Kreuzverschlag (Myoglubinurie, Lumbago)

    Aus Pferde-Lexikon

    Symptome

    Kreuzverschlag ist eine Verkrampfung der Kruppen- und Lendenmuskeln, die sich nach einiger Zeit entzünden und anschwellen. Die Krämpfe führen zu einem steifen, schleppenden Gang der Hinterhand und starker Berührungsempfindlichkeit an der Kruppe. Die betroffene Muskulatur erwärmt sich aufgrund der entzündlichen Prozesse deutlich. Das Pferd zeigt auffälliges Schmerzverhalten wie Zittern, Schwitzen, flache Atmung und erhöhten Puls. Wird Urin abgesetzt, besitzt dieser eine dunkelrote Farbe.

    Meist tritt die Erkrankung nach mehreren Ruhetagen, die das Pferd bei normaler Kraftfuttergabe in der Box verbracht hat, innerhalb von zehn bis 30 Minuten nach Rittbeginn auf.

    Ursachen

    Der Kreuzverschlag ist eine Stoffwechselstörung, hervorgerufen durch eine zu hohe Energieaufnahme und Anlagerung in den Muskeln im Verhältnis zur zu leistenden Arbeit. Kruppe und Lende sind aufgrund der hier zu findenden großflächigen Muskelpakete besonders betroffen. Aus der zu Rittbeginn noch schlecht durchbluteten Muskulatur können die beim übereilten Glykogenabbau entstehenden Abfallprodukte nicht rechtzeitig abtransportiert werden; Milchsäure lagert sich im Muskel an. Der Kreuzverschlag ähnelt also einem extremen Muskelkater, der bis zum Tod führen kann. Die im Muskel verbleibende Milchsäure übersäuert diesen und zersetzt damit die Muskelfasern. Diese setzten Blutfarbstoff frei, der über die Nieren ausgeschieden wird und den Harn rot färbt.

    Je ausgeprägter die Muskulatur der Hinterhand, desto gefährdeter ist das Pferd. Auch feuchtkaltes Wetter erhöht das Risiko eines Kreuzverschlags. Das Hauptproblem sind jedoch nicht die Muskeln, sondern eine nicht artgerechte Haltung ohne freie Bewegungsmöglichkeit verbunden mit Überfütterung; bei Offenstallpferden und geringer Kraftfuttergabe während der Ruhephasen tritt die Myoglubinurie praktisch nie auf.

    Behandlung

    Der Reiter muss sofort absteigen und die Kruppenmuskulatur eindecken, um durch die Wärme die Durchblutung der Muskulatur zu fördern. Dann ist sofort der Tierarzt zu verständigen, der über das weitere Vorgehen - Klinikaufenthalt, Rücktransport in den Stall oder Erste Hilfe-Maßnahmen wie Infusionen, Schmerzmittelgabe oder Aderlass - entscheidet. Zusätzlich ist alles hilfreich, was geeignet ist, die Muskulatur zu erwärmen: neben dem Eindecken bieten sich Rotlichtbestrahlung (Solarium), Einreibungen mit durchblutungsfördernden Mitteln, ja sogar Wärmflaschen an.

    Bei sofortiger Behandlung regenerieren sich die Muskeln nach zwei bis drei Tagen, die normale Nutzung sollte jedoch für ungefähr einen Monat ausgesetzt werden. Bleibt der Kreuzverschlag unbehandelt, kann dies zu einem Ausbreiten der Krämpfe auf andere Muskeln führen und letztendlich auch den Herzmuskel betreffen. Aufgrund der starken Schmerzen ist auch ein Kreislaufkollaps möglich. In beiden Fällen kann die Myoglubinurie zu bleibenden Schädigungen oder gar zum Tod des Pferds führen.


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