Holsteiner

    Aus Pferde-Lexikon

    Steckbrief
    Herkunft: Deutschland
    Stockmaß: 162-172 cm
    Farben: vorwiegend Braune und Dunkelbraune, auch Schimmel, Füchse, Rappen
    Eignung: Freizeit, Sport- und Kutschpferd

    Exterieur

    Der Holsteiner steht deutlich im Typ des vielseitig einsetzbaren Sportpferds und vereinigt zahlreiche Reitpferdepoints in sich. Der Kopf ist mäßig trocken, von mittlerer Größe und mit geradem Profil oder leichter Ramsnase. Ohren und Augen sind groß und vermitteln einen wachen, aufmerksamen Eindruck. Der Hals ist lang und muskulös, aber nicht zu schwer, mit kräftigem Genick und guter Ganaschenfreiheit. Er besitzt eine gut gewölbte Oberlinie und setzt hoch an den Schultern an, die eine gute Schräge aufweisen. Die Brust ist breit und tief, der Oberarm stark bemuskelt. Der deutlich ausgeprägte Widerrist geht in einen langen Rücken über. Der Schweif setzt hoch an der schräg abfallenden Kruppe an. Die Hinterhand ist kräftig; die Beine besitzen große, aber trockene Gelenke und stabile Röhren. Die Fesselung ist von guter Länge und Schräge, die Hufe sind oft nicht sehr hart.

    Holsteiner zählen mit einem Stockmaß von 162 bis 172 Zentimetern zu den großen Warmblutrassen.

    Das feine Fell ist meist braun oder dunkelbraun, häufig mit Äpfelung; Schimmel sind ebenfalls oft zu finden. Füchse und Rappen treten eher selten auf. Weiße Abzeichen an Kopf und Extremitäten sind üblich, sollten jedoch nicht zu großflächig sein. Das Langhaar ist nur mäßig dicht.

    Herkunft und Haltung

    Die Zucht des Holsteiners lässt sich bis in das 14. Jahrhundert zurückverfolgen, als in den Marschgebieten der Elbe Arbeitspferde gezüchtet wurden. An der Entstehung dieses Pferdetyps waren italienische Pferde (Neapolitaner, ähnlich dem heutigen Marammano), Berber und Araber sowie Andalusier beteiligt. Wie bei den meisten deutschen Warmblutrassen war der ursprüngliche Schlag deutlich schwerer als das moderne Sportpferd und konnte auch für leichtere landwirtschaftliche Arbeiten eingesetzt werden. Da der Holsteiner vermutlich die älteste deutsche Rasse ist, prägte er die anderen Landeszuchten sowie die Zuchten im benachbarten europäischen Ausland erheblich. Die systematische Zucht des Holsteiners begann 1867 mit der Gründung des preußischen Gestüts Traventhall, das im letzten Jahrhundert aufgelöst wurde. Heute ist die Zucht im holsteinischen Elmshorn beheimatet. Nach 1945 wurden vermehrt Englische Vollblüter (sowie Cleveland Bays und Trakehner) eingekreuzt, um den gewandelten Ansprüchen und dem Wunsch nach einem leichten, eleganten Sportpferd gerecht zu werden. Um die Vielseitigkeit sowie den umgänglichen Charakter des Holsteiners zu wahren, findet die Zucht mit Voll- und Halbblütern heute jedoch nur noch begrenzt statt. Holsteiner eignen sich für alle Sparten des Reitsports. Aufgrund ihrer Begabung für ausdrucksvolle Verstärkungen bei guter Versammlungsfähigkeit erzielen holsteinische Warmblüter auf Dressurturnieren bis in die höchsten Klassen gute Erfolge. Die Pferde finden auch im Fahrsport Verwendung. Die Springbegabung des holsteinischen Pferds verdeutlichte in den 1950er und 1960er Jahren der berühmte Wallach Meteor des Springreiters Fritz Thiedemann, der bei drei Olympischen Spielen Medaillen gewann, zuletzt im Alter von 17 Jahren in Rom.

    Art und Wesen

    Der Holsteiner ist gehorsames, lernwilliges Pferd, das üblicherweise über einen umgänglichen Charakter und starke Nerven verfügt. Durch die starke Vollbluteinzucht entstanden jedoch auch sehr temperamentvolle, schwierig zu handhabende Linien. Im Allgemeinen sind Holsteiner jedoch zuverlässig und anpassungsfähig, da die relativ kleine Zucht die Selektion auch auf der Basis von Leistung und Wesen betreibt.


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