Pferdetransport

    Aus Pferde-Lexikon

    Transport.jpg

    Die Teilnahme an einem Turnier, die Vorstellung auf einer Zuchtschau, die Notwendigkeit eines Klinikaufenthalts, ein Umzug, gemeinsamer Unterricht auf dem Hof eines bestimmten Reitlehrers oder der Verkauf des Tiers - kaum ein Pferd verbleibt heutzutage sein ganzes Leben im selben Stall und muss daher nie einen Pferdeanhänger besteigen. Damit der Pferdetransport weder zur Gefahr für Pferd, Mensch und andere Verkehrsteilnehmern wird noch rechtliche Grenzen überschreitet, sollte sich der Reiter im Vorfeld überlegen, welche Sicherheitsmaßnahmen getroffen werden müssen.

    Pferdeanhänger und -transporter

    In allen Fällen, wo der Transport mehrerer Pferde oder von Zusatzladung nötig wird, kommen Pferdetransporter zum Einsatz. Dies gilt vor allem für Pferdekliniken, -spediteure und -händler, renommierte Turnierställe, aber bspw. auch engagierte Fahrer, die neben ein oder zwei Pferden eine Kutsche verladen müssen.

    Transporter existieren in unterschiedlichen Größen, gängig sind Kleintransporter für zwei bis zu LKW für acht oder zehn Pferde. Bei den kleineren Varianten stehen die Pferde meist in oder gegen Fahrtrichtung. In Großtransportern werden die Tiere schräg zum Fahrzeug transportiert; diese LKW dürfen z.T. nur mit einem Führerschein der Klasse 2 (früher) bzw. Klasse C (aktuelle Regelung) gefahren werden.

    Der Vorteil der Transporter besteht in der Möglichkeit, Sättel, Putzzeug etc. im Transporter zu verstauen, und in der für die Pferde angenehmeren, weil erschütterungsfreieren Fahrt. Zudem bieten Transporter eine größere lichte Höhe im Inneren, sodass zu Platzangst neigende Tiere problemloser einsteigen.

    Nur wenige Pferdebesitzer haben jedoch die Möglichkeit, für den Transport ihrer Tiere auf einen LKW zurückzugreifen, sodass die meisten Pferde heute in einem Zweipferdeanhänger auf Tour gehen. Neben den geringeren Anschaffungs- und -wartungskosten erfordern Pferdeanhänger weniger Stellfläche und in Verbindung mit einem leistungsstarken PKW bilden sie ein relativ wendiges - wenn auch verhältnismäßig instabiles - Gespann.

    Pferdeanhänger werden in ausgesprochen luxuriösen Versionen mit Wassertank, Sattelschrank und hydraulischer Verladerampe angeboten, aber auch in eher spartanischen Ausführungen mit Planenverdeck und blankem Holzboden. Dieser Boden ist einer der Schwachpunkte jedes Hängers und muss daher regelmäßig aufmerksam kontrolliert werden. Vor allem Pferde mit Hufeisen sollten nie direkt auf dem blanken Boden stehen, sondern auf Gummimatten, die meist problemloser und gesundheitlich vorteilhafter sind als eine staubende, dicke Sägemehl- oder Strohschicht (die lediglich auf sehr langen Transporten sinnvoll ist). Werden diese Matten nachträglich verlegt und unzureichend verklebt oder liegen völlig lose auf, müssen sie regelmäßig entfernt werden, damit der Boden nicht unter der Einwirkung durchgedrungenen Urins oder Wassers zu faulen anfängt. Berücksichtig man dies nicht, kann es vorkommen, dass die Bodenplatte während der Fahrt durchbricht.

    Die Seitenwände bestehen meist aus Holz oder bei neueren Modellen aus Glasfaser; die "Haube" wurde früher durch eine über ein Metallgerüst gezogene PVC-Plane gebildet, heute besteht sie häufig aus Vollpolyester. Die Trennwand in der Mitte des Hängers ist aus demselben Material wie die Seitenwände, vereinzelt sind auch fest eingespannte Gummitrennwände zu finden.

    Bei der Wahl eines Hängers wie auch beim Transport mit einem fremden Hänger ist auf die Höhe der Brust- und hinteren Stange zu achten, die zum jeweiligen Pferd passen muss. Hat das Pferd nach vorne oder hinten zu viel Platz, kann es sich zu stark bewegen und dadurch sogar den Hänger ins Schwanken bringen. Sind die Stangen zu hoch eingestellt - dies ist u.U. bereits bei einem Großpferdehänger der Fall, wenn ein Kleinpferd oder großes Pony wie ein Connemara transportiert werden soll - besteht die Gefahr, dass das Pferd (v.a. mit der Kruppe) unter eine Stange rutscht und sie entweder aushebelt oder aber festklemmt und in Panik gerät. Idealerweise sollte die Bruststange auf Höhe der Halsansatzes oder ein wenig darüber angebracht sein; die hintere Stange hat dieselbe Höhe.

    Um den Hänger vollständig zu schließen, existiert noch eine kleine Plane oder Klappe oberhalb der Rampe. Ob sie offen gelassen oder geschlossen wird, sollte vor allem vom jeweiligen Pferd abhängig gemacht werden. Grundsätzlich ist auf langen Transporten und Transporten bei Nacht ein Schließen zu empfehlen, da das Tier sonst durch den Anblick auffahrender PKW verunsichert wird.

    Transportausrüstung des Pferdes

    Die Fahrt v.a. in einem Pferdeanhänger ist - auch bei umsichtiger Fahrweise - alles andere als ruhig und gleichmäßig. Durch die Fliehkräfte ist das Tier gezwungen, ständig Ausgleichsbewegungen vorzunehmen. Dazu kommen erschreckende Geräusche, die das Pferd nicht zuordnen kann, dicht auffahrende oder hupende Autos und bei Einzeltransporten die Verunsicherung wegen der ungewohnten Einsamkeit.

    Damit das Pferd sich nicht durch das Herumtreten selbst verletzt, sollten die Pferdebeine durch das Anbringen von Bandagen und Glocken oder spezieller Transportgamaschen geschützt werden. Das verwendete Halfter muss einwandfrei passen und stabil sein; ein gerissener Anbindestrick stellt ein enormes Sicherheitsrisiko dar. Wird ein Heunetz angebracht, so muss auf eine ausreichend hohe Verknotung geachtet werden, damit es nicht gegen das Pferd schlagen oder diesem gar zwischen die Beine geraten kann.

    Verladen und Transportieren

    Viele Pferde machen aufgrund schlechter Erfahrungen oder weil sie sich vor der dunklen Enge des Anhängers fürchten, Probleme beim Verladen. Um diese möglichst gering zu halten, sollte darauf geachtet werden, dass der Hänger auf einem ebenen Ort mit stabilem Untergrund platziert wird.

    Alle Gegenstände, die bei einem Ausweichen des Pferds gefährlich werden können - Mistgabeln, Putzkästen, Seile u.Ä. - sollten weiträumig um den Hänger entfernt werden. Es sollte weit genug entfernt von Straßen verladen werden, damit auch bei einem Losreißen des Pferds keine Gefahr für Dritte besteht. Durch das Öffnen der kleinen Einstiegstür auf der Vorderseite oder durch das Einschalten des Innenlichts wirkt der Hänger heller und größer auf das Pferd. Manche Pferde lockt ein mit einladend duftendem Heu gefülltes Netz in den Transporter.

    Wichtig ist in jedem Fall, absolut ruhig vorzugehen, da jede Aufregung für das Pferd künftige Transporte noch schwieriger macht. Verlade"hilfen" wie das Hineinziehen mittels Seilzug oder Longen um die Hinterhand, das Vortreiben mit Peitschen oder Besen und das Verbinden der Augen können zu Panikreaktionen des Pferds führen, das dann für sich selbst und alle Beteiligten zur Gefahr wird. Sedativa (Beruhigungsmittel) sollten nicht eingesetzt werden; unter ihrem Einfluss ist das Pferd nicht mehr in der Lage, ausreichend schnell auf Kurven und Straßenunebenheiten zu reagieren und sein Gewicht entsprechend zu verlagern.

    Wird nur ein Pferd transportiert, geschieht dies üblicherweise aufgrund der besseren Gewichtsverteilung und Kurvenlage auf der linken Seite des Hängers. Hat das Pferd den Hänger betreten, schließt ein Helfer die hintere Stange, erst dann wird das Pferd (nicht zu lang) angebunden. Nun kann die Rampe und u.U. die Plane bzw. Klappe geschlossen werden.

    Viele Pferde werden unruhig, solange der Hänger steht; da sie während der Fahrt mit dem Ausgleichen der Hängerbewegungen beschäftigt und daher meist ruhiger sind, empfiehlt es sich, nach dem Verladen rasch loszufahren.

    Eine der kostbaren Fracht angepasste Fahrweise sollte selbstverständlich sein; dazu zählen die Verdopplung des normalen Bremswegs, damit das Pferd nicht nach vorne fällt, und sehr langsames Fahren in engen Kurven. In Ortschaften und auf Landstraßen bleibt man so üblicherweise weit unter der angegebenen Geschwindigkeitsbegrenzung. Auf Autobahnen gilt ein Limit von 80 km/h bzw. für speziell zugelassene Gespanne 100 km/h.

    Am Zielort angekommen, wird der Verladevorgang in umgekehrter Reihenfolge vorgenommen: Eine Person betritt den Hänger, um das Pferd zu beruhigen, während Plane und Rampe geöffnet werden. Dann wird losgebunden, bevor die Stange ausgehakt werden kann - sollte das Pferd eilig zurücktreten, hängt es damit nicht mehr am Führstrick, wodurch Panik entstehen könnte. Der Helfer positioniert sich auf der Seite, auf der das Pferd eingeladen wurde, neben der Rampe und verhindert so, dass das Tier seitwärts von der Rampe tritt und sich dabei verletzt.

    Rechtliche Grundlagen des Pferdetransports

    Wie alle Fahrzeuge dürfen Pferde-LKWs und -anhänger nur mit gültiger TÜV-Plakette am Straßenverkehr teilnehmen. Auch zum Pferdeanhänger gehört ein Fahrzeugschein, der mitgeführt werden muss.

    Für das Pferd ist der zugehörige Equidenpass mitzunehmen. Soll das Tier innerhalb der EU verschickt werden, sind außerdem ein maximal acht Tage altes amtstierärzliches Attest - in dem auch der absolut saubere, möglichst desinfizierte Zustand des Anhängers notiert wird - und der gültige, vollständige Impfpass (meist dürfen die wichtigen Impfungen nicht älter als sechs Monate sein) Pflicht. Wird voraussichtlich eine bestimmte Transportdauer überschritten, füllt der Amtstierarzt einen Transportplan aus, in dem Route, Aufenthalts- und Umladestationen, Grenzübertritte sowie der Zielort notiert werden.



    Artikel teilen