Polo

    Aus Pferde-Lexikon

    Entwicklung des Polosports

    Extreme Sprints und Stopps, rasante Wendungen, Bodychecks und harte Kämpfe um einen kleinen weißen Ball: Polo ist nicht nur eines der ältesten Spiele zu Pferd, es ist mit Sicherheit auch das rasanteste. Überlieferungen und Ausgrabungen alter Spielfelder belegen, dass schon vor über 2500 Jahren Polowettkämpfe stattfanden. Dabei wurden gleichzeitig Wendigkeit und Sprintvermögen der Ponys wie auch Mut, Sattelfestigkeit und Teamfähigkeit der Reiter getestet.

    Die Briten entdeckten den Sport Mitte des 19. Jahrhunderts wieder. Die bekanntesten und besten Spieler dieser Zeit ritten in den Mannschaften der indischen Kolonialgebiete. Noch heute kann Polo als indischer wie britischer Nationalsport gelten, dessen mit Sicherheit berühmtester Anhänger der britische Kronprinz Charles ist.

    Von Großbritannien aus breitete sich das Spiel rasch in Europa und Übersee aus; v.a. Argentinien stand den britisch-indischen Teams bald in Spielstärke und -begeisterung nicht mehr nach. Auch andere britische Kolonien - namentlich Australien und Neuseeland - entdeckten ihre Polopassion.

    Pferde und Ausrüstung

    Poloponys

    Das wichtigste Equipment des begeisterten Polospielers sind mit Sicherheit seine Pferde. Die aufgrund früherer Größenbegrenzungen bis heute ohne Rücksicht auf ihr Stockmaß als Poloponys bezeichneten Tiere entstammen keiner speziellen Rasse oder Rassemischung, sondern werden vorrangig nach den Kriterien korrektes Exterieur, Gleichgewicht und Wendigkeit sowie Mut ausgewählt. In Indien werden vor allem Kathiawaris und Marwaris sowie Vollblutkreuzungen mit diesen Rassen gewählt; argentinische Poloponys gehen zumeist ebenfalls auf Englische Vollblüter sowie Criollos zurück. Die heute in Großbritannien verwendeten Ponys werden üblicherweise aus Argentinien importiert.

    Poloponys sind von mittlerer Größe (1,45-160 m) - groß genug, um Erwachsene tragen zu können, aber klein genug für schnelle, enge Wendungen - und besitzen ein stabiles, wenngleich deutlich Vollblut-geprägtes Fundament. Aufgrund der hohen Belastungen sind korrekt gestellte Extremitäten und Hufe zwingend; der Rücken sollte kurz und kräftig sein.

    Die Ponys müssen in der Lage sein, auch nach einem rasanten Spiel die Pausen effizient zur Erholung zu nutzen; sie dürfen sich also nicht zu sehr über das Tempo aufregen. Eine hervorragende Kondition und absoluter Gehorsam bei einhändiger Zügelführung sind unbedingte Voraussetzungen. Gute Ponys entwickeln sehr rasch einen "Jagdinstinkt" und verstehen es, ihren Reiter möglichst nahe an den Ball und in eine gute Schlagposition zu bringen. Die überwiegende Mehrheit der erfolgreichen Poloponys sind übrigens Stuten, da diese mehr Spieleinsatz zeigen als Wallache.

    Den Ponys wird während der Spielsaison die Mähne abgeschoren, damit sich die Zügel und der Schläger (Mallet) nicht verfangen können. Aus demselben Grund wird der Schweif während des Spiels hochgebunden.

    Poloausrüstung

    Geritten wird mit Sätteln, die Vielseitigkeitssätteln ähneln, und den unterschiedlichsten, meist recht scharfen Zäumungen, oft mit vier Zügeln. Häufig zu sehen sind Pelhams und Aufziehtrensen. Damit der Sattel während der seitlichen Schläge nicht verrutscht, kommt grundsätzlich ein Vorderzeug zum Einsatz; in dieses wird ein stehendes Martingal eingeschnallt. Letzteres schützt den Reiter vor dem hochgeworfenen Pferdekopf. Andererseits darf es nicht zu kurz geschnallt sein, da der Spieler auch Schläge unter dem Pferdehals hinweg durchführen können muss.

    Ein Schutz der Pferdebeine in Form von Bandagen oder Gamaschen ist vorgeschrieben, zusätzlich werden meist Hufglocken verwendet.

    Die Spieler einer Mannschaft tragen grundsätzlich Hemden in einer einheitlichen Farbe mit der jeweiligen Rückennummer sowie weiße Reithosen und braune Reitstiefel. Außerdem sind ein festsitzender und mit Kinnriemen gesicherter Polohelm und Knieschützer obligatorisch. Sporen sind erlaubt, Handschuhe empfehlenswert.

    Der Poloball besteht aus Bambus oder Plastik, mit einem maximalen Durchmesser von 8,8 cm und einem Höchstgewicht von 134 g. Der Schläger besitzt einen flexiblen Stil, der ebenfalls aus Bambus oder aber aus Rattan gefertigt ist und zwischen 122 und 132 cm lang ist. Die Längsseite des Kopfs ist abgeflacht, da der Ball mit ihr, nicht mit der kurzen Seite, geschlagen wird.

    Poloregeln

    Das Spiel ist in jeweils sieben Minuten dauernde Spielabschnitte, die so genannten Chukkers, eingeteilt; ihre Anzahl variiert in Abhängigkeit von der Leistungsklasse zwischen vier und sechs. Ein Pony darf in maximal zwei Chukkers zum Einsatz kommen, wobei dazwischen eine Pause von einem Chukker vorgeschrieben ist.

    Jede Mannschaft besitzt vier Spieler und die entsprechende Anzahl an Ponys (mindestens acht). Die Rückennummern eins und zwei spielen im Angriff, Nummer vier übernimmt die Verteidigung. Die einzelnen Spieler besitzen ein Handicap, das ihr Können anzeigt. Aus den individuellen Handicaps wird das Teamniveau als Durchschnittswert errechnet.

    Die beiden Mannschaften treten auf einem Spielfeld von 274 x 182 m Größe gegeneinander an. Die zwei Tore besitzen eine Breite von 7,3 m. Die Zahl der insgesamt in den Chukkers erzielten Tore entscheidet das Spiel.

    Die Sicherheit von Reitern und Ponys wird durch komplexe Foulregeln gewährleistet sowie durch die Vorschrift, dass nur mit der rechten Hand gespielt werden darf. Über die Einhaltung der Richtlinien wachen zwei ebenfalls berittene Schiedsrichter.

    Polospiele bieten - ähnlich Pferderennen - in Großbritannien und Argentinien nicht nur spannende Unterhaltung, sondern sind auch beliebte Treffpunkte des Adels. Selbst die britische Königin ließ es sich nicht nehmen, in der Halbzeit auf die übliche Anordnung der Schiedsrichter hin gemeinsam mit den anderen Zuschauern den aufgewühlten Rasen wieder festzutreten.



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