Westernsättel

    Aus Pferde-Lexikon

    Der Arbeitssattel der Cowboys

    Beim Westernreiten gibt es mehrere Varianten desselben Satteltyps, die in Hinsicht auf die Bedürfnisse in den einzelnen Disziplinen entwickelt wurden. Pleasure-, Reining und Cuttingsättel sind auf die Turnierdisziplinen zugeschnitten. Kalifornische Sättel unterscheiden sich optisch von den anderen Typen, lassen aber vor allem den Reiter in einer "klassischen" Dressurposition sitzen.

    Mexikanische Sättel sind die ursprünglichste, teilweise ausgesprochen minimalistische Sattelvariante, bei der Steigbügelriemen und eine lockere Sitzauflage direkt am offen liegenden Holzsattelbaum angebracht sind.

    Der bequeme Sattel

    Der Laie erkennt den Westernsattel zunächst sicherlich am auffälligen Horn vor dem Sitz des Reiters, um das das Lasso geschlungen wurde, sobald ein Wildpferd oder ein Rind eingefangen worden war. Heute dient das Horn wohl häufiger unsicheren Reitern zum Festhalten auf unruhigen Pferden. Außerdem ist es - neben der sehr langen Auflagefläche des Westernsattels - der Hauptgrund, wieso der sonst extrem vielseitige Satteltyp bei einer Disziplin keine Verwendung findet: dem Springen. Allerdings sind kleinere Sprünge im Gelände von guten Reitern durchaus zu meistern, ohne dass man sich am Horn verletzt.

    Der Westernsattel ist - kaum noch erkennbar - eine Weiterentwicklung der spanischen Sättel, die mit den Konquistadoren nach Nord- und Südamerika gelangten. Mit der modifizierten Reitweise, die weniger auf den Umgang mit aggressiven Stieren auf engem Raum abgestimmt ist als vielmehr auf die Kräfte schonende Bewältigung langer Rittstrecken mit ruhigen Rindern, veränderte sich auch die Sattelform. Sie kommt dem Sitz des Westernreiters entgegen, der geprägt wird durch weniger Anspannung als bei englischen und iberischen Reitern und der weniger stark "am Pferd" ist.

    Angepasst an die Signalreitweise

    Die Signalreitweise erfordert kein - viel zu anstrengendes - ständiges Vorwärtstreiben des Pferds, weswegen die Unterschenkel die meiste Zeit nicht am Pferdebauch anliegen. Die leicht nach vorne genommenen Beine bieten gerade bei plötzlichen Stopps eine größtmögliche Sicherheit, weswegen die Aufhängung der Steigbügelriemen entsprechend weiter vorne angebracht wurden.

    Der extreme Hohlsitz des spanischen Sattels wich einer flacheren und vor allem größeren Sitzfläche, die dem Reiter die Veränderung der Sitzposition zu einem gewissen Maß erlaubt. Der hohe Hinterrand (Hinterzwiesel/ Galerie) wurde etwas niedriger (Cantle), der Vorderzwiesel mit einem Horn zu Befestigung des Lassos versehen. Die breiten Steigbügelriemen (Fender) ersetzen die Sattelblätter und schützen das Reiterbein vor dem Pferdeschweiß; besonders bei neuen Sätteln erschweren sie durch hartes, steifes Leder jedoch oft den korrekten Sitz. Generell schwächen sie die Schenkelhilfen des Reiters ab bzw. verteilen sie großflächiger; deswegen wird häufig mit Sporen geritten. Die breiten, bequemen Steigbügel sind meist mit Leder oder Rohhaut überzogen.

    Bequemlichkeit auch fürs Pferd

    Die Auflagefläche ist gegenüber englischen Sätteln deutlich vergrößert; sie reicht von über der Schulter des Pferds bis kurz vor die Nierenpartie. Westernsättel besitzen selbst keine Polsterung, weshalb sie unbedingt mit einem dicken Pad oder einer vielfach gefalteten Decke unterlegt werden müssen. Die nach hinten verlängerten Trachten (Skirts) ermöglichen in Verbindung mit den zahlreichen Ringen oder Lederbändern (Strings) die Anbringung von Packtaschen und anderem Gepäck.

    Einige Westernsättel werden mit einem zweiten Sattelgurt geritten, der vor den Flanken des Pferds verläuft. Er darf wegen der möglichst freien Atmung nicht zu eng verschnallt werden und muss zudem durch einen kleinen Riemen mit dem normalen Gurt verbunden werden, damit er nicht nach hinten rutschen kann. Dieser Back Cinch verhindert, dass der Sattel, wenn er durch das Lasso nach vorne gezogen wird, im hinteren Bereich "abhebt".

    Wertvolle Westernsättel

    Das viele Leder eines Westernsattels wie die Freude der heutigen "Cowboys" an Silberschmuck hat seinen Preis, und das in übertragener wie eigentlicher Wortbedeutung. Zunächst sind Westernsättel meist sehr schwer; dies stellt für etwas zierlichere Reiter zuweilen ein Problem dar. Ein Sattel für ein stabiles Quarter Horse, der über einen Holzsattelbaum sowie u.U. einige Verzierungen aus Sterlingsilber verfügt, bringt durchaus bis zu 20 kg auf die Waage.

    Moderne Sättel besitzen daher oft Fiberglasbäume; bis heute gilt allerdings der mit nasser (beim Trocknen schrumpfender) Rohhaut überzogene Holzbaum (zu Recht) als Qualitätsmerkmal. Inzwischen sind auch Synthetikwesternsättel auf dem Markt zu finden; diese wiegen meist um sieben bis neun Kilogramm. Um einen qualitativ akzeptablen Sattel zu erstehen, muss man mit mindestens 1000 Euro Anschaffungskosten rechnen - ohne Gurt und Pad. Markensättel überschreiten schnell 1500 Euro, maßangefertigte Showsättel mit extravaganten Punzierungen (Ledereinstanzungen) und Silberbeschlägen können 4000 Euro und mehr kosten. Billige Angebote von einigen 100 Euro stammen meist aus Mexiko und stellen ein großes Sicherheitsrisiko dar.

    Westernsättel für Freizeitreiter

    Beim Kauf eines Westernsattels für den Freizeitreiter sollte darauf geachtet werden, dass die Sitzfläche nicht zu stark gemuldet ist - was den Reiter in eine inflexible, häufig zu weit nach hinten verlegte Position zwingen würde - und dass die Steigbügelaufhängung so weit hinten liegt, dass das Bein des Reiters auch in korrekter Dressurposition locker herabhängen kann. Sättel der kalifornischen Richtung und Pleasure-Sättel sind für Ausritte wie den Besuch von kleineren Turnieren am besten geeignet.

    Eine Besonderheit sind die so genannten "Oldtimer-Sättel", die heute auch - oft in schlechter Qualität - nachgefertigt werden. Ein echter Oldtimer ist bis zu über 100 Jahre alt, aufgrund der soliden handwerklichen Verarbeitung aber immer noch verwendbar und pferdegerecht. Diese Sättel orientieren sich noch stärker am spanischen Vorbild: Das Cantle ist ebenso wie der Vorderzwiesel (Fork) hoch und steil und bietet dem Reiter damit einen Hohlsitz.



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