Kraftfutter

    Aus Pferde-Lexikon

    Die Bezeichnung Kraftfutter umfasst üblicherweise die Getreidesorten Hafer, Gerste und Mais sowie sämtliche Mischungen und industriell hergestellten Verarbeitungsprodukte (Cobs, Pellets u.Ä.). Sie werden als Zusatzfutter eingesetzt, wenn das Pferd aufgrund starker Nutzung, Trächtigkeit oder schwerer Erkrankung einen erhöhten Energiebedarf hat, sowie um bestimmte Defizite der Mineralstoffversorgung, die durch die reine Heu- und Grasfütterung entstehen können, auszugleichen.

    Zu diesem Zweck werden Hafer, Gerste und Mais schon seit Jahrtausenden eingesetzt. Allerdings war früher die Fütterung einer bestimmten Getreidesorte lediglich eine Frage der Verfügbarkeit - heute werden wahre Glaubenskriege um das richtige Kraftfutter ausgefochten. So wuchs in den südlicheren Regionen Europas, aber auch in Nordafrika vor allem Gerste; in Mitteleuropa ist der Hafer beheimatet und wird bis heute vorrangig gefüttert.

    Landete früher mangels geeigneter Maschinen weitgehend das ganze Korn unverarbeitet im Futtertrog, bietet die Futtermittelindustrie heute nicht nur gequetschtes, geschrotetes und gemahlenes, sondern auch "gepopptes" Getreide an.

    Grundsätzlich hat ein Pferd mit gesunden Zähnen und einer gesunden Darmflora keine Probleme mit unbehandelt gefüttertem Getreide; der Besitzer muss sich nur daran gewöhnen, dass ein relativ hoher Anteil der Körner unverdaut wieder ausgeschieden wird. Der Vorteil ganzer Körner besteht darin, dass sie das Pferd dazu anregen, gründlich zu kauen und langsam zu fressen. Dies wirkt jedoch nicht immer; schnell fressende Pferde nehmen daher teilweise trotz Haferfütterung ab, da der Darm die weitgehend unzerkauten Körner nicht verwerten kann. Für solche Pferde und alte Tiere mit schlechter Zahnsubstanz empfehlen sich weiterverarbeitete Getreide.

    Am häufigsten ist in Pferdeställen gequetschter Hafer bzw. Gerste zu finden. Der Nachteil besteht in der geringen Haltbarkeit: Im Idealfall wird das Getreide täglich, mindestens jedoch im 3-4-Tage-Rhythmus gequetscht, da sich wegen der zerbrochenen "Schutzhülle" leicht Schimmelpilze im Korn ansiedeln können.

    Gebrochen wird das Getreidekorn vor allem bei Mais, der aufgrund seiner harten, trockenen Substanz nur schwer zu zerkauen ist. Geschroteter Mais ist bei richtiger, d.h. staubfreier, trockener und kühler Lagerung sehr lange haltbar.

    Eine relativ neue Methode der Zusatzfutterherstellung ist das "Poppen" von Getreide - eine Hitzebehandlung, die nach dem System der Herstellung von Popcorn aus Mais das Getreidekorn durch die Aufspaltung der Stärke aufspringen lässt. Durch die größere Angriffsfläche, die das Korn nun den Darmbakterien bietet, durch die aufgebrochene Haut der Stärke, aber auch durch die weichere Struktur und damit leichtere Kaubarkeit des Getreides wird ein deutlich höherer Anteil der Inhaltsstoffe dem Organismus des Pferds zugänglich gemacht.

    Man sollte bei weiterverarbeiteten Getreidesorten immer bedenken, dass wegen der besseren Verwertung weniger gefüttert werden muss als bei intakten Körnern.

    Egal welches Kraftfutter: Entscheidend ist, dass Getreide und Pellets immer ein Zusatzfutter bleiben. Nur in Verbindung mit einer Grundlage aus Heu oder Gras können sie wirklich zum Wohlbefinden des Pferds und zu einer artgerechten Ernährung beitragen. Bei Pferden, die nur wenig oder gar nicht beansprucht werden, ist es zudem sinnvoll, zusätzliche Mineralstoffe und Vitamine eher durch ein gutes, ausgewogen zusammengesetztes und auf die jeweilige Haltungsform abgestimmtes Mineralfutter als durch eine Getreidegabe zur Verfügung zu stellen, da der hohe Energiegehalt von Hafer, Gerste und Mais auch Krankheiten (wie Kreuzverschlag und Hufrehe) hervorrufen kann.


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