Der Koppelzaun

    Aus Pferde-Lexikon

    Ein guter Koppelzaun schützt nicht nur die Umwelt vor ausbrechenden Pferden, sondern auch die Tiere davor, an giftige Pflanzen zu gelangen oder sich beim Scheuern an ihm zu verletzen. Darüber hinaus garantiert nur ein sorgfältig gebauter und gewarteter Zaun die Haftung der Haftpflichtversicherung im Schadensfall.

    Holzzäune

    Traditionell werden Koppelzäune aus Holz gebaut. An massive Pfosten werden zwei oder drei Reihen aus Holzstangen oder -brettern angenagelt. Bekannt sind vor allem die großen Gestüte in den Südstaaten der USA für ihre kilometerlangen, weißen Holzzäune um gepflegte Pferdeweiden. In der Praxis bedeuten diese Zäune zwar eine für Pferde leicht zu sehende, oft aber auch leicht zu durchbrechende Begrenzung und einen sehr hohen Arbeitsaufwand. Neben feuchter Witterung, die das Holz faulen lässt, schadet vor allem das bei Pferden beliebte Holzknabbern dazu, dass die Balken unter dem Gewicht eines dagegendrückenden Pferds brechen. In diesem Fall stellen sie zudem ein hohes Sicherheitsrisiko dar, da die gesplitterten Holzteile schwere Riss- und Stichwunden hervorrufen können.

    Neben einer am besten täglichen Kontrolle der gesamten Zaunlänge und sofortiger Reparatur potenzieller Schwachstellen muss mindestens jährlich eine Behandlung des Holzes mit einem Witterungsschutz erfolgen. Aus diesem Grund erweist sich bei großen Weiden ein Holzzaun als kaum sinnvoll. Vorteile besitzt er jedoch bei engen Ausläufen, da er leicht zu sehen ist, aufgrund der massiven Bauweise Respekt einflößt und, wenn er stabil ist, Berührungen gut aushält.

    Stromzäune

    Für eine Eingrenzung enger Ausläufe ist Holz Stromlitzen unbedingt vorzuziehen. Berührt ein Pferd aufgrund der Enge den Zaun und erhält einen Stromschlag, wird es erschreckt vom Zaun wegspringen - u.U. direkt in den nächsten Zaun hinein.

    Auf großen Weiden stellen Stromzäune jedoch oft die einzig praktikable Lösung dar. Allerdings erweist es sich als sinnvoll, den Zaun trotz der Mehrkosten durch einen erfahrenen Zaunbauer planen und installieren zu lassen. Instabile Pfosten, zu schwache Eckverbindungen und hoher Stromverlust aufgrund geknoteter oder verdrehter Litzen senken die Sicherheit massiv. Nur eine hervorragende Isolation und Erdung sowie das regelmäßige Freischneiden des Zauns von berührenden Gräsern oder Ästen gewährleisten einen zufriedenstellenden Stromfluss. Moderne Stromgeräte zeigen meist an, ob im Stromkreislauf eine Schwachstelle vorhanden ist. Die niedrige Grundspannung von 9-12 (mobile Geräte, Batterien) bzw. 220 V einer Hausleitung wird transformiert auf sehr hohe Voltzahlen (ca. 8 000-12 000 Volt) bei gleichzeitig geringer Stromstärke im Milliamperebereich. Mobile Zaunbatterien haben nur eine geringe Leistungsstärke und reichen für "dickfellige" Pferde oft nicht aus.

    Der Strom wird durch Kunststofflitzen oder -bänder geschickt, in die (verzinnte) Kupfer- oder (weniger hochwertige) Eisenleiter eingeflochten sind. Je höher deren Anzahl, desto besser ist die Leitungsfähigkeit des Zauns. Empfehlenswert sind wegen der besseren Sichtbarkeit weiße Materialien und eine Mindeststärke von 5-6 mm für Seile und 20 oder mehr mm für Bänder. Zudem sollte auf UV-Beständigkeit des Materials geachtet werden. Auch Moosbildung schmälert die Leitfähigkeit. Bei breiten Litzen muss darüber hinaus auf eine mindestens einmalige Drehung des Bands zwischen zwei Pfosten geachtet werden, um den Wind- und Schneewiderstand zu verringern. An den Pfosten werden die Litzen mithilfe von Plastik- bzw. Plastik-Metall-Isolatoren befestigt; spezielle Breitbandisolatoren verhindern einen Stromverlust durch "Zusammenknüllen" des Bands.

    Die Tore dieser Koppeln bestehen meist ebenfalls aus Litze, an der ein spezieller Torgriff befestigt wurde, der isoliert und in dessen Inneren eine Feder für die straffe Spannung der Litze sorgt. Aufgrund der hohen Verletzungsgefahr und wegen ihrer geringen Sichtbarkeit ist von so genannten Torfedern, also Federn, die sich auf die gesamte Länge des Torbereichs ausziehen lassen, abzuraten.

    Drahtzäune

    Draht ist grundsätzlich kein geeignetes Zaunmaterial. Aus Kostengründen ist eine Reihe Glattdraht zu tolerieren, wenn mindestens eine weitere Reihe mit einer gut sichtbaren Stromlitze oder Holzstangen gespannt wird. Glattdraht ist als alleiniges Zaunmaterial gefährlich, da er nur schlecht gesehen wird. Gerät ein Pferd mit dem Fuß in den Draht, schneidet dieser selbst ohne große Kraftaufwendung leicht durch Haut und Sehnen.

    Der Einsatz von Stacheldraht in der Pferdehaltung ist inzwischen verboten worden. Der Draht wird ebenfalls kaum gesehen und reißt tiefe, aufgrund des zerfetzten Gewebes kaum heilende Wunden. Während Kühe meist entsprechenden Abstand vom Zaun wahren, kann es bei Pferden leicht passieren, dass sie mit einem Vorderfuß in den Zaun geraten oder den Kopf hindurchstrecken und sich beim Zurückziehen sogar tödlich verletzten. Bei einer Nachbeweidung von Rinderweiden sollte daher ein zusätzlicher mobiler, gut sichtbarer Zaun in einigem Abstand vom Stacheldraht aufgestellt werden.

    Andere Zäune

    Vor einigen Jahren stellten "Gummizäune" eine große Neuheit dar. Aus alten Förderbändern wurden breite Streifen geschnitten, die straff auf die Pfosten aufgenagelt werden. Der Vorteil ist neben der guten Sichtbarkeit das geringe Verletzungsrisiko vor allem für Fohlen. Die Nachteile liegen in der schwierigen Entsorgung des Materials und den unbekannten Inhaltsstoffen, die bei einem Beknabbern durch die Pferde aufgenommen werden können. Teilweise können Pferde auch einzelne Längsfasern aus dem Zaun herausziehen und abschlucken, was zu oft tödlich endenden Koliken führt. Auch der Zaunbau ist extrem schwierig: Aufgrund der notwendigen straffen Befestigung wirken - v.a. in den Ecken - hohe Zugkräfte auf die Pfosten, sodass diese rasch "wandern" und schief stehen.

    Vereinzelt sind Zäune aus alten Autobahnleitplanken zu finden. Diese sind als alleinige Umzäunung jedoch nicht zu empfehlen, da sie häufig scharfe Ränder aufweisen.

    Hecken und Büsche reichen in den wenigsten Fällen als sichere Weidebegrenzung aus, da die Pferde sie leicht durchbrechen können. Zudem leiden sie sehr unter dem Pferdeverbiss; die meisten Hecken in Deutschland sind darüber hinaus nicht natürlich gewachsen und enthalten daher Giftpflanzen wie Eibe, Thuja oder Buchsbaum. Doch auch bei natürlichen Hecken sollte im Interesse des Naturschutzes und der in diesem Lebensraum lebenden Kleintiere und nistenden Vögel ein zusätzlicher Zaun in einigem Abstand gezogen werden.


    Artikel teilen