rasse ihren Namen erhielt, werden heute nur noch Schimmel gezüchtet. Das Gestüt, rund 75 Kilometer östlich von Prag, wurde bereits 1579 durch Rudolf II. gegründet. Aus der Bedeckung einheimischer Stuten durch iberische und Neapolitaner-Hengste entstanden so genannte "Karossiers", große (früher oft über 180 Zentimeter) und kräftige Wagenpferde für den Wiener Kaiserhof, die durch ihre ausdrucksstarken Gänge sowie eine außergewöhnliche Begabung für die klassische Dressur beeindruckten. Die beiden Farbzuchten gehen auf den Schimmel Pepoli sowie auf den Rappen Sacromoso zurück, die beide in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts in Kladrub eingesetzt wurden. 1932 wurde die Rappzucht eingestellt. Wenige Jahre später wurde sie jedoch versuchsweise wieder aufgenommen und wird bis heute im Gestüt Slatinany fortgeführt. Kladruber werden heute in Tschechien als Fahr- und Freizeitpferde eingesetzt; in Deutschland sind sie wenig verbreitet. Die große Dressurbegabung - über eine Hengstlinie führen Kladruber Lipizzanerblut - prädestiniert die Pferde für die klassische Reitkunst; in Deutschland werden Kladruber in dieser Form unter anderem im Reitinstitut Egon von Neindorff (Karlsruhe) vorgeführt.

    Art und Wesen

    Der Kladruber besitzt - wie auch der mit ihm verwandte Lipizzaner - einen ruhigen, aber nicht immer einfachen Charakter. Die Pferde sind ausgesprochen willensstark und müssen für die zu leistende Arbeit begeistert werden; dann erweisen sie sich jedoch als zuverlässig, lernwillig und sensibel.


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