Koppen

    Aus Pferde-Lexikon

    auch: Krippensetzen, Aerophagie;

    Verhaltensstörung bei Pferden, die meist durch Langeweile und Bewegungsmangel entsteht. Aufsetzkopper setzen ihre Zähne auf einen harten Gegenstand - Zaunpfosten, Boxentüren, Futterkrippen, teilweise die eigenen Vorderbeine - auf und schlucken Luft ab. Beim Luft- oder Freikoppen, der "fortgeschrittenen" Stufe des Koppens, wird nicht mehr aufgesetzt.

    Die tatsächlich geschluckte Luftmenge ist sehr gering, sodass der überwiegende Teil der Pferde keine gesundheitlichen Probleme durch das Koppen bekommt; einige Tiere reagieren jedoch mit erhöhter Kolikneigung und geringerer Leistungsfähigkeit. Kopper magern häufig ab, da sie nicht ausreichend fressen. Zu erkennen sind Krippensetzer (nicht Freikopper) an den stumpf abgewetzten Schneidezähnen.

    Zu empfehlen ist in jedem Fall eine Haltungsoptimierung, die Langeweile und Bewegungsstau verhindert. Stellen sich gesundheitliche Probleme ein, kann ein Koppriemen angelegt werden, der das Abwinkeln des Genicks und Anspannen der Luftröhre verhindert; es sollten aber Modelle ohne Gummi- oder Lederspitze gewählt werden. Nachteilig ist, dass Koppriemen stets in Verbindung mit einem Halfter benutzt werden müssen und damit ein hohes Sicherheitsrisiko des Verhängens bilden. Auch Therapieversuche mit Medikamenten, die den Endorphinausstoß beim Koppen verhindern, können unternommen werden.

    Die Kopperoperation wird nur bei starken gesundheitlichen Beeinträchtigungen durchgeführt. Hierbei werden die für das Koppen benötigten Muskeln im Unterhals des Pferds nahe der Kehle durchtrennt und Teilstücke entfernt. Bei Freikoppern ist die Erfolgsrate jedoch gering.

    Die weit verbreitete Meinung, dass andere Pferde das Luftschlucken kopieren würden und Kopper deshalb separat zu halten seien, konnte nicht bewiesen werden. Wenn in einem Stall mehrere Pferde zu Koppen anfangen, hängt dies eher mit der generell nicht artgerechten Haltung zusammen, die zu Verhaltensstörungen führt.

    Meist gilt "einmal Kopper, immer Kopper" - selbst bei Umstellung auf Weide- und Gruppenhaltung. Der Grund hierfür ist die Ausschüttung von Endorphinen, die sich durch Ausübung der Sucht - denn eine solche ist Koppen - einstellt. Spätestens in Stresssituationen, z.B. bei Schmerzen, oder auch in Erwartung einer Futtergabe tritt das Koppen daher üblicherweise erneut auf.


    Artikel teilen