Kolik

    Aus Pferde-Lexikon

    Symptome

    Koliken bedeuteten bei Pferden im weitesten Sinne abdominale oder "Bauchschmerzen", die von unterschiedlicher Intensität sein können. Eine leichte Kolik zeigt sich u.U. nur in ungewöhnlicher Ruhe des Pferds und dem Auftreten einer Schmerzmimik. Die meisten Pferde verweigern das Futter. Stärkere Schmerzen werden durch das Scharren oder Aufstampfen mit einem Huf, Umsehen zum Bauch, Unruhe oder Apathie sowie die üblichen Schmerzsymptome, bei einer starken Kolik zudem durch das häufige Hinwerfen und Wälzen deutlich. Die üblichen Darmgeräusche, die sich leicht durch Horchen am Bauch des Pferds wahrnehmen lassen, fehlen oder sind übermäßig verstärkt. Das Pferd äpfelt nicht, nimmt aber u.U. mehrmals die typische Haltung mit aufgewölbtem Rücken und aufgestelltem Schweif ein. Bei einer Gaskolik ist der Bauch deutlich aufgebläht; aufgrund der hohen Spannung der Haut reagiert das Tier auf Berührungen sehr empfindlich. Der Kreislauf ist stark geschwächt, was sich in der mangelhaften Durchblutung des Zahnfleisches zeigt.

    Ursachen

    Koliken sind in den meisten Fällen auf Fütterungsfehler und Vergiftungen zurückzuführen, können aber auch aus Stress, Überlastung oder anatomischen Problemen resultieren. Starke Verwurmung sowie der plötzliche Abgang großer Mengen toter Würmer nach einer Wurmkur führen ebenso zu Koliken. Längerfristige Antibiotikagaben rufen zuweilen einen chronischen Darmkatarrh - eine Veränderung der Darmschleimhaut - hervor, der ebenfalls kolikverursachend wirken kann. Grundsätzlich werden drei Kolikarten unterschieden:

    • Gas- oder Windkoliken - Blähungen - entstehen vor allem durch zu viel junges, nasses oder angefrorenes Gras oder das Fressen verdorbener Silage. Neben dem aufgeblähten Bauch fällt das häufige Ablassen von Gas auf. Diese Kolikvariante kann zu Darmlähmungen und sogar -rupturen führen; die zunächst übermäßigen Darmgeräusche enden abrupt. Die Schmerzen sind zunächst von gleichbleibender Intensität und verstärken sich dann plötzlich. Durch den hohen Druck auf die Organe, der durch die Blähungen entsteht, kann es zu Atemschwierigkeiten und sogar einem Tod durch Ersticken kommen.
    • Anschoppungs- oder Verstopfungskoliken können ihre Ursache in zu großen Mengen rohfaserreicher Futtermittel haben wie Stroh und Weizenkleie. Futterreste häufen sich an engeren Darmpassagen an (die auch aufgrund von Erkrankungen entstehen können), trocknen ein und behindern den Abgang nachfolgenden Kots. Mögliche weitere Ursachen sind eine verringerte Darmtätigkeit aufgrund von Bewegungsmangel oder einem Darmkatarrh.
    • Erfolgt die Anschoppung im Dünndarm, kommt es nicht selten zu einem vollständigen Darmverschluss; auch eine Verlagerung oder Verdrehung des Darms kann diesen vollständig verstopfen lassen. Krämpfe der Darmmuskulatur und damit die Stilllegung der Peristaltik verhindern den Weitertransport des Futters. Der dem verschlossenen Stück vorangehende Darmabschnitt reagiert mit einer vermehrten Aktivität, sodass sich innerhalb kurzer Zeit große Mengen Futter, Flüssigkeit und Gas stauen, erheblichen Druck ausüben und die Blutzirkulation im umliegenden Darmgewebe behindern. Die Schmerzen des Pferds sind gleichbleibend heftig; es gibt keine Phasen scheinbarer Besserung.*Magenüberladungen entstehen, wenn das Pferd - bspw. aufgrund einer offen gelassenen Boxtür - freien Zugang zu Kraftfutter hat. Aber auch das Fressen nicht gequollener Zuckerrüben- und Melasseschnitzel oder zu hastiges Fressen anderer quellender Futter wie Heucobs können zu Überlastungskoliken führen. Bei Verstopfungskoliken kann es, wenn das Pferd weiterhin frisst, zu einer "sekundären Magenüberladung" als Folge des verschlossenen Magen-/ Darmausgangs kommen. Die Schmerzen sind nicht krampfartig, sondern konstant.*Krampfkoliken oder spastische Koliken werden durch eine zu starke Aktivität bzw. Krampfanfälle des Darms ausgelöst, die in periodischen Abständen von wenigen Minuten erfolgen. Zwischenzeitlich scheint es dem Pferd gut zu gehen; u.U. trinkt und frisst es sogar. Dies ist die einzige Kolikvariante, bei der reichlich Kot abgeht. Er hat eine weiche Konsistenz (ähnlich Diarrhöe). Krampfkoliken können durch gefrorenes Gras, Überanstrengung oder Infekte ausgelöst werden.

    Allgemein kann beobachtet werden, dass einige Pferde deutlich kolikanfälliger sind als andere und daher v.a. zur Zeit des Anweidens, bei Wetterwechseln oder Änderungen in der Fütterung besonders aufmerksam beobachtet werden sollten.

    Behandlung

    Als Erste-Hilfe-Maßnahmen sind das Eindecken des Pferds und Bewegung angezeigt. Ob man zulassen darf, dass das Pferd sich wälzt, ist umstritten; bei starken Schmerzen wird man es jedoch kaum verhindern können. Durch das Führen des Pferds - vorzugsweise bergauf und bergab - soll die Darmperistaltik wieder aktiviert und somit der Abtransport des gestauten Materials unterstützt werden. Massagen des Bauchs mit Strohbüscheln sind generell sinnvoll, bei Gaskoliken jedoch aufgrund der hohen Berührungsschmerzen nicht durchführbar. Das Einflößen von "Koliktränken", für die früher jeder Stallmeister ein eigenes Rezept - meist auf Schnapsbasis - besaß, stellen eine sinnlose Tierquälerei dar.

    Bei leichten Koliken können diese Maßnahmen bereits dazu führen, dass das Tier innerhalb weniger Minuten äpfelt. Ist dies geschehen, kann das Pferd in die Box zurückgebracht werden, muss jedoch weiterhin unter Beobachtung stehen. Jegliches Futter, auch die Stroh-Einstreu, sind zu entfernen, damit die gereizte Darmschleimhaut nicht weiter belastet wird. Wasser sollte beliebig zur Verfügung stehen.

    Bei schweren Koliken muss umgehend der Tierarzt verständigt werden; bis zu seinem Eintreffen sind die oben genannten Maßnahmen durchzuführen. Der Tierarzt wird versuchen, die angestauten Futterreste rektal zu entfernen. Bei einem Darmverschluss oder einer Darmverlegung muss dies durch eine Kolikoperation, d.h. durch ein Öffnen der Bauchdecke und der Darmwand geschehen. Stauen sich große Mengen Futter im Darm und Magen, kann es zu Rissen in der Magenschleimhaut kommen. Nach einer Magenruptur bricht der Kreislauf des Tiers innerhalb weniger Sekunden zusammen, die Schleimhäute werden vollkommen weiß, der Puls ist nicht mehr fühlbar und das Pferd muss so schnell wie möglich erlöst werden.


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