Ständerhaltung

    Aus Pferde-Lexikon

    Ein Pferdeständer oder -stand ist ein zu beiden Seiten durch Bretterverkleidungen oder auch nur aufgehängte Stangen abgetrennter Bereich, der zur Stallgasse hin offen ist. Am Kopfende befinden sich üblicherweise die Futterkrippe, ein Kraftfuttertrog und die Möglichkeit zur Wasseraufnahme. Das Pferd wird mit einem Halfter oder Halsriemen angebunden; es kann sich also weder drehen noch - aufgrund der Enge des Standes - ausgestreckt hinlegen. Zudem ist die Futteraufnahme in einer natürlichen Körperhaltung, d.h. vom Boden bei gestrecktem Hals, nicht möglich, da Krippe und Trog meist in Brusthöhe oder höher befestigt sind. Der Stand ist üblicherweise eingestreut. Teilweise ermöglichen ein längerer Anbindestrick und niedrige Trennwände zumindest Nasenkontakt mit dem Nachbarpferd; besonders in Hengstställen ist dies jedoch nicht erwünscht, sodass z.T. sogar die Sicht auf andere Pferde verhindert wird.

    Ständerhaltung ist inzwischen in mehrere Bundesländern gesetzlich verboten worden, und das zu Recht: Diese Haltungsform ist als Tierquälerei abzulehnen. Konnte sie früher noch damit gerechtfertigt werden, dass Arbeitspferde nach zehn bis zwölf Stunden auf dem Feld ihren Bewegungsdrang bereits ausgelebt hatten - obwohl sich auch bei ihnen freie Bewegung und die Möglichkeit des ausgestreckten Hinlegens gesundheitlich positiv ausgewirkt hätten -, so bedeutet Ständerhaltung bei der heute nur geringen Beanspruchung eine unzulässige Beschränkung aller vitalen Bedürfnisse des Tiers. Probleme im Bereich des Bewegungs- wie Lungenapparats, Verdauungsstörungen aufgrund der mangelnden Bewegung, Rückenschäden durch das Fressen mit hohem Kopf und Verhaltensveränderungen wie Koppen oder Weben sind die Folgen dieser Haltungsform. Toleriert werden können Ständer als reine Fressstände in der Offenstallhaltung, wo sie sich sogar als nützlich erweisen können.


    Artikel teilen