Misch- und Fertigfutter

    Aus Pferde-Lexikon

    Bei vielen Reitern sind die zahlreichen auf dem Markt befindlichen Fertigmischungen aus Getreide und Pellets sowie teilweise Kräutern, Melasse oder getrockneten Apfel- und Karottenschnitzen ausgesprochen beliebt. Der Grund hierfür ist der geringe Arbeits- und Platzaufwand - in einem Sack befinden sich drei, vier, bis zu zehn verschiedene Futtermittel und mit einer Schöpfkelle wird dem Pferd eine optisch ansprechende und meist zusätzlich mineralisierte und vitaminisierte Mahlzeit in den Trog geschüttet.

    Auf der anderen Seite lehnen einige Pferdehalter Fertigfutter strikt ab mit dem Argument, die nicht nachvollziehbare Mischung diene den Herstellern vor allem dazu, ihre Abfallprodukte teuer zu verkaufen. Tatsächlich finden sich in einigen Mischungen Bestandteile, die keinesfalls nicht zu den klassischen Pferdefuttermitteln zu zählen sind, wie Grünmehle und Maiskleber.

    Grundsätzlich gilt, dass die Inhaltsstoffe von Tierfutter heute genau deklariert werden müssen. Lange Beipackzettel geben Auskunft über Rohasche, Trockenmasse und Rohprotein. Was aber bedeuten diese Werte und wie kann man mit ihrer Hilfe Mischfutter sinnvoll dosieren?

    • Die Trockenmasse oder Trockensubstanz wird in Gramm pro Kilogramm Futter angegeben. Aus ihr kann ersehen werden, wie viel Wasser das Futter enthält; bei 600 g Trockenmasse wären dies 400 g Wasser pro Kilogramm. Futtermittel sind praktisch nicht lagerbar, wenn sie mehr als 140 g (14 Prozent) Wasser enthalten, da sie zu rasch faulen; daher ist eine Trockenmasse von mindestens 860 g gesetzlich vorgeschrieben.*

    Der Rohfaseranteil (ebenfalls in Gramm pro Kilogramm) gibt Auskunft über die Verdaulichkeit des Pferdefutters. Ballaststoffe - wie sie vor allem die harten Stängel im Heu darstellen - können vom Pferdemagen nicht aufgeschlossen werden. Andererseits sind sie ein unverzichtbarer Bestandteil des Futters, da sie der Gesunderhaltung des Magen-Darm-Trakts im Sinne einer Kolikprophylaxe dienen. Hafer enthält rund 30 Prozent (300 g) Rohfaser.

    • Rohproteine sind aus Stickstoff entstandene, für die Zellregeneration unverzichtbare Eiweiße, die aus verschiedenen Aminosäuren zusammengesetzt sind. Als Richtwert kann ein Bedarf von 100 g verdauliches Rohprotein pro 100 kg Lebendgewicht des Pferds angenommen werden. Auf Futtermitteln ist üblicherweise der absolute Rohproteinwert angegeben; von diesem sind jedoch nur rund drei Viertel tatsächlich verdaulich. Grundsätzlich kann davon ausgegangen werden, dass ein Freizeitpferd über Heu und Gras ausreichend mit Proteinen versorgt wird und daher kein Mangel über Kraftfutter auszugleichen ist; damit sind praktisch alle im Handel angebotenen Mischfuttersorten bezüglich des Eiweißes bzw. im Energie-/ Eiweißverhältnis überdosiert. Dies lässt sich vom Pferdehalter jedoch nur schwer nachprüfen, da der Energiegehalt meist nicht angegeben wird.*Rohasche bezeichnet alle anorganischen Bestandteile des Futters, also alle Mineralstoffe, darunter Kalzium, Phosphor und Magnesium. Viele Reiter füttern hier nach dem Grundsatz "viel hilft viel". Eine Überdosierung von Mineralien kann aber durchaus negative Auswirkung auf die Pferdegesundheit besitzen, zudem wird ein überwiegender Anteil oder sogar die Gesamtheit der vom Pferd benötigten Rohasche bereits durch Heu und Stroh bereitgestellt. Ein Rohaschegehalt von bis zu 45 Prozent, wie er in einigen Futtern zu finden ist, stellt daher keinen sinnvollen Beitrag zu einer gesunden Ernährung dar.*

    Pflanzliche Öle und wertvolle Fettsäuren, wie sie bspw. im Hafer enthalten sind, bilden die Grundlage für die Berechnung des Rohfetts eines Futtermittels. Diese Fette sind unbedingt notwendig für die Gesunderhaltung des Pferdedarms sowie für einen funktionierenden Zellstoffwechsel. Einige Futtermittelhersteller versuchen, die durch hochwertiges Getreide gelieferte Fettsäuren bspw. durch Raps- oder Sojaöl zu ersetzen; diese Zusätze sind für das Pferd jedoch ebenso wenig sinnvoll verwertbar wie vom Reiter über das Futter gegebene Distel-, Sonnenblumen- oder Olivenöle.


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