Pferdekauf

    Aus Pferde-Lexikon

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    Die Suche nach dem (eventuell ersten) eigenen Pferd ist spannend und aufregend. Der Pferdekauf birgt aber oft auch einige Überraschungen. Von der Wunschrasse und -farbe bis zum eigenen reiterlichen Können, von Turnierzielen bis zur Einschätzung der Zeit, die man Reitstunden und der Pferdeausbildung widmen kann, gilt es, viele Aspekte gleichzeitig zu beachten.

    Um Fehler zu vermeiden, sollten Reiter sich selbst realistisch einschätzen und sich über einige grundlegende Fragen schon im Vorfeld klar werden.

    Wie groß sind mein Fachwissen und mein reiterliches Können?

    Das Können eines Reiters kann sicherlich am besten der Reitlehrer beurteilen - aber auc nur, wenn der Reitlehrer auch die Möglichkeiten hatte, auf den einzelnen Schüler individuell einzugehen. In vielen Reitstunden mit acht und mehr Reitern ist dies kaum der Fall. Vorsicht ist auch geboten, wenn unmittelbar die Empfehlung folgt, ein bestimmtes Schulpferd würde hervorragend passen und sei zufällig zu verkaufen. Auch bei erfahrenen Reitern aus dem Reitstall kann das Urteil durch eine gute Freundschaft, aber auch Neid auf den zukünftigen Pferdebesitzer getrübt sein.

    Es empfiehlt sich grundsätzlich nicht, die Einschätzung des eigenen Könnens beim Probereiten eines Verkaufspferdes vorzunehmen. Zu leicht lässt man sich sonst durch Bemerkungen des Verkäufers, wie außergewöhnlich das Pferd gerade gehe, zu einem zu positiven Eindruck von Tier und Besitzer verleiten. Außerdem besteht ein großes Sicherheitsrisiko für Reiter und Pferd, wenn der Reiter sich überschätzt hat.

    Der passende Pferdetyp

    Bereits in diesem Stadium wird der zukünftige Pferdebesitzer vermutlich feststellen, dass einige Pferderassen und -typen für ihn nicht geeignet sind. Zwar stellen Friesen aufgrund ihrer Farbe und der hohen Aufrichtung eine imposante Erscheinung dar - wer allerdings Probleme beim Aussitzen im Trab hat, sollte sich eine Rasse mit weniger Gang kaufen. Erfahrene Reiter, die gerne sportlich unterwegs sind, sind mit einigen eher ruhigen Rassen wie dem Norweger - im Gegensatz zu ängstlichen Reitern - schlecht beraten.

    Das eigene Fachwissen und Talent

    Noch wichtiger als das Können im Sattel ist für den zukünftigen Pferdehalter das Wissen um Haltung, Pflege, Krankheiten und Verhaltensweisen von Pferden. Die Absolvierung eines Abzeichenlehrgangs in einer der Reitweisen sichert gute Grundkenntnisse. Die alltäglichen Herausforderungen meistert man allein damit aber nicht.

    Pferdebesitzer zu sein heißt, mit einem anderen Lebewesen Kontakt aufzunehmen, dieses auszubilden und auf sich zu prägen und mit diesem gemeinsam zu lernen. Den guten Reiter zeichnen daher auch bestimmte charakterliche und pädagogische Eigenschaften aus: Geduld, Selbstbeherrschung, Klarheit beim Geben von Anweisungen, ein gewisses Maß an Selbstbewusstsein und Offenheit für Neues. Jähzorn und Ungeduld schaden der Beziehung zum eigenen Pferd ebenso wie zu große Nachgiebigkeit. Der perfekte Mittelweg lässt sich oft erst nach jahre-, teilweise jahrzehntelangem Umgang mit Pferden entdecken. Fehler sind praktisch nicht zu vermeiden. Der zukünftige Pferdebesitzer sollte sich damit abfinden und aus ihnen lernen, statt beim Pferd die Schuld zu suchen.

