Tollwut

    Aus Pferde-Lexikon

    Symptome

    Zunächst macht sich eine Tollwutinfektion nach einer Inkubationszeit von einigen Tagen bis zu mehreren Wochen durch deutliche Nervosität und Schreckhaftigkeit des Pferds bemerkbar. Die infizierte Bisswunde juckt stark. Die Unruhe des Pferds steigert sich innerhalb eines Tages immer mehr, bis es aufgeregt umherläuft und gegen die Boxenwände schlägt. Eine andere Erscheinungsform führt zu einer ungewöhnlich apathischen Ruhe des Tieres ("Stille Wut").

    Im nächsten Stadium beginnt das Pferd zu schwitzen; es hat Fieber und erhöhte Puls- und Atmungswerte. Erkrankte Tiere zeigen deutliche Verhaltensstörungen: Sie fressen kein Heu, aber versuchen, andere, ungenießbare Substanzen zu fressen; Wasser wird nicht mehr aufgenommen; häufiges Wälzen sowie breitbeiniges Stehen lassen an eine Kolik denken. Harn- und Kotabsatz sind aufgrund von Krampfanfällen unmöglich. Manchmal kommt es zum Erblinden. Lahmheiten können ebenso wie das Schiefhalten des Kopfs die Folge von Lähmungserscheinungen und Gleichgewichtsstörungen sein; diese führen - in Verbindung mit Schmerzen beim Abschlucken und Krämpfen in der Kiefermuskulatur - zum Sabbern und Verlieren von Futter. Typisch ist der weiße Schaum vor dem Maul.

    Die Koordination der Bewegungen fällt immer schwerer, bis das Pferd zusammenbricht und verendet.

    Ursachen

    Der Tollwuterreger kommt nur in einigen Regionen Deutschlands vor; dort wird er durch kleine Raubtiere übertragen. Am häufigsten sind die Überträger Füchse, die für das Virus extrem anfällig sind. Meist werden Pferde, die in Waldnähe weiden, in die Nüstern oder Vorderbeine gebissen, allerdings führt nicht jede Übertragung zur Erkrankung des Pferds, da Pferde mit sehr hohen Virusmengen infiziert werden müssen. Der Erreger greift das Zentralnervensystem an, von dem aus er sich im ganzen Körper ausbreitet und die Nervenzellen zerstört.

    Behandlung

    Es existiert keine Behandlung für infizierte Tiere; sobald eine Tollwuterkrankung feststeht, sollte das betroffene Pferd getötet werden. Ist das Pferd gegen Tollwut geimpft und eine Erkrankung möglich, muss das Tier sofort für mehrere Monate unter strikte Quarantäne gestellt werden. Kann keine gültige Impfung nachgewiesen werden, wird das Pferd bereits beim Verdacht auf Tollwut eingeschläfert. In jedem Fall ist die Erkrankung bzw. die Vermutung umgehend dem zuständigen Veterinäramt zu melden, da Tollwut laut Tierseuchengesetz anzeigepflichtig ist. Alle Personen, die Umgang mit dem Pferd hatten, werden vorsorglich geimpft, obwohl eine Ansteckung über das Pferd nicht stattfinden kann.

    In den tollwutgefährdeten Bezirken in Deutschland sind Tierhalter gesetzlich verpflichtet, ihre Tiere regelmäßig (bei Pferden einmal jährlich) nachimpfen zu lassen. Aufgrund der umfassenden Maßnahmen (v.a. Auslegen von Impfködern für Füchse) der vergangenen Jahrzehnte konnte die stets tödlich verlaufende Krankheit jedoch soweit eingedämmt werden, dass häufig seit Jahren keine Fälle mehr auftraten; die Verpflichtung zur Immunisierung der Tiere besteht jedoch aus Sicherheitsgründen weiterhin.


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