Voltigieren

    Aus Pferde-Lexikon

    Entwicklung des Voltigierens

    Die Ausführung akrobatischer Übungen auf dem Pferderücken hat bei vielen Reitervölkern eine lange Tradition. Häufig entsprangen die Lektionen praktischen Anforderungen, wurden aber um Showelemente zur Demonstration von Mut und Geschicklichkeit des Reiters erweitert.

    Später wurden das Auf- und Abspringen in der Bewegung, das Knien oder Stehen auf dem gehenden Pferd oder das Rückwärtsreiten trainiert, um jungen Rekruten ein Gefühl für die Bewegungsabläufe ihres Reittiers zu vermitteln.

    Voltigieren als Sport

    Als Wettkampfdisziplin gilt Voltigieren erst seit wenigen Jahrzehnten. Bei internationalen Turnieren werden zu dritt oder zu viert komplizierte Figuren in einer ausgeklügelten Choreografie auf dem galoppierenden Pferd gezeigt.

    Eine viel breitere Basis besitzt dieser Sport jedoch bei ganz jungen Pferdefreunden: Zahlreiche Reitschulen bieten für die jüngsten Tiernarren Voltigierkurse an, bis diese ein Alter erreichen, ab dem Reitunterricht sinnvoll erscheint. So können die Kinder schon früh mit Pferden in Kontakt kommen, ihre Bedürfnisse und Verhaltensweisen kennen lernen sowie das notwendige Gleichgewicht auf dem Pferderücken entwickeln. Gleichzeitig wird der Teamgeist geschult - da die ganze Voltigiergruppe für das Wohlergehen des Vierbeiners verantwortlich ist - und die Beweglichkeit auf spielerische Weise trainiert.

    Voltigierausrüstung

    Die Kleidung des Voltigierenden ist darauf ausgerichtet, ihm möglichst viel Bewegungsfreiheit zu bieten: meist besteht sie daher aus einem eng anliegenden, mit langen Ärmeln und Hosenbeinen versehenen Body und einem Paar Gymnastikschläppchen. Letztere gewährleisten, dass das Pferd bei Übungen, in denen ein Stehen auf dem Pferderücken verlangt wird, nicht verletzt werden kann.

    Das Pferd ist mit einer normalen Trense gezäumt und wird durch zwei Ausbinder am Voltigiergurt ausgebunden. Dieser Gurt besitzt Fußschlaufen und Handgriffe. Der Rücken des Voltigierpferds wird zusätzlich durch eine gepolsterte Schabracke geschützt.

    Die im Voltigiersport zum Einsatz kommenden Pferde sind meist kleinere Warmblüter oder Rassemixe. Bei ihrer Auswahl sind weniger Farbe und Schönheit als vielmehr unerschütterliche Nervenstärke und ein gleichmäßiger, ausdauernder, nicht zu runder Galopp entscheidend. Da die Pferde in Training und Wettkampf stets auf der linken Hand im Kreis (Mindestdurchmesser 13 m) galoppieren - ausgleichendes Longieren rechtsherum ist daher unbedingt nötig -, müssen die Pferdebeine starke asymmetrische Belastungen aushalten. Eine korrekte Stellung und belastbare Sehnen und Knochen sind somit Grundvoraussetzungen für ein Voltigierpferd. Daneben wird auf einen stabilen, flächigen, aber nicht zu langen und damit empfindlichen Rücken geachtet.

    Turniere

    Nur wenige Kinder bleiben bei dem Sport - die Turnierszene gerade im Seniorenbereich ist daher in Deutschland noch immer relativ klein. Üblicherweise werden Klassen für Team-, Zweier- oder Einzel-Voltige ausgeschrieben. In der Gruppe dürfen nur Junioren bis zum Alter von 18 Jahren starten; diese Regelung dient auch dem Schutz der Pferde vor Gewichtsüberlastung. Das Team besteht aus acht Voltigierern und dem Longenführer; es kann entweder nur aus jungen Frauen oder jungen Männern oder gemischtgeschlechtlich zusammen gesetzt sein.

    In allen Klassen wird eine vorgeschriebene Aufgabe vorgeführt sowie im Anschluss eine frei erstellte Kür.

    Während die Turniere im Vergleich zu anderen Reitsportdisziplinen verhältnismäßig wenig Beachtung finden, werden Voltige-Gruppen gerne für Schaueinlagen auf Pferdemessen oder auch in den Pausen von Dressur- oder Springturnieren gebucht und von den Zuschauern begeistert begrüßt.



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