Turniere

    Aus Pferde-Lexikon

    Wie beim Reitsport existieren nach Schwierigkeitsgrad gestaffelte Turnierklassen sowie unterschiedliche Wettbewerbsdisziplinen. Üblicherweise werden sie jedoch in einer "Vielseitigkeitsprüfung" kombiniert, die die Einzelprüfungen Dressur, Hindernisfahren und Marathon (Gelände) enthält.

    Am Beginn jedes Fahrturniers steht die Gespannkontrolle. Die stil- und pferdegerechte Anspannung wird kontrolliert, ebenso die Verkehrssicherheit des Wagens und die korrekte Kleidung des Fahrers.

    Die Dressur besteht aus einer auf einem Fahrplatz zu absolvierenden Lektionenkombination. In ihr soll die gewissenhafte Ausbildung des Pferds wie des Fahrers überprüft werden. Eine fehlerhafte, nicht dem Achenbach-System entsprechende Leinenhaltung wird ebenso negativ bewertet wie harte Hilfengebung, Schwung- oder Taktverlust, Widersetzlichkeit und Ungehorsam des Pferds. Die vorgeschriebenen Figuren inklusive Rückwärtsrichten müssen absolut exakt gefahren werden.

    Beim Hindernisfahren muss, erneut auf dem Fahrplatz, eine zuvor festgelegte Route zwischen Hindernissen hindurch gefahren werden. Diese Hindernisse bestehen meist aus den von Baustellen bekannten Gummipylonen, auf die ein Tennisball aufgelegt wird. Entsprechend der zum Einsatz kommenden Kutsche werden sie in der Wagenbreite mit einer Zugabe von wenigen Zentimetern aufgestellt. Das Berühren der Pylone und Abwerfen der Bälle wird als Fehler notiert; aufgrund der Zeitvorgabe muss im Trab gefahren werden.

    Die Marathonstrecke stellt die ereignisreichste und für Zuschauer spannendste Teilprüfung dar. Eine Geländestrecke wird auf Zeit (unterteilt in Messabschnitte) zurückgelegt; dabei müssen feststehende Hindernisse passiert werden. Enge Labyrinthe erfordern extreme Wendigkeit der Pferde sowie große Erfahrung des Leinenführers; Wasserdurchfahrten testen den Gehorsam der Tiere und Galoppstrecken die Ausdauer und Schnelligkeit. Da die Hindernisse nicht umstürzen können, kommt es zuweilen zu einem Verkanten oder gar Umwerfen der Kutsche. Um dies möglichst zu vermeiden, steht während der Marathonfahrt ein (bei größeren Gespannen auch zwei) Helfer hinter dem Fahrer auf dem leichten, besonders schmalen und wendigen Marathonwagen. Dieser Beifahrer gleicht mit seinem Körpergewicht die Zentrifugalkraft in den engen Kurven aus.

    Internationale Vielseitigkeitsprüfungen werden für Ein-, Zwei- und Vierspänner ausgeschrieben. Die anderen Anspannungsformen kommen üblicherweise nur bei Schauturnieren zum Einsatz, wo lediglich die korrekte Fahrweise und die stilvolle Aufmachung des Gespanns bewertet werden.


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