Lipizzaner

    Aus Pferde-Lexikon

    Steckbrief
    Herkunft: Slowenien
    Stockmaß: 153-165 cm
    Farben: hauptsächlich Schimmel
    Eignung: Freizeit, Sportpferd

    Exterieur

    Der Lipizzaner ist sicherlich eine der bekanntesten Pferderassen; er verfügt über ein kompaktes, kräftiges Exterieur mit herausragender Versammlungsfähigkeit. Der Kopf ist eher schwer, mit großen, wachen Augen, großen Nüstern und meist ausgeprägtem Ramsprofil. Das Genick ist leicht; der mittellange Hals setzt hoch an den muskulösen Schultern, die eine gute Schräge besitzen, an. Der wenig ausgeprägte Widerrist geht in einen langen, teilweise etwas weichen Rücken über. Die breite Kruppe ist kurz und mäßig schräg, mit hoch ansetzendem Schweif. Der Rumpf ist an den Flanken nur wenig aufgezogen, die Hinterhand stark bemuskelt. Die trockenen Extremitäten sind stabil, mit großen Gelenken und einer eher kurzen, schrägen Fesselung. Die Hufe sind von mittlerer Qualität.

    Lipizzaner erreichen ein Stockmaß von rund 153 bis 165 Zentimetern, wobei der alte, kompaktere Schlag kleiner ist als die modernen Sportpferdezuchten.

    Lipizzaner treten fast ausschließlich als schwarz geborene Schimmel auf, die mit etwa zehn Jahren reinweiß sind. Rappen und Braune kommen selten vor und sind sehr beliebt. Das Langhaar ist mäßig dicht und oft leicht gewellt.

    Herkunft und Haltung

    Der Lipizzaner ist eine relativ alte Rasse, die seit dem 16. Jahrhundert in Lipica in der damaligen k.u.k.-Monarchie (heutiges Slowenien) gezüchtet wurde. Aus einem Grundstock aus Neapolitanerstuten und zwei Andalusierhengsten sollte eine kompakte, für die klassische Reitkunst wie für die Kutsche geeignete Rasse entstehen. Durch ihre Verwendung in der Spanischen Hofreitschule in Wien (gegründet 1729), die nach dem großen Anteil spanischen Bluts an der neuen Pferderasse benannt wurde, erlangten die Lipizzaner rasch europaweit einen hohen Bekanntheitsgrad. Die Zucht wurde kontinuierlich durch Einkreuzung weiterer spanischer und italienischer, aber auch dänischer (Frederiksborger), tschechischer (Kladruber) und arabischer Pferde fortgesetzt. Nach Zerfall der k.u.k.-Monarchie wurde das Gestüt nach Piber (Slowenien) verlegt. Im Zweiten Weltkrieg wurden die Pferde zeitweilig durch die Alliierten evakuiert aus Furcht, die sowjetischen Besatzer könnten die Zucht zugrunde richten. Heute werden Lipizzaner in Piber, Lipica, Babolna (Ungarn) sowie in Italien gezüchtet. Für die klassische Dressur bis hin zu den Schulen über der Erde - als Krone der Reitkunst gilt die Kapriole, die sehr viel Kraft und Balance voraussetzt - bringen die Schimmel die größte Begabung mit; sie eignen sich jedoch auch hervorragend als Fahr- und Freizeitpferde. Die Rasse gilt als spätreif und wird nicht vor dem vierten Lebensjahr angeritten. Durch die späte Nutzung der Pferde in der Spanischen Hofreitschule zeigen die Hengste dort bis ins hohe Alter erstaunliche Leistungen bei einwandfreier Gesundheit.

    Art und Wesen

    Lipizzaner sind sensible Pferde mit lebhaftem Temperament, das bei guter Ausbildung jedoch leicht zu regeln ist. Die Rasse gilt als charakterlich schwierig; sie verfügt über einen ausgeprägten Eigenwillen und kann stur, aber auch sehr feinfühlig bis überempfindlich reagieren. In der Ausbildung durch einen erfahrenen Reiter erweisen sich die Pferde jedoch als ausgesprochen intelligent und lernwillig.


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