Zaumzeug

    Aus Pferde-Lexikon

    Das Zaumzeug - weltweit im Einsatz

    Überall auf der Welt werden Pferde mit Zaumzeugen geritten und gefahren. Zwar sehen diese je nach Reitweise unterschiedlich aus, was Verzierungen und Details angeht - das Prinzip aller Zäume ist jedoch dasselbe.

    Aufbau des Zaumzeugs

    Genick-, Stirn- und Kehlriemen

    Das Gebiss wird gehalten durch einen Genickriemen, der auf einer oder beiden Seiten oder hinter den Ohren zu verstellen und dem individuellen Pferd anzupassen ist. Üblicherweise ist er mit einem Stirnriemen versehen, der verschoben werden kann und oft durch Einlagen, Applikationen oder Nieten geschmückt ist. Er verhindert, dass der Genickriemen am Hals des Pferdes nach unten rutscht.

    Der Kehlriemen, der unter den Ganaschen verläuft, verhindert das Abschütteln oder -streifen des Zaumzeugs über die Ohren. Bei englischen Zaumzeugen entspringen die Backenriemen zum Einschnallen des Gebisses und der Kehlriemen meist einem einzigen breiten Genickstück. Bei Westernzäumen existiert ein separater Kehlriemen.

    Eine Besonderheit stellen isländische und australische Zäume dar. In Island bildet ein durchlaufender, durch eine Schlaufe am Genickriemen fixierter Lederriemen das Stirn- und Kehlstück. Australische Barcoo-Bridles besitzen einen vollständig separaten Kehlriemen, der nur durch zwei Extrariemen mit dem Genickriemen verbunden ist und so das Zaumzeug noch effektiver gegen ein Abstreifen im Gebüsch schützt.

    Existiert ein Nasenriemen, so wird er nahe dem Gebiss - meist bei der Schnalle - durch die Backenstücke geschlauft.

    Reithalfter

    Reithalfter besitzen einen eigenen Genickriemen, sodass sie individuell angepasst werden können.

    • Das englische Reithalfter besteht nur aus diesem Genick- und einem unterlegten Nasenriemen; es wird ungefähr vier Finger breit unter dem Jochbein sowie unter den Backenstücken verschnallt.
    • Das kombinierte Reithalfter besitzt mittig auf der Nase einen Durchlass für den Pullerriemen, der vor dem Gebiss geschlossen wird.
    • Das hannoveranische Reithalfter liegt deutlich tiefer - aber auf jeden Fall noch auf dem festen Teil des Nasenbeins - und wird ebenfalls vor dem Gebiss zugeschnallt.

    Alle Reithalfter sollten so geschlossen werden, dass der Reiter leicht zwei Finger zwischen Pferdenase und Nasenriemen schieben kann. Engeres Verschnallen - obwohl es bei heftigen Pferden oft angeraten wird - ist keinesfalls zu empfehlen. Der Sinn des Reithalfters liegt darin, ein Aufsperren des Pferdemauls zu verhindern und damit auszuschließen, dass sich das Pferd den Reiterhilfen entziehen kann. Bei einem zu engen Verschnallen können Probleme bei der Atmung entstehen, was zu Widersetzlichkeiten und sogar Panik führt. Außerdem wird das Kauen unterbunden, das die Ohrspeicheldrüse aktiviert und damit direkt zur Lockerung von Genick, Hals- und Rückenmuskeln führt. Nicht zuletzt wird auch das Schlucken durch ein zu enges Reithalfter verhindert, was wiederum zu Verspannungen führt.

    Westernreiter schnallen häufig einen Distanzriemen in das Snafflebit ein. Dieser kurze Riemen verläuft unter dem Kinn des Pferds von Gebissring zu Gebissring und verhindert, dass das Gebiss bei einseitigen Hilfen durch das Maul gezogen wird.

    Die Zügel

    Die Zügel sind meist geschlossen durchlaufend, lediglich im Westernreiten sind geteilte, offene Zügel üblich. Da sie unter großen Belastungen stehen, sollte beim Zügelkauf unbedingt auf die Qualität des Leders, der Schnallen und Nähte geachtet werden - ein gerissener Zügel stellt ein enormes Sicherheitsrisiko dar.

    Englische Zügel bestehen meist aus Gurtband, auf das Lederstege aufgenäht sind. Billige Zügel können nicht nur reißen; oft führt das harte Gurtmaterial zu Blasen an den Reiterhänden. Immer beliebter werden Zügel, auf die ein genoppter Gummiüberzug aufgebracht ist; diese Zügel sind - vor allem während eines schnellen Geländeritts oder im Springparcours - sehr griffig, aber auch ein wenig steif. Reine Lederzügel oder Lederzügel mit einer Gummiseite werden meist nur in Verbindung mit einer Kandare verwendet, wobei der zum Trensengebiss führende Zügel üblicherweise zwei Millimeter breiter ist als der Kandarenzügel, um sie unterscheidbar zu machen.

    Die meisten anderen Zügelvarianten - Western, iberisch, französisch, australisch - bestehen aus glattem Leder. Dies hat den Vorteil, dass die Qualität vor dem Kauf besser beurteilt und schadhafte Stellen sofort gesehen werden. Allerdings müssen Lederzügel regelmäßig mit Lederseife und -fett (nie Öl) gepflegt werden, und sie werden bei Regen leicht rutschig. Reitet man viel aus und der Zügel ist Regen und Schmutz ausgesetzt, empfiehlt sich daher u.U. ein Modell aus synthetischen Materialen (Nylon, Biothane, Polypropylen) oder aus (z.T. gewachster) Baumwolle.




    Artikel teilen