Kauf des Pferds

    Aus Pferde-Lexikon

    Hat der hoffnungsvolle Pferdekäufer sich für ein Pferd entschieden, dieses soweit möglich auch bereits Probe geritten und sich so von seiner charakterlichen Eignung überzeugt, dann - sollte er wieder nach Hause fahren und bei einem weiteren Besichtigungstermin einen befreundeten Pferdefachmann mitnehmen. Selbst erfahrene Reiter erliegen zuweilen der Versuchung, ein Pferd "mit den Augen der Liebe" zu betrachten, sobald sein Kauf in greifbare Nähe rückt, und übersehen dabei die Mängel des Tiers. Eine zweite, neutrale Person kann auf (versteckte) Fehler hinweisen und dem Käufer so u.U. eine Basis für Preisverhandlungen liefern.

    Unabdingbar im Pferdekauf ist auch die Anfertigung eines tierärztlichen Attests. Dabei sollte man auf das Angebot des Pferdebesitzers, dieses durch seinen Tierarzt anfertigen zu lassen, nicht eingehen. Zwar kennt der vielleicht seit Jahren behandelnde Arzt das Tier sehr gut; u.U. verhelfen freundschaftliche Beziehungen dem Tierhalter aber auch zu einem ungerechtfertigt positiven Attest. Einige Pferdehändler haben in ihrem Schreibtisch auch eine Schublade offiziell aussehender Blankoatteste ...

    Am besten erkundigt man sich, welcher Tierarzt in dem Stall, in dem das Pferd später untergestellt werden soll, behandelt, und bittet diesen um eine umfassende Ankaufsuntersuchung des Tiers. Dabei empfiehlt es sich, bereits im Vorfeld Kontakt zu dem Veterinärmediziner aufzunehmen. Hat man ein Pferd ausgewählt, müssen die Ankaufsformalitäten teilweise rasch erledigt werden; der Tierarzt wird aber ohne Vorbereitung nicht in der Lage sein, mehrere Stunden für die Untersuchung aufzuwenden.

    Eine Ankaufsuntersuchung beinhaltet die Kontrolle von Augen, Zähnen, PAT-Werten und Gliedmaßen. Die Lahmfreiheit der Gangarten wird kontrolliert sowie die Gelenke durch Beugeprobe auf eventuell später ausbrechende Gelenkserkrankungen untersucht. Bei wertvollen Zucht- oder Sportpferden kann zudem ein teurer "Röntgen-TÜV" durchgeführt werden, bei dem alle Gelenke röntgenologisch auf Knochenschäden, -wucherungen und -deformationen hin kontrolliert werden.

    Die Unterzeichnung des Kaufvertrags besiegelt den Kauf. Sie ist jedoch nicht die einzige Möglichkeit: Der altmodisch wirkende, aber immer noch zu findende Handschlag hat dieselbe rechtliche Wirkung wie eine formale Urkunde. Im Kaufvertrag zugesicherte Eigenschaften des Tiers müssen der Wahrheit entsprechen; ansonsten ist ein Klage auf Wandlung möglich. Ausnahmen stellen allgemeine Formulierungen dar wie "das Pferd ist gesund". Diese werden nur rechtskräftig, wenn der Käufer nachweisen kann, dass eine Erkrankung bereits zum Zeitpunkt des Kaufs bestanden hat. Erkrankt das Tier kurz nach dem Kauf an einer Kolik, Virusinfektion oder Ähnlichem, kann nicht auf Einhaltung des entsprechenden Paragraphen geklagt werden.

    Zudem sollte sich der Pferdeliebhaber nicht auf Formulierungen aus dem Kaufvertrag verlassen und zugunsten dieser eine gründliche Ankaufsuntersuchung ausfallen lassen. Selbst wenn sich das Tier nach einigen Monaten als chronisch krank erweist - welcher Tierfreund könnte es schon guten Gewissens einfach umtauschen?



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