    Freizeitpferd oder Turnierpferd

    Die Frage nach den Zielen mit dem eigenen Pferd spontan zu beantworten fällt leicht, schließlich träumt man ja schon so lange von Ritten durch unberührte Natur, von goldenen Turnierschleifen, Sonntagsausfahrten in der eigenen Kutsche oder anderem. Es bleibt die Frage zu stellen, ob das reiterliche Können, aber auch die finanziellen und zeitlichen Möglichkeiten genügen, um diese Ziele zu erreichen. Wer von Distanzritten träumt, darf nicht das regelmäßige, zeitaufwändige Training vergessen. Auch Turnierteilnahmen bedürfen viel Vorbereitungszeit und kosten zudem - für Ausrüstung, Startgelder und eventuell einen eigenen Pferdeanhänger - viel Geld.

    Die Qual der Wahl - Reitweisen

    Auch die Wahl der Reitweise spielt beim Pferdekauf eine Rolle. Selbstverständlich kann man Gangpferdereiten nur auf gangveranlagten Pferderassen betreiben, aber ebenso gehören zu jeder der anderen Reitweisen traditionell bestimmte Pferderassen und -typen.

    Natürlich ist - abgesehen von Spezialgangarten - keine Zuordnung in Stein gemeißelt. So manches Quarter Horse geht beeindruckende Doma Vaquera-Lektionen, und der ein oder andere Hannoveraner zeigt spektakuläre Sliding Stops. Dennoch sollte man bedenken, dass jede Rasse seit Jahrhunderten für ein bestimmtes Einsatzfeld gezüchtet wurde und sich dort besonders leicht tut.

    Zukunftsplanung erforderlich

    Noch schwieriger wird die Beantwortung der Frage nach dem Einsatzziel, wenn man für zehn oder zwanzig Jahre plant. Ein artgerecht gehaltenes und trainiertes Pferd kann schließlich 25 bis 30 Jahre alt werden.

    Selbst beim Kauf eines "älteren" Pferds von 13 oder 15 Jahren sollte man also für die Zukunft planen. In dieser Zeit kann sich das eigene Können weiterentwickeln, sodass die zum Kaufzeitpunkt noch utopischen Träume von der Turnierteilnahme plötzlich in greifbare Nähe rücken. Hat man nun sein Pferd vor allem unter dem Aspekt der Zuverlässigkeit, ohne Berücksichtigung von Grundgangarten, Versammlungsfähigkeit oder Springtalent gewählt, ist der Reiter gezwungen, entweder seine Träume zum Wohle des Pferds aufzugeben - oder sich ein anderes Pferd zu kaufen.

    Was tun mit einem alten Pferd?

    Grundsätzlich sollte sich nur ein Pferd zulegen, wer gewillt und in der Lage ist, dieses bis zu dessen Tod zu versorgen oder den Platz auf einem entsprechenden Gnadenhof zu bezahlen. Die Abgabe "wegen Unreitbarkeit" als Beistellpferd ist gegenüber dem langjährigen Kameraden unfair - und oft genug werden die Rentner weiterverkauft und schließlich geschlachtet.

    Gerade für jene Reiter, die sich aus Zeit- und Geldgründen nur ein Pferd halten können, stellt ein altes Pferd oft eine große Belastung dar. Nicht selten steigen die Tierarztkosten aufgrund "kleiner" Krankheiten - Phlegmonen, Mauken, Zahnbehandlungen - deutlich. Spezielle Futter können nötig sein. Die Frage "Was mache ich, wenn mein Pferd alt ist?" auf später zu verschieben, ist dem Tier gegenüber verantwortungslos. Klarheit muss also auch hier schon vor dem Pferdekauf bestehen.

