Knochenbrüche

    Aus Pferde-Lexikon

    Symptome

    Knochenbrüche treten bei Pferden nach Stoßeinwirkungen wie Schlägen im Bereich der Röhrbeine, Unter- und Oberarme und -schenkel auf; Stürze, schiefes Auffußen nach einem Sprung, ungebremstes Fallenlassen der Hufspitze auf den Boden nach dem Hufauskratzen können auch zu Brüchen der Fessel- und Hufknochen führen. Stürze auf harten Boden haben häufig Beckenbrüche zur Folge.

    Offene Brüche sind auch vom Laien sofort erkennbar, da die Bruchstelle das darüber liegende Fleisch durchdringt; die Wunde blutet zudem. Geschlossene Brüche zeigen sich teilweise in einer deutlich abnormen Winkelung eines Knochens oder Gelenks, teilweise aber auch lediglich durch eine Auswölbung unter dem Fell. Brüche der Hufknochen sind nicht unmittelbar sichtbar.

    In jedem Fall ist ein deutliches Schmerzverhalten des Pferds zu beobachten: verspannte Muskulatur, flache Atmung, die Weigerung, bestimmte Bewegungen auszuführen, teilweise Zittern oder Schmerzflehmen. Kommt es zu einem Bruch im Beinbereich, geht das Pferd stark lahm (bspw. Strahlbeinbruch) oder kann das entsprechende Bein gar nicht mehr belasten (Röhrbeinbruch u.a.).

    Teilweise kommt es lediglich zu Knochenfissuren, die etwas weniger schmerzintensiv sind. Sie können jedoch "wachsen" und nach einiger Zeit unter Belastung zu einem vollständigen Bruch des Knochens führen.

    Ursachen

    Die häufigsten Ursachen sind Stürze und Schläge durch andere Pferde. Besonders gefährdet sind ältere und mangelernährte Pferde; wie beim Menschen können auch Ermüdungsbrüche auftreten.

    Behandlung

    Früher galt der Grundsatz: Ein Knochenbruch im Bereich des Pferdebeins ist unheilbar; das betroffene Pferd muss getötet werden. Die beiden Probleme bei der Behandlung von Knochenbrüchen bei Pferden sind die Unmöglichkeit, im Bereich oberhalb des Karpal- bzw. Sprunggelenks einen Gips anzulegen und damit den Bruch zu fixieren sowie die ständige Belastung, da Pferde zur Aufrechterhaltung des Kreislaufs den überwiegenden Teil des Tages stehend verbringen müssen. Wird ein Bein dauerhaft geschont, führt dies zu einer übermäßigen Belastung der übrigen Beine, die entsprechende Krankheitssymptome entwickeln (z.B. Belastungsrehe). Ebenso wie in der Humanmedizin wurden jedoch zwischenzeitlich Methoden entwickelt, um rasch diagnostizierte, glatte Brüche zu heilen (Gips, Nageln, Platten). Da diese Versorgung von Brüchen jedoch langwierig und kostenintensiv ist und das Pferd u.U. in seiner Belastbarkeit dauerhaft eingeschränkt bleibt, wird sie meist nur bei wertvollen Tieren durchgeführt, die so der Zucht erhalten bleiben können.

    Zudem sind die Methoden praktisch nur am Röhrbein möglich, sofern der Knochen nicht gesplittert ist. Gebrochene Gelenke können nicht wieder funktionstüchtig zusammenwachsen. Die Diagnose bei einem gebrochenen Hufbein, aber auch bei Absplitterungen im Beckenbereich ist oft schwierig. Irgendwann erholt sich das Pferd weitgehend, da neues Knochengewebe produziert wird. Es besteht jedoch die Gefahr einer Überproduktion, einer dauerhaften Versteifung oder chronischer Schmerzen beim Ausführen bestimmter Bewegungen.


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