Schmerzsymptome beim Pferd

    Aus Pferde-Lexikon

    Pferde leiden leise. Sie jaulen oder fiepen nicht; bei starken Schmerzen stöhnen sie lediglich. Wer sein Pferd gut kennt, wird dennoch auf den ersten Blick feststellen können, ob das Pferd Schmerzen hat oder krank ist. Einige Anzeichen, die für starke Schmerzen sprechen, sind jedoch auch von Laien nicht zu übersehen.

    "Schmerzgesicht"

    Pferde haben ein typisches "Schmerzgesicht", das in seiner Ausprägung von den allgemeinen mimischen Fähigkeiten des individuellen Tieres abhängt. Kennzeichen sind ein stark vermindertes Ohrenspiel, müde, klein wirkende Augen, die häufig eine dreieckige Form annehmen, und deutliche Falten über den Augen. Dazu eingesunkene Augenhöhlen (diese weisen v.a. auf länger anhaltende Schmerzen hin; sie können aber auch bei alten, mageren oder gerade gesundeten Pferden auftreten), kleine Nüstern und ein verspanntes, oft faltiges Maul.

    PAT-Werte des Pferdes

    Ein deutliches Indiz für Schmerzen ist außerdem die Veränderung der PAT-(Puls-Atmung-Temperatur)-Werte.

    Die normale Temperatur des Pferdes liegt zwischen 37 und 38,5 °C. Bis 39 °C spricht man von leicht erhöhter Temperatur; bei Fieber kann die Körpertemperatur bis zu 40,5 °C erreichen.

    Der Ruhepuls variiert - auch in Abhängigkeit von der Rasse, wobei kleine Ponys oft an der oberen Grenze liegen - zwischen 32 und 45 Schlägen pro Minute. Er kann an der Innenseite der Ganaschen, mittig an der Innenseite der Röhrbeine oder an der Schweifrübe erfühlt werden.

    In Ruhe atmet ein Pferd zwischen acht und 16 Mal pro Minute; unter Belastung sollte ein Wert von 50 nicht überschritten werden. Hat ein Pferd Schmerzen, kann die Atmung ohne körperliche Anstrengung dem flachen Hecheln eines Hunds gleichen.

    Weitere Schmerzanzeichen

    Unmotiviertes Schwitzen, Zittern und allgemeine Unruhe zeigen Schmerzen an. Bspw. bei einer Kolik sieht sich das Tier immer wieder nach dem schmerzenden Körperbereich um. Schonhaltungen zeigen Probleme des Bewegungsapparats, Kreuzverschlag, aber auch Schmerzen im Rückenbereich an. Einige Pferde flehmen lang anhaltend. Schmerzen in den Extremitäten zeigen sich durch ein Lahmen des Pferds, das am leichtesten im Trab auf einer längeren Teerfläche beobachtet werden kann. Die Lahmheit kann von einer minimalen Unregelmäßigkeit bis zur fast vollständigen Entlastung des betroffenen Fußes reichen.

    Wie deutlich ein Pferd dem Menschen seine Schmerzen mitteilt, hängt jedoch vom individuellen Tier und teilweise von der Rasse ab. Grundsätzlich neigen hochblütige Pferde eher dazu, vor Schmerzen "wahnsinnig" zu werden und mit starker Unruhe, sogar Schlägen gegen die Boxenwand u.Ä. auf sich aufmerksam zu machen. Vor allem Ponys werden dagegen bei Schmerzen ruhiger bis hin zu einer vollkommenen Apathie, was das Erkennen von Problemen sehr schwierig macht.



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