    Art der Pferdehaltung

    In vielen Gegenden sprießen die Reitställe wie Pilze aus dem Boden. Nicht überall aber wird die Pferdehaltung den Ansprüchen der Pferde gerecht, und oft richtet sich die Haltungsform nach Region. In stark durch Ackerbau geprägten Gegenden fehlt es überraschenderweise häufig an weitläufigen Weiden; die üblichere Form der Pferdehaltung findet hier in ehemaligen Kuhställen statt. In der Umgebung größerer Städte haben Pferdebesitzer zwar oft die Qual der Wahl, viele Ställe sind jedoch schlicht zu teuer. Selten sind auch die Kombination einer artgerechten Offenstallhaltung mit dem Vorhandensein einer - für Turnierreiter unerlässlichen - Reithalle oder speziell auf die Bedürfnisse zum Beispiel von Isländern ausgerichtete Ställe.

    Prüfung des Stalls

    Der ausgewählte Stall sollte vorab mehrmals besichtigt und die genaue Unterbringung des künftigen Pferdes mit dem Stallbesitzer detailliert besprochen werden. dabei gilt es, aufmerksam zu sein: Wenn versprochen wird, dass die Pferde täglich auf die Weide kommen, sollten sie auch bei regnerischem Wetter und aufgeweichtem Boden dort zu finden sein. Ein Koppelaufenthalt "je nach Wetter und Weidezustand" kann u.U. bedeuten, dass die Tiere nur bei Sonnenschein und absolut trockenem Boden herausgelassen werden - also praktisch nie. Gespräche mit langjährigen Einstellern können hier Klarheit bringen.

    Reservierung des Stallplatzes

    Hat man sich endgültig für einen Stall entschieden, sollte man sich zusichern lassen, dass der gewünschte Platz freigehalten wird. Teilweise muss dafür bereits ein Teil der Monatsmiete gezahlt werden; dies ist jedoch besser, als mit dem gerade gekauften Pferd vor einem überfüllten Stall zu stehen. In diesem Zusammenhang sollte der Stallbesitzer schon im Vorfeld die Maximalzahl der untergestellten Pferde nennen. Viele Offenstallbesitzer versuchen, durch die Unterbringung zu vieler Pferde auf zu wenig Raum mehr Geld zu verdienen - die Folgen sind Schlag- und Bissverletzungen sowie schlechte Futterversorgung einzelner Tiere.

    Auch den Einstellvertrag sollte sich der zukünftige Pferdebesitzer im Voraus zeigen lassen und fragliche oder ungewöhnliche Regelungen abklären.

    Pferdehaltung in Eigenregie

    Möchte man sein Pferd "mit Familienanschluss" halten - also auf einer gepachteten oder gekauften Wiese mit Unterstand - werden andere Vorbereitungen nötig. Neben den rechtlichen Aspekten - sind Hütten- und Zaunbau, Pferdehaltung und Futter- sowie Mistlagerung erlaubt? - sind auch die Fragen nach der Pferdegesellschaft und der eigenen zeitlichen Verfügbarkeit relevant.

    Kauft man zwei Pferde oder besitzt man bereits eines, ist es einfach; andernfalls muss man sich nach einem geeigneten Mitpächter oder -halter umsehen. Der muss sowohl ein netter Ausreitpartner sein als auch ein begeisterter Handwerker, damit man sich die Arbeit teilen kann. Nicht zuletzt sollte der andere Pferdehalter die eigenen Ansichten zu Haltung und Fütterung teilen, damit die Pferde eine gleichbleibende Versorgung erhalten. Und nicht zuletzt müssen sich die beiden Pferde auch noch mögen.

    Das größte Problem stellt aber meist der zweite Punkt dar: die Zeit. Zu Beginn geht die Pflege des eigenen Pferds leicht von der Hand. Spätestens in der ersten längeren Schlechtwetterperiode, bei Problemen mit der Heubeschaffung, zerstörten Zäunen oder zugefrorener Wasserleitung wird die Pferdebegeisterung auf eine harte Probe gestellt. Trotz allem müssen die Pferde täglich mindestens zweimal versorgt werden. Eine Urlaubs- und Krankheitsvertretung muss also unbedingt vorhanden sein. Inzwischen bieten sich für diese Fälle auch "Horse Sitter" an, die sich zuverlässig, aber selbstverständlich nicht umsonst um die Stall- und Pferdepflege kümmern.

