Dülmener Wildpferd

    Aus Pferde-Lexikon

    Steckbrief
    Herkunft: Deutschland
    Stockmaß: 125-35 cm
    Farben: Falbe
    Eignung: Freizeit, Kutschpferd

    Exterieur

    Trotz der häufig verwendeten Bezeichnung "Wildpferd" besitzen Dülmener eindeutig das Gebäude des domestizierten Pferds; es haben sich jedoch auch einige Merkmale des Urpferds erhalten. Der Kopf ist von mittlerer Größe, mit kleinen, beweglichen Ohren, einer breiten Stirn und einem geraden oder leicht konkaven Profil. Der Hals ist von ausreichender Länge, teilweise mit leichtem Unterhals, und setzt mäßig hoch an den eher steilen Schultern an. Der wenig ausgebildete Widerrist geht in einen mittellangen, kräftigen Rücken (Langrechteckpferd) und eine schräg abfallende Kruppe mit tief ansetzendem Schweif über. Rücken und Kruppe wirken manchmal knochig. Die Beine sind trocken und korrekt; Dülmener besitzen stabile Röhrbeine, eine kurze, eher steile Fesselung und kleine, ausgesprochen harte Hufe.

    Die Pferde erreichen ein Stockmaß von125 bis 135 Zentimetern.

    Wie bei allen Pferderassen, die eine enge Verwandtschaft mit den Urpferden besitzen, gibt es auch bei den Dülmenern ausschließlich die Falbfarbe (Gelb-, häufiger Mausfalben) mit Aalstrich, angedeutetem Schulterkreuz und zuweilen Zebrastreifen an den Beinen. Weiße Abzeichen zeigen die Einkreuzung fremder Rassen an und sind daher unerwünscht.

    Herkunft und Haltung

    Bis Anfang des 19. Jahrhunderts gab es in Deutschland spezielle Gestüte, so genannte Wildbahnen, die auf die unberührte Aufzucht von "Wild-"pferden ausgerichtet waren. Mit der Markenteilung Mitte des 19. Jahrhunderts wurden diese Wildgestüte jedoch aufgelöst; einzig der Merfelder Bruch (Westfalen) bestand ungeteilt fort. Die hier lebenden Ponys stellen die älteste deutsche Pferderasse dar. Erstmals 1316 urkundlich erwähnt, existierte die Rasse vermutlich schon seit der Zeit Cäsars, der kleine, zottige Pferde in dieser Region beschrieb. 1832 ließ der Herzog von Croy die verbliebenen rund 20 Tiere in ein anderes Gehege umsiedeln, wo sie sich ohne Beeinflussung vermehren durften. Zeitweilig wurden Hengste anderer ursprünglicher Rassen (Exmoor, Huzule u.Ä.) zur Herde gelassen. So entstand der heutige Typ des Dülmener, der deutliche Reitpferdepoints besitzt. Heute existieren rund 300 Pferde im Merfelder Bruch. Die Ponys leben jedoch nicht mehr vollkommen wild. Sie werden einmal im Jahr zusammengetrieben, um sie zu impfen, zu brennen und zur Erhaltung der bestehenden Zahl die Junghengste auszusortieren. Diese werden an Interessenten weiterverkauft, wo sie sich meist als sehr vielseitige Freizeitpferde erweisen.

    Art und Wesen

    Dülmener sind ausgesprochen intelligente und wachsame Ponys, die bei guter Ausbildung schnell lernen und willig mitarbeiten. Die Ponys gelten als sehr trittsicher und nervenstark. Ihre Zuverlässigkeit macht sie zu guten Jugendponys; aufgrund ihrer Kraft und Härte können die größeren Dülmener jedoch auch von leichten Erwachsenen geritten werden.


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