Durchfall (Diarrhöe)

    Aus Pferde-Lexikon

    Symptome

    Leichter Durchfall wird nur festgestellt, wenn man das Pferd äpfeln sieht oder die Pferdeäpfel eindeutig einem Pferd zuordnen kann (bei Herdenhaltung u.U. schwierig). Bei Fohlen, aber auch bei erwachsenen Pferden mit starkem Durchfall sind die Afterregion und teilweise der Schweif kotverklebt. Der Kot riecht faulig. Legt sich der Durchfall nicht nach wenigen Tagen, verliert das Pferd lebenswichtige Mineralstoffe und Elektrolyte sowie viel Flüssigkeit; apathisches Verhalten, stumpfes Fell und Dehydration sind die Folge. Erkrankte Pferde trinken ungewöhnlich viel und magern ab.

    Unter bestimmten Umständen kommt es auch zum Absetzen von Kotwasser, d.h. nach den normal geformten Äpfeln wird Flüssigkeit nachgeschoben.

    Ursachen

    Die möglichen Ursachen für Durchfall sind zahlreich. Leichterer Durchfall, der sich meist nach einigen Tagen legt, entsteht durch falsche Fütterung oder Stress. Besonders zu Beginn der Weidesaison im Frühjahr reagieren viele Pferde auf das junge, stickstoff- und eiweißreiche Gras mit Verdauungsstörungen. Die Aufnahme nassen Grases während anhaltenden Regenwetters sowie gefrorenen bzw. wieder aufgetauten Grases können ebenfalls zu Durchfall führen. Grundsätzlich tendieren Pferde bei Fütterungsfehlern jeder Art (Überfütterung, zu geringe Mengen, unregelmäßige Fütterung, ungeeignetes Futter, schlechte Futterqualität etc.) mit Verdauungsproblemen, die auch zu einer Kolik führen können.

    Bei Fohlen tritt typischerweise um den zehnten Tag herum ein stärkerer Durchfall zeitgleich mit der ersten Rosse der Mutterstute auf. Dieser ist nur gefährlich, wenn er mit Fieber, Apathie und Appetitlosigkeit einhergeht. Außerhalb der Fohlenrosse sollte bei Fohlen jedoch sofort der Tierarzt hinzugezogen werden, wenn sich Verdauungsprobleme einstellen. Die Unterversorgung mit Flüssigkeit und Nährstoffen kann sonst rasch zu Entwicklungsstörungen führen.

    Bei erwachsenen Pferden ist Durchfall gefährlich, wenn der Kot länger als ein bis zwei Tage stark verflüssigt oder die Ursache unklar ist; in diesem Fall muss auch eine Vergiftung in Erwägung gezogen werden. Als Giftstoffe kommen die verbreiteten Giftpflanzen in Frage sowie Pestizide (über Stroh, Heu, z.T. Karotten) und Holzschutz-Chemikalien. Weitere mögliche Ursachen sind Parasiten des Magen-Darm-Trakts wie bspw. eine starke Verwurmung und in seltenen Fällen auch Bakterien- und Viruserkrankungen. Störungen der Verdauung treten außerdem bei Magen- und Dünndarmgeschwüren und Leberschäden auf.

    Behandlung

    Ist der Durchfall futterbedingt, lässt er sich meist durch eine Futterumstellung beheben. Weidepferde, die auf frisches Gras reagieren, sollten stets qualitativ hochwertiges Heu oder Futterstroh zur Verfügung haben, das die Darmflora auf natürliche Weise regeneriert. Unter Umständen empfiehlt es sich, die betroffenen Pferde bis zur Normalisierung von der Weide zu nehmen und danach langsam wieder anzuweiden. Auch die übrigen Saftfutter, Äpfel, Karotten und v.a. Silage sind in dieser Zeit tabu. Einige Pferde reagieren auf Silagefütterung grundsätzlich mit Verdauungsstörungen. Unterstützend kann dem Pferd etwas Joghurt oder Buttermilch gefüttert und Schwarztee eingeflößt werden.

    Bei nicht fütterungsbedingtem Durchfall sollte in jedem Fall der Tierarzt die Ursache feststellen (Kottest) und die entsprechende Behandlung - von der Wurmkur bis zum Antibiotikum - empfehlen.


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