    Hengst, Stute oder Wallach?

    Teilweise wird die Haltung auch durch das Geschlecht des Traumpferdes bestimmt. Stuten und Wallache sind in der Regel unkompliziert, wobei schon so mancher Wallach in einer Stutenherde zum unerträglichen Möchtegern-Hengst mutierte. Mitunter sind reine Stuten- bzw. Wallachherden daher friedlicher.

    Stuten besitzen in der Regel ausgeprägte soziale Instinkte, tendieren aber auch zu Rangkämpfen. Da diese meist durch Ausschlagen ausgetragen werden, können (v.a. bei beschlagenen) Pferden Verletzungen auftreten. Ein vorsichtiges Eingewöhnen in eine neue Herde ist daher unerlässlich.

    Hengste werden dagegen in den meisten Ställen nicht eingestellt, da sie zumindest von den Stuten separiert gehalten werden müssen. Vereinzelt existieren reine Hengstställe, in denen die Pferde meist in Boxen und tagsüber stundenweise (allein) in Ausläufen gehalten werden. Offenställe bzw. Hengstherden sind eher schwer zu finden.

    Hengst, Stute und Wallach unter dem Sattel

    Für die reiterliche Nutzung gilt grundsätzlich: Wallache sind am unkompliziertesten, da sie recht ausgeglichene "Launen" und damit konstantere Leistungen zeigen. Sie haben wie Hengste die Tendenz, die einmal anerkannte Rangordnung gegenüber dem Menschen nicht mehr zu hinterfragen.

    Stuten versuchen dagegen immer wieder, in der Rangfolge aufzusteigen. Dieses Verhalten entspringt der wechselnden Hierarchie unter den Stuten einer Herde. Im Zusammenhang mit der Rosse ändert sich zudem das Verhalten der Stuten, wobei einige umgänglicher, andere extrem kitzlig und hypersensibel werden. Andererseits zeigen Stuten jedoch eine große Leistungsbereitschaft und eine enorme Sensibilität gegenüber menschlichen Stimmungen. Dies erschwert ihre Ausbildung für Anfänger, deren Selbstbeherrschung noch nicht ausgeprägt genug ist.

    Die Preisfrage beim Pferdekauf

    Inzwischen dürfte sich die Auswahl bereits drastisch auf einige wenige Rassen reduziert haben. Sieht man sich die Angebote in einschlägigen Fachmagazinen an, fallen oft weitere Rassen aus Preisgründen durch das Raster. Noch nicht angerittene Jungpferde oder gar Absetzer sind zwar deutlich billiger; ein Anfänger ist mit ihrer Ausbildung jedoch schnell überfordert. Zudem muss man sich darüber im Klaren sein, dass ein Absetzer in frühestens zweieinhalb Jahren angeritten und erst in rund vier Jahren ohne gesundheitliche Bedenken voll genutzt werden kann.

    Auch Rassemixe können günstiger erworben werden - es sei denn, die Mischung wird bereits als eigene Rasse anerkannt, wie bspw. Araber-Berber, Arabohaflinger oder Aegidienberger (Paso mal Islandpferd). Alle anderen Mischungen können gelungen sein oder erhebliche Exterieurmängel aufweisen - hier hilft es nur, das jeweilige Pferd anzusehen.

    Mitleidskäufe sind oft teuer

    Gewarnt werden muss in den meisten Fällen vor Mitleidskäufen. Zwar ist es ehrenwert, ein Pferd aus schlechter Haltung "zu retten" - meist wurden diese Tiere aber zudem schlecht behandelt und stellen daher an den neuen Besitzer große Anforderungen, was die Kenntnis von Problemverhalten und Ausbildungsmethoden angeht. Verängstigte Pferde werden nicht selten, sobald der Auslöser ihrer Angst nicht weiter besteht, aggressiv und benötigen eine feste, erfahrene Hand. Auch können auf den neuen Besitzer wegen früherer Fehlernährung oder Überlastung hohe Tierarztkosten zukommen. Unerfahrene Reiter sollten sich daher ein unkompliziertes, gut gehaltenes und ausgebildetes Tier aussuchen.

    Pferdezüchter oder Pferdehändler

    Grundsätzlich gibt es drei Möglichkeiten: der Pferdekauf von privat, vom Züchter oder von einem Pferdehändler.

    Privatpferdehalter inserieren ihre Pferde meist in entsprechenden Fachzeitschriften oder im Internet. Wie bei Kontaktanzeigen gilt: Nicht alles, was geschrieben wird, ist wahr. Doch auch wenn der Halter sympathisch und kompetent wirkt, sollte man sich das Pferd zum einen genau ansehen und ein tierärztliches Attest anfertigen lassen und sich zum anderen zugesicherte Eigenschaften - wie einen bestimmten Ausbildungsstand, Freiheit von Krankheiten wie Sommerekzem oder Verhaltensstörungen wie Koppen - schriftlich bestätigen lassen.

    Lässt man sich das Pferd, sofern es bereits entsprechend ausgebildet ist, vom Besitzer vorreiten, kann man dessen Reitstil mit dem eigenen Können vergleichen. Darüber hinaus können die Gangarten des Tieres sowie sein Temperament beobachtet werden.

    Probereiten

    Setzt sich der Kaufinteressent anschließend selbst auf das Pferd, sollte er versuchen, den Reitstil des bisherigen Reiters weitgehend zu kopieren, um das Pferd nicht zu irritieren. Man sollte bedenken, dass ein Pferd, das zum Verkauf steht, u.U. täglich oder gar mehrmals am Tag von wildfremden Reitern bestiegen wird und entsprechend leicht "störrisch" reagieren kann - dies sollte nicht dem Charakter des Tieres negativ angelastet werden.

    Platz vor Preis

    Häufig zu lesen ist die Formulierung "Platz vor Preis". Es kann nicht davon ausgegangen werden, dass so beworbene Pferde tatsächlich deutlich unter Marktwert verkauft werden. Auch Händler wissen inzwischen, dass ihre Kunden sich geschmeichelt fühlen, wenn sie beteuern, dass sie das Tier nur in beste Hände abgeben - und der Kunde genau diesen Anforderungen entspricht.

    Von Privat werden Pferde mit diesem Zusatz teilweise für wenig Geld und mit "Schutzvertrag" verkauft. Dieser enthält Klauseln zur künftigen Haltung und Nutzung, ein Besuchs- oder Vorkaufsrecht des ehemaligen Besitzers im Falle der Weiterveräußerung. Meist muss der frühere Halter auch rechtzeitig von einer geplanten Tötung (außer im Notfall) in Kenntnis gesetzt werden.

    Kauf beim Züchter

    Der Kauf eines Pferds vom Züchter ist meist nur möglich, wenn man sich für den Erwerb eines Rassepferds entschieden hat. "Vom Züchter" bedeutet also den Erwerb entweder in einem der großen Staatsgestüte (wie Marbach oder Schwaiganger) oder von einem größeren privaten Züchter. Die Noten von Fohlenkürungen, Eintragungen als (Haupt-)Stammbuchstute u.Ä. weisen auf die Güte des einzelnen "Zuchtprodukts" hin - sind aber noch keine Garantie für ein von Erbkrankheiten freies Fohlen. Bei guten Züchtern liegt aber zumindest eine lückenlose Dokumentation der erforderlichen Impfungen, der Fütterung und der Hufpflege vor. Nicht unbedeutend für die Entwicklung des Jungpferds ist auch sein Zusammensein mit Altersgenossen auf einer Weide; dies ist in Gestüten grundsätzlich gewährleistet.

    Allerdings bieten nicht alle Züchter ausgebildete Pferde an. Möglich ist meist der Erwerb von Absetzern (rund 6-8 Monate) und Dreijährigen, die gerade angeritten wurden. Da unerfahrene Reiter mit einem jungen, praktisch rohen Pferd jedoch schnell überfordert sind, ist der Kauf eines "Remonten" kaum empfehlenswert. Zuweilen werden aber auch Zuchtstuten abgegeben, die aufgrund einer Erkrankung nicht mehr aufnehmen oder nicht zufriedenstellenden Nachwuchs produzierten. Diese Stuten sind meist freundlich im Umgang und besitzen eine Reitgrundausbildung.

    Ein Wort zum Preis: Pferde vom Züchter sind oft deutlich teurer als privat verkaufte Tiere. Dies bedeutet jedoch meist nicht, dass der Züchter beim Verkauf große Gewinne macht. Allein die umfassende medizinische Versorgung der tragenden Stute, Spezialaufbaufutter für die Stute nach der Geburt sowie Fohlenstarter, Impfungen und Entwurmungen sowie die allgemeinen Haltungskosten rechtfertigen bereits beim Absetzer einen Preis von mehreren 1 000 Euro. Geben Züchter ihre Fohlen deutlich billiger ab, muss vermutet werden, dass an der Versorgung von Stute und Fohlen gespart wurde - und dass dieses gesparte Geld später in Form von Tierarztkosten doch gezahlt werden muss. Der "Mehrpreis" für ein Pferd vom Züchter ist also eine Investition, die sich für den Reiter durchaus rechnen kann.

    ===Pferdekauf beim Händler Zur letzten Gruppe von Pferdeverkäufern, den Pferdehändlern, können sehr unterschiedliche Menschen gezählt werden. Zum einen gibt es die "klassischen" Pferdehändler, die relativ wahllos Pferde zusammenkaufen - häufig billig zu erstehende Rassemixe - und diese, oft unter falschen Angaben, mit möglichst viel Gewinn weiter zu verkaufen versuchen, im Zweifel auch an den Metzger. Diese Händler haben der gesamten Branche einen schlechten Ruf eingetragen, und grundsätzlich sollten gerade Laien bzw. unerfahrene Reiter nicht im Pferdehandel kaufen. Schnell kann sich das "kinderliebe Pony" als Beißer und Schläger entpuppen, und nicht selten ist der Zehnjährige weit über 15 Jahre alt.

    Üblicherweise demselben Typus gehören Pferdehändler an, die auf Pferdemärkten ihre Ware anbieten. Hier gilt für den Anfänger erst recht "Hände weg", denn aufgrund des Platzmangels und Zeitdrucks können die Tiere weder gründlich begutachtet noch Probe geritten werden; auch tierärztliche Ankaufsuntersuchungen sind unmöglich.

    Unter den Pferdehändlern gibt es aber durchaus seriöse Verkäufer. Diese beschränken sich meist auf den Verkauf einer Rasse oder eines bestimmten Pferdetyps und inserieren nicht à la "vom Kinderpony bis zum Turnierpferd". Einige Händler haben sich auch auf den Import spezialisiert. Hier kann die Qualität der Pferde und der Beratung stark schwanken. Gute Importpferde sind aufgrund der hohen Transportkosten und bürokratischen Anforderungen wie Quarantäne, Schutzimpfungen, Pferdepässen u.Ä. keinesfalls billiger, meist sogar teurer als in Deutschland gezogene Pferde derselben Rasse.

    Rassebezeichnungen bei Importpferden, v.a. bei "Moderassen", werden in Deutschland oft relativ freizügig gehandhabt. Die derzeit beliebten spanischen Pferde werden grundsätzlich als Andalusier verkauft - eine Bezeichnung, die in Spanien nicht existiert und dem Kenner lediglich verrät, dass das Pferd nicht rasserein gezogen wurde, da es sonst P.R.E.-Papiere besäße. Ähnlich werden südamerikanische Pferde oft als Criollo - und nicht korrekt als Mestizo - angeboten und jedes gescheckte irische Pferd wird zum Tinker.



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