Sonstige Sättel

    Aus Pferde-Lexikon

    Ein Sattel für jeden Einsatzzweck

    Die Vielzahl an Sattelmodellen, die inzwischen aus der ganzen Welt auf den deutschen Markt gelangten, macht eine ausführliche Beschreibung unmöglich. Jedes Land, jede Pferderasse besitzt ein eigenes Sattelmodell.

    Vom Gauchosattel bis zum Berbersattel

    So bestehen südamerikanische Gauchosättel nur aus festem, gerolltem Leder, über das ein Schaffell gelegt wird; das Ganze wird mit einem - sehr weit hinten liegenden - Übergurt auf den Criollos befestigt. Auf vielen Südseeinseln werden grob zurechtgeschnitzte Holzbäume, die mit Seilen als Gurte und Steigbügelriemen ausgestattet wurden, benutzt; die nordafrikanischen Nomadenstämme besitzen farbenfrohe, reich mit Silber und Gold verzierte, oft aber dem Pferderücken wenig angepasste Sättel für ihre Berber.

    Freizeitreitersättel aus aller Welt

    Für den europäischen Reiter gibt es jedoch einige interessante Modelle, die den einheimischen Pferden angepasst werden können:

    • Camargue-/ Gardiansattel: Der auf den kleinen, zierlichen Camarguepferden Verwendung findende Sattel besitzt noch höhere und enger beieinander stehende Galerien als die üblichen iberischen Modelle. Leichttraben oder Springen ist daher vollkommen unmöglich. Dafür sitzt der Reiter - auch bei der Arbeit mit den relativ kleinen, wendigen südfranzösischen Rindern - unverrückbar. Das eckige Sattelblatt wird durch einen zusätzlichen Übergurt gesichert. Der Schweifriemen gehört traditionell ebenso zum Sattel wie ein kleines Lederkissen auf der Kruppe und die schwarz-weiß-karierte Filzdecke. Für die schmalen südfranzösischen Schimmel angefertigt, passen Camarguesättel nur auf ähnlich gebaute, kleine Pferde.
    • McClellan: Der Sattel der kanadischen berittenen Polizei ist das wohl minimalistischste Sattelmodell: Der Holzbaum mit dem charakteristischen Schlitz in der Mitte des Sitzes, der der Belüftung des Pferderückens dient, wird lediglich einmal mit Leder überzogen; an ihm werden direkt die (englischen) Steigbügelriemen und die Gurtung befestigt. Die Polsterung für das Pferd erfolgt durch ein dickes Sattelpad oder eine mehrfach gefaltete Decke (Woilach). Auch der Reiter sitzt sehr hart.

    Der Vorteil des McClellan ist seine verhältnismäßig gute Auflagefläche bei geringstem Gewicht und die Möglichkeit, auch viel Gepäck an den zahlreichen Ösen und Ringen anzubringen. Südfranzösische (bspw. Malibaud, Mistral) und britische (Stonewall) Weiterentwicklungen bieten dem Reiter mehr Komfort, dem Pferd eine zumindest mit Schaffell gepolsterte Auflage und gleichzeitig ein weiterhin geringes Gewicht, das u.a. für Teilnehmer an Distanzritten entscheidend ist.

    • Baumlose Sättel (Torsion u.a.): Die Sättel ohne Sattelbaum basieren meist auf einem System von aus Plastik oder Holz geformtem Vorder- und Hinterzwiesel, die ein seitliches Verrutschen des Sattels verhindern und dem Reiter Halt geben sollen, und einem festeren, gepolsterten Stoff- oder Lederteil für die Sitzfläche. Es werden normale Steigbügel und Sattelgurte verwendet. Manche dieser "Sättel" sind nicht mehr als Kissen mit Bügelriemen.

    Einige Reiter schwören auf die Bequemlichkeit dieser Modelle; die Nachteile liegen jedoch in der Unmöglichkeit, Gepäck anzubringen (da der Sattel nicht stabil genug liegt), der geringen Verteilung des Reitergewichts und dem kaum vermeidbaren Druck auf Widerrist und Wirbelsäule des Pferds.




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