Criollo

    Aus Pferde-Lexikon

    Steckbrief
    Herkunft: Argentinien
    Stockmaß: 143-154 cm
    Farben: alle, auch Schecken und Stichelhaare
    Eignung: Freizeit, Westernpferd

    Exterieur

    Criollos sind normalerweise kompakte, kräftige Pferde von mittlerer Größe; da eine systematische Zucht jedoch weitgehend fehlt, können sich einzelne Tiere im Gebäude stark voneinander unterscheiden. Der Kopf ist von mittlerer Größe, mit sehr breiter Stirn, ausgeprägten Ganaschen, wachen Augen und kleinen, beweglichen Ohren. Das Profil ist gerade oder leicht konvex. Der eher kurze, wenig gewölbte Hals setzt niedrig an der steilen Schulter an. Der Widerrist ist ausgeprägt. Der lange Rücken geht in eine runde, schräg abfallende Kruppe mit tief angesetztem Schweif über (Langrechteckpferd). Oft wirkt die Oberlinie eher knochig. Die Beine sind von mittlerer Länge und ausgesprochen stabil; Criollos sind meist kurz und eher steil gefesselt. Die Rasse besitzt große, runde Hufe von außergewöhnlicher Härte.

    Criollos messen meist um 150 Zentimeter; es gibt aber auch deutlich kleinere Pferde.

    Die Farben sind äußerst vielfältig, wobei in Südamerika vor allem Falben oder Mausfalben zu finden sind. Die bei den nach Deutschland importierten Pferden häufig zu sehende Falb-, Fuchs- oder Rappscheckung wird in Argentinien nicht anerkannt und weist auf eine nicht rassereine Abstammung hin (so genannte Mestizos). Das Langhaar des Criollos ist meist dicht und von rauer, teilweise gewellter Struktur. Die Pferde kommen dank ihres feinen, aber dichten Fells auch mit plötzlichen Wetterumschwüngen und Hitze wie Kälte hervorragend zurecht.

    Herkunft und Haltung

    Criollos lebten in Südamerika über längere Zeit weitgehend ohne Kontakt zu den Menschen. Sie stammen von den spanischen Pferden ab, die zuerst von Christoph Columbus auf den Kontinent gebracht wurden und die dort verwilderten. Durch natürliche Selektion, karges Futter und unbekannte Futterpflanzen verlor die Rasse mit der Zeit an Größe und Eleganz, entwickelte aber stattdessen eine überragende Robustheit und Anpassungsfähigkeit. Seit mehreren Jahrhunderten werden die kleinen Pferde von den südamerikanischen Gauchos als Arbeitspferde verwendet. Auch die weitere Besiedlung Südamerikas wäre ohne die anspruchslose, leistungsfähige Rasse praktisch unmöglich gewesen. Durch die Einkreuzung von Englischen Vollblütern und anderen europäischen Rassen verlor die Rasse viel von ihrer Widerstandskraft; seit 1918 wird daher in Argentinien erneut eine Reinzucht bei härtester Leistungsselektion betrieben. In den anderen südamerikanischen Staaten werden ebenfalls Criollos (in Chile unter dem Namen Chileno; in Venezuela als Llanero; in Kolumbien als Guajira usw.) gezüchtet, jedoch variieren die Zuchtziele geringfügig. Der brasilianische Criollo beispielsweise erinnert im Erscheinungsbild deutlich stärker an die iberischen Vorfahren der Rasse. Criollos werden heute in ganz Südamerika als Arbeitspferde eingesetzt, wobei sie vor allem bei der Arbeit mit den riesigen Rinderherden, aber auch als Packtiere und billiges Transportmittel Verwendung finden. Aus der Kreuzung mit Englischen Vollblütern entstehen schnelle, wendige und ungeheuer leistungsbereite Polopferde. Die nach Deutschland eingeführten Pferde sind häufig von geringer Qualität, da die besseren Pferde auf den Estancias behalten werden; dennoch zeigen deutsche Criollos oft gute Leistungen als Western- und Distanz-, vor allem aber als Freizeitpferde. Einige Criollos besitzen Töltveranlagung.

    Art und Wesen

    Criollos sind ausgesprochen nervenstarke Pferde, die rasch lernen. Im Umgang ruhig und freundlich, können sie bei entsprechender Anforderung große Kraft und einmalige Ausdauer zeigen. Bei der Rinderarbeit beweisen sie Zuverlässigkeit und Mut. Nach Deutschland importierte Pferde zeigen sich aufgrund des wochenlangen Schifftransports zunächst oft dem Menschen gegenüber ängstlich.


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