Westernreitsport

    Aus Pferde-Lexikon

    Nachdem das Pferd viele Jahrtausende nach seinem Aussterben auf dem amerikanischen Kontinent von den spanischen Siedlern wieder eingeführt wurde, stellte man rasch fest, dass sich die europäische Reiterei für die dortigen Anforderungen nicht eignete. Das iberische Pferd, das vom Reiter stark versammelt wurde und dadurch ausgesprochen wendig war, passte nicht in die Weiten der nordamerikanischen Steppengebiete - im Gegenteil, das "aktive" Reiten strengte Pferd und Reiter zu sehr an.

    Entspanntes Reiten als Ziel

    Um weite Strecken möglichst kräfteschonend zurücklegen zu können, griff man auf Pferde mit eher flachen, langsamen Gängen zurück. Sie verbrauchten nicht nur selbst weniger Energie, sondern waren auch wesentlich bequemer zu sitzen. Auch die Reiterhilfen wurden auf ein Minimum reduziert: Das ideale Pferd des "Wilden Westens" wurde einmal in ein bestimmtes Tempo getrieben und behielt dieses solange bei, bis eine andere Hilfe Veränderungen forderte.

    Rinderarbeit

    Dennoch wurde das Pferd in Nordamerika nicht zum reinen Transportmittel. Auch in der neuen Welt mussten Rinder zu Pferd gehütet werden, sodass das Westernreiten durchaus eine Arbeitsreitweise blieb.

    Die nordamerikanischen Rinder unterschieden sich jedoch aufgrund ihres ruhigen, eher scheuen Charakters deutlich von ihren aggressiven spanischen Verwandten. Pferd und Reiter mussten nicht mehr gehörnten Angriffen ausweichen, sondern lediglich die Herden zusammenhalten und zu neuen Weidegründen treiben. Nur wenn ein Tier aus der Herde ausbrach, waren Sprint- und Reaktionsschnelligkeit des Pferds gefragt.

    Das moderne Westernpferd

    Diese Ansprüche formten einen heute weltweit bekannten und beliebten Pferdetyp: das Quarterhorse. Der tief angesetzte Hals und der lange Rücken ermöglichen eine flache, fast schlurfende Gangart, die v.a. im Trab ("Jog") kilometerweit bei geringstem Energieverbrauch durchgehalten werden kann. Die einhändige Zügelhaltung ermöglicht das Öffnen von Toren und das Werfen des Lassos, ohne dass das Pferd von den Hilfen kommt und führungslos wird.

    Die muskulöse Hinterhand erlaubt ein extrem rasches Lossprinten und eine hohe Geschwindigkeit auf kurzen Strecken. Trittsicherheit, Nervenstärke und Gutmütigkeit machen Quarterhorses zur Lebensversicherung auf vier Beinen.




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