Pferderennen

    Aus Pferde-Lexikon

    Die ersten Pferderennen

    Da die enorme Geschwindigkeit eines galoppierenden Pferds zuerst den Wunsch des Menschen weckte, sich auf den Rücken des Tiers zu schwingen und dessen Kraft und Schnelligkeit zu nutzen, ist es nur folgerichtig, dass Pferderennen die älteste Reitsportdisziplin darstellen. Bereits Xenophon beschreibt das "Schnellreiten" in den Übungseinheiten als unbedingt notwendig, denn wenn die Reiter "darin noch ungeübt sind, so muss man darauf achten, dass ihnen nicht erst die Feinde das Schnellreiten beibringen." Die ersten Rennen überhaupt aber waren - entsprechend den anfänglichen Mühen, sich auf dem Pferderücken zu halten und das Tier zu lenken - Wagenrennen. Dabei wurden unterschiedliche Anspannungen verwendet, die aus dem Film "Ben Hur" bekannte Quadriga (vier Pferde nebeneinander) ist nur eine davon.

    Gerittene Rennen

    Die ersten gerittenen Rennen bei den Olympischen Spielen waren ein Sport für besonders Wagemutige: Ohne Sattel hielten sich die Reiter auf ihren Pferden. Ganz ähnlich läuft bis heute das (unter Tierschützern umstrittene) Jahrhunderte alte Palio im italienischen Siena ab. Die Jockeys starten ebenfalls auf ungesattelten Pferden. und das rutschige Geläuf - auf die Straßen der Altstadt geschütteter Sand - sowie die Enge in den Kurven, die häufigen Stürze und das Gedränge dürften an Rasanz und Risiko den antiken Spielen in nichts nachstehen. Heute wie schon damals kommen immer wieder Reiter und vor allem Pferde zu Schaden. Die Sieger unter den Rennreitern des antiken Griechenlands bzw. Makedoniens wurden jedoch zu gut bezahlten Volkshelden, ein Status, von dem die Jockeys des Palio, die für die einzelnen Stadtteile antreten und damit lediglich regionale Bekanntheit haben, nur träumen können.

    Das Rennpferd

    Pferderennen waren über die Jahrhunderte hinweg immer Anziehungspunkt der Massen. Lange Zeit wurden sie mit zwar leichten, keineswegs aber in Abstammung und Exterieur einheitlichen Pferden geritten. Erst im 18. Jahrhundert wurde die Rasse geschaffen, die bis heute untrennbar mit dem Rennreiten verbunden ist: das Englische Vollblut.

    Stammvater der Zucht war Eclipse, 1764 geboren. Er stellte den Pferdetyp dar, auf den bereits Heinrich VIII. mit der Gründung der Royal Paddocks in Hampton Court im 16. Jahrhundert abzielte. Kaum in der Lage, durch sein Exterieur zu überzeugen, besaß der Fuchshengst Renneifer und eine ausdauernde, weiträumige Galoppade wie kein anderes Pferd. Er wurde zu einem der erfolgreichsten Rennpferde aller Zeiten. Nebenbei schuf er mit fast 350 direkten Nachkommen auch den Grundstock für die gesamte heutige Vollblutzucht.

    Ein adliger Sport

    Galopprennen waren bereits zum Sport des Adels geworden. Reiche Rennstallbesitzer ließen ihre Jockeys in den Farben des Stalls einkleiden und wetteten auf ihre Pferde. Sie gaben Unsummen für Stallbau, angebliche Wunderfuttermittel und Bedienstete aus - was die Pferde häufig nicht davor bewahrte, in warmen Boxen mit stickiger Luft zu stehen. Nur so aber glaubte man das Pferd leistungsfähig und v.a. sicher vor Diebstahl zu halten, denn ein gutes Rennpferd stellte schon immer einen immensen Wert dar.



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