Pferdefütterung

    Aus Pferde-Lexikon

    Artgerechte Pferdefütterung

    Die Faustregel der Pferdefütterung lautet: je öfter, desto besser. In der Natur beschäftigt sich ein Pferd bis zu 20 Stunden am Tag mit Fressen, da die durch den natürlichen Lebensraum bereitgestellten Futterpflanzen häufig einen sehr hohen Rohfaseranteil besitzen, aber nur wenig Energie bereitstellen. Dies bedeutet: Viel Quantität, wenig Qualität.

    Bei modernen Pferden - vor allem in Boxenhaltung - ist dieses Verhältnis oft umgekehrt. Diese Pferde erhalten relativ geringe Mengen extrem energiereichen Futters. Pferdemagen und -darm sind auf diese Ernährung jedoch nicht eingestellt, und so kommt es, dass heute mehr als die Hälfte aller Pferde Magengeschwür haben, das deutlichste Anzeichen falscher Fütterung.

    Der Verdauungsapparat des Pferdes

    Pferde besitzen einen relativ kleinen Magen. An diesen schließen sich fast 70 m Darm an, die einen gewissen Füllstand haben müssen. In Verbindung mit der Ernährung durch energie- und vitaminarme Wild- und Steppengräser bedeutet dies, dass die Futteraufnahme sehr zeitintensiv ist. Der Pferdemagen ist nicht darauf ausgelegt, leer zu sein - genau dies passiert aber häufig, wenn Offenstallpferde auf ihrem graslosen Paddock nur zweimal täglich Heu vorgelegt bekommen oder wenn Boxenpferde hauptsächlich mit Hafer ernährt werden.

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    Andererseits birgt auch das pausenlose Weiden auf der Koppel Risiken. Es entstehen "Wohlstandskrankheiten" überfressener Weidepferde auf Weiden, die wegen des hohen Energiebedarfs von Milchkühen mit Stickstoff "fett" gedüngt wurden; Hufrehe, Koliken und Herzprobleme sind mögliche Folgen.

    Weidehaltung und Zufütterung

    Wie sieht also die Lösung aus? Im Idealfall besteht sie in der Bereitstellung einer großen, mageren Weide, deren Bewuchs zu einem Großteil aus Wildkräutern und überständigem, strohigem Gras besteht. Fette Weiden sollten nur stundenweise zugänglich sein; die restliche Zeit können die Pferde mit Stroh oder strohigem Heu beschäftigt werden. Um den Energieverlust durch die Arbeit vor der Kutsche oder unter dem Sattel auszugleichen, wird am Besten naturnah gefüttert: Ganzes Getreide - Hafer oder Gerste - stellt eine hervorragende Energiequelle dar. Kälte greift die Energiereserven eines Pferds weit weniger an, als Reiter üblicherweise glauben - erst ab Temperaturen von unter -15 bis -20 °C muss daher die Kraftfutterration erhöht werden.

    Gesund füttern

    Ob die Fütterung stimmig ist, zeigt sich relativ schnell am Gesamtzustand des Pferds. Daher sollte auch bei scheinbar nicht fütterungsbedingten Problemen wie Schweifscheuern, nicht zuzuordnenden Gelenkschmerzen, Verspannungen oder Temperamentsschwierigkeiten überprüft werden, ob sich nicht aufgrund dauerhaft unausgewogener Eiweiß-/ Energie-Zufuhr eine "schleichende" Vergiftung eingestellt hat. Derartige Futtervergiftungen ziehen die unterschiedlichsten Stoffwechselprobleme nach sich und können auch zu dauerhaften Schädigungen der Nieren, des Magen-Darm-Trakts oder der Gelenke führen.

    Offensichtlichere Folgen von Fütterungsfehlern sind ein stumpfes Fell und Schwierigkeiten beim Fellwechsel, starke Nervosität oder Apathie, Probleme mit dem Hufwachstum und Koliken.

    Ist das Fell dagegen glänzend und das Temperament des Pferds ausgeglichen, besitzt das Tier einen gesunden Appetit und Freude an der Bewegung, kann davon ausgegangen werden, dass in Sachen Fütterung alles richtig gemacht wird.



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