Galopprennen

    Aus Pferde-Lexikon

    Hindernis- und Flachrennen

    Bei den gerittenen Rennen wird zwischen Flach- und Hindernisrennen unterschieden. Hindernisrennen sind seit längerem v.a. unter Tierschützern umstritten, im Mutterland des Rennsports, England, jedoch noch immer beliebter als die verletzungsärmeren Flachrennen.

    Die an Hindernisrennen (Steeplechases) teilnehmenden Pferde müssen mehr Fundament besitzen als reine Sprinter, um die Landungen abzufangen. Die Hindernisse sind üblicherweise nicht hoch - üblich sind Reisighecken und Wassergräben. Da die Pferde jedoch nicht wie im Springparcours vor dem Hindernis versammelnd zurückgenommen werden, ist die Taxierung des Hindernisses ausgesprochen schwierig. Passt die Distanz nicht, muss das Pferd dennoch abspringen, da für eine Verweigerung das Tempo zu hoch wäre - und riskiert damit ein Hängenbleiben am Sprung oder ein Stolpern bei der Landung. Letztere Fälle führten schon mehrmals zu Überlastungsbrüchen in den vorderen Röhren.

    Grand National Steeplechase - Glanz und Risiko

    Das vermutlich glanzvollste, mit am meisten Spannung verfolgte und stets von Geburts- und Geldadel mit Begeisterung besuchte Hindernisrennen findet - natürlich - in England statt: das Grand National Steeplechase in Aintree bei Liverpool. An den schwersten Hindernissen drängen sich die Zuschauer, um jeden Sturz aus nächster Nähe beobachten zu können. Die Zahl der tödlich verunglückten Pferde seit der ersten Austragung des Rennens im Jahr 1839 beläuft sich auf etwa 80; zahlreiche Jockeys verließen die Bahn schwer verletzt. Zum Verhängnis werden den Rennpferden dabei vor allem jene Hindernisse, bei denen die Landestelle tiefer liegt als der Absprung oder ein Graben hinter einer Hecke das Hindernis zusätzlich verbreitert.

    Pardubice - das schwerste Rennen

    Kann das Grand National als umstritten gelten, so ist ein anderes Rennen in den Augen aller Tierschützer schlicht indiskutabel, nämlich das Steeplechase von Pardubice (Pardubitz) in der Tschechischen Republik. Nicht selten musste der Start des Rennens aufgrund von Protestveranstaltungen um Stunden verschoben werden, was das Risiko für die auf die Minute vorbereiteten Pferde weiter erhöht. Abgesagt wurde das Rennen aufgrund der Proteste noch nie.

    Flachrennen

    Der Inbegriff des Galopprennsports aber sind Flachrennen, die auf purer Geschwindigkeit basieren. Abgesehen von einigen Rennen für Araber und noch seltener für Quarter Horses werden bis heute die wichtigen Rennen mit Englischen Vollblütern ausgetragen.

    Durch konsequente Selektion auf Schnelligkeit können diese inzwischen ein enormes Tempo galoppieren: rund 54 Sekunden auf 1000 m - über 60 km/h. Diese Extremleistungen lassen sich nur mit "Sprintern" über kurze Strecken erzielen; "Steher" galoppieren langsamer, aber extrem ausdauernd. Entscheidend ist auch das Gewicht, das die Pferde tragen müssen. Vor dem Rennen werden Jockey und Sattel gewogen; wird ein Mindestgewicht unterschritten, muss durch Bleiplatten in der Satteldecke "aufgefüllt" werden. Auf dieselbe Art wird das "Handicap" eines erfolgreichen Pferds erhöht.

    Training der Vollblüter

    Die für Galopprennen verwendeten Englischen Vollblüter werden bereits mit rund 18 Monaten an den Trainingsstall übergeben und angeritten. Die Rennen unterscheiden zwischen Zweijährigen, Dreijährigen und älteren Pferden sowie zwischen Stuten und Wallachen bzw. Hengsten. Die Praxis des frühen Einsatzes im Leistungssport ist umstritten. Rennliebhaber verweisen auf die "Frühreife" der Vollblüter; Tierschützer argumentieren mit der noch fohlenhaften Psyche der Tiere, noch nicht geschlossenen Knochenspalten (Epiphysen) und dem frühen Verschleiß der Tiere. Viele Galopper, die auf der Rennbahn zu langsam waren und daher relativ früh aus dem Sport genommen wurden, stellen nach dem Verkauf und einer geduldigen, kompetenten Umerziehung sensible, belastbare Freizeitpferde dar.

    Ausrüstung der Rennpferde

    Galopper werden mit einem extrem kleinen und leichten Sattel geritten sowie üblicherweise mit Wassertrense. Reithalfter kommen praktisch nie zum Einsatz, um die Atmung keinesfalls zu behindern. Einige sensible Tiere tragen dick umpolsterte Nasenriemen, die einzig dazu dienen, ihnen den Blick auf den Boden und die wirbelnden Hufe der anderen Pferde zu verwehren. Halbe Blendklappen werden verwendet, um den Blick nach hinten, auf folgende Pferde, aber auch auf die Peitschen des eigenen und anderer Reiter zu verhindern. Die kurzen Peitschen werden im Finish zum wirklichen Vortreiben durch Berührung eingesetzt. Während der übrigen Phasen des Rennens werden sie oft nur demonstrativ am Auge des Pferds vorbeigeführt, um dieses durch den optischen Reiz schneller zu machen.

    Die Rennbahnen

    Galopprennen werden auf speziellen Grasbahnen, nur noch sehr selten auf Sand durchgeführt. In den USA finden außerdem "dirt track races" auf einem sandigen Naturboden statt. Bekannt und beliebt sind die als gesellschaftliche Ereignisse zelebrierten "Sonderrennen" auf dem schneebedeckten, gefrorenen See bei St. Moritz oder auf den Wattstränden der Nordsee. Die üblichen Distanzen in den Ovalbahnen betragen zwischen 1,8 und 2,3 km, wobei Hindernisrennen teilweise deutlich länger sind (bis über 6 500 m).

    Während der Galopprennsport über die Jahrhunderte stets Scharen von Wettern und Pferdeliebhabern auf die deutschen Rennbahnen locken konnte, scheint er in letzter Zeit seinen Glanz verloren zu haben. Die Wettsummen sinken zusehends und auch die Besucherzahlen sind stark rückläufig. Große deutsche Rennbahnen stehen häufig kurz vor der Insolvenz oder wurden bereits geschlossen. Und auch in den bekanntesten unter ihnen - Hoppegarten in Berlin, Baden-Baden oder Gelsenkirchen - beobachten immer weniger Wetter den Aufgalopp vor einem der rasanten Rennen.



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