Offenstallhaltung

    Aus Pferde-Lexikon

    Die Bezeichnung "Offenstall" wird für zahlreiche, teilweise recht unterschiedliche Haltungsformen verwendet. Während von manchen jede Hütte auf einem Stück Wiese so bezeichnet wird, begreifen andere darunter eine hochkomplexe Wissenschaft aus Herden- und Futterzusammenstellung, architektonischen Richtlinien und ausgeklügeltem Weidemanagement.

    Generell ist zu sagen, dass ein dreiseitiger einfacher Unterstand auf einer Grünfläche zeitweise zur Pferdehaltung genutzt werden kann, jedoch keine ausreichend tiergerechte Haltungsform rund ums Jahr darstellt. Auch ist die Versorgung von Krankheiten und individuellen Problemen der Pferde meist nicht gewährleistet.

    Der heute übliche Offenstall verfügt über ein Gebäude (teilweise auch ein an das Wohnhaus angeschlossener Kuhstall o.Ä.) mit einer Unterstell- und Liegefläche für die Pferde, Lagerraum für Heu und Kraftfutter und einer Kammer für die benötigten Geräte sowie die Ausrüstung der Pferde. Der Boden des Stallbereichs ist befestigt und trocken.

    Um den Stall wird ein Auslauf eingezäunt, der den Pferden immer - auch bei wochenlangem Regen oder großer Kälte im Winter - zur Verfügung steht. Der "Auslauf" wird seinem Namen nur gerecht, wenn die Pferde ihren natürlichen Bewegungsdrang wenigstens ansatzweise ausleben, d.h. zumindest einige Trab- oder Galopptritte ausführen können. Durch den ständigen Aufenthalt der Tiere wächst meist kein Gras mehr; idealerweise ist der Auslaufboden zumindest teilweise befestigt, damit die Pferde auch bei schlechtem Wetter trocken stehen können. Die Haltung auf vollständig unbefestigten "Matschpaddocks" ist aufgrund der gesundheitlichen Folgen (bspw. Strahlfäule, Mauke) abzulehnen.

    Dem Auslauf schließt sich u.U. noch eine Weidefläche an; teilweise sind die Weiden separat gelegen, sodass die Pferde stundenweise dorthin gebracht werden, teilweise beschränkt sich der Offenstall auch auf Unterstand und (dann entsprechend größer anzulegenden) Auslauf. Diese Weide ist stundenweise oder rund um die Uhr zugänglich. Futterkrippen und Tränkebecken befinden sich am Stall. Für die Umzäunung gelten die für Koppeln genannten Grundsätze.

    Die Gestaltung des idealen Offenstalls darzustellen, ist in knappem Rahmen praktisch unmöglich, denn sie ist tatsächlich eine Wissenschaft für sich. Ganze Fachbücher befassen sich mit den Fragen der idealen Auslaufgröße, der Wahl zwischen Holz- oder eingestreutem Steinboden im Unterstand, der Drainage und Aufschüttung des Auslaufs und sogar der Fütterung per Futterautomaten. Wird Offenstallhaltung ernsthaft durchgeführt, erweist sie sich selten als billiger, oft sogar als kosten- und v.a. zeitintensiver als Boxenhaltung. Diese Investitionen werden jedoch durch die deutlich höhere psychische und physische Gesundheit der Tiere kompensiert, weswegen diese Haltungsform für Pferde aller Rassen und Altersgruppen - unter Berücksichtigung bestimmter Schutzmaßnahmen für gesundheitlich eingeschränkte Tiere - zu empfehlen ist.


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