Tetanus (Wundstarrkrampf)

    Aus Pferde-Lexikon

    Symptome

    Zunächst bleiben Tetanuspatienten unauffällig; die ersten Symptome einer Infektion mit dem Erreger Clostridium tetani äußern sich nach acht bis 30 Tagen als Steifheit und geringgradige Koordinationsstörungen. Rasch steigern sie sich zu Krampfanfällen und Muskelversteifungen mit Schwitzen und Zittern sowie einer extremen Schreckhaftigkeit des Tieres. Das Pferd nimmt die typische Tetanushaltung ein: vorgestreckter Kopf mit geweiteten Nüstern, breitbeiniges Stehen, wobei die Hinterbeine hinter den Körper herausgestellt sind, als ob das Tier Urin absetzen wolle, und erhobener Schweif. Es kann zu einem Nickhautvorfall am Auge kommen. Die Muskeln am gesamten Körper sind kontrahiert, Atemstörungen treten auf. Die Spasmen im Hals- und Kieferbereich werden durch helles Licht, Berührungen oder Lärm deutlich verstärkt. Aufgrund von Schluckbeschwerden läuft Speichel aus dem Maul. Die Pulsfrequenz steigt, typisch ist außerdem eine flache, schnelle Schmerz- und Krampfatmung.

    Ursachen

    Der Tetanuserreger selbst stirbt an der Luft ab; seine Sporen sind jedoch ausgesprochen zählebig und können mehrere Jahre im Boden, aber auch auf der Haut (sofern eine gewisse Feuchtigkeit herrscht) überleben. Gefährlich werden die Sporen erst, wenn sie durch Verschmutzung in eine frische Wunde gelangen und die Möglichkeit haben, sich dort anzusiedeln. Unter Ausschluss von Sauerstoff entwickeln sich die Sporen zu Bakterien weiter. Bestimmte Verletzungen, die tief ins Fleisch reichen, aber keinen weiten Eintrittskanal besitzen, sowie Verletzungen von Schleimhäuten (auch der Darmschleimhaut durch Wurmbefall) sind daher gefährlicher als großflächige, aber eher oberflächliche Wunden, deren Wundfläche eine ständige Luftzufuhr erhält. Die Bakterien setzen ein Nervengift frei, das über den Blutkreislauf zum Zentralen Nervensystem bzw. zum Gehirn transportiert wird und zu den genannten Symptomen führt.

    Behandlung

    Da die Krankheit, ist sie einmal ausgebrochen, sehr rasch zum Tod des Pferds führt, muss für eine erfolgreiche Behandlung sofort tierärztliche Hilfe angefordert werden. Während der Wartezeit sollte das Pferd von allen Umweltreizen, die zu einem Erschrecken führen können, abgeschirmt werden. Der Tierarzt injiziert ein starkes Gegengift gegen den im Blut befindlichen Tetanuserreger; in einem späteren Stadium der Erkrankung, in dem bereits das Zentralnervensystem oder Gehirn angegriffen sind, kann Wundstarrkrampf nicht mehr erfolgreich behandelt werden. Zum Abtöten der Bakterien wird Penicillin gespritzt. Krampflösende Mittel können die akuten Symptome für das Pferd etwas erträglicher machen. Die Eintrittswunde wird gereinigt und desinfiziert. Vorausgesetzt, die Erkrankung wurde rechtzeitig entdeckt und die Behandlung umgehend begonnen, regeneriert sich das Pferd üblicherweise innerhalb einer Woche, während derer es unter intensiver Beobachtung stehen muss.

    Aufgrund der Schwere der Erkrankung und der Tatsache, dass ein hocheffektiver Impfstoff gegen Clostridium tetani existiert, stellt es eine Verletzung der Verantwortlichkeit des Tierhalters dar, wenn er sein Pferd nicht gegen Tetanus impfen lässt. Die Grundimmunisierung mit dem Tetanus-Toxoid erfolgt im Alter von vier Monaten und wird üblicherweise jährlich wiederholt. Die Impfintervalle sind jedoch aufgrund des Risikos eines Impfschadens umstritten und werden teilweise auf bis zu zwei oder drei Jahre ausgedehnt. In diesem Fall wird bei einer verdächtigen Verletzung jedoch automatisch das Toxoid gespritzt, sobald die letzte Impfung mehr als zwölf Monate zurückliegt. Das Tetanus-(Hochimmun-)Serum wird nur bei einem nicht grundimmunisierten Pferd und akuter Infektionsgefahr durch eine Verletzung eingesetzt